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Der Frosch auf dem Herd und Depressionen

 

Nach meinem letzten Blogbeitrag zum Thema Entfremdung und Depression bin ich nun nach „DER“ Lösung des Dilemmas gefragt worden. Und prompt habe ich einen Blogbeitrag gefunden, der mich da sehr ansprach.

Im  tollen englischsprachigen Blog Brainpickings bin ich auf eine sehr schöne Metapher = Bild gestossen, die gut an meinen letzten Blogbeitrag zum Thema Entfremdung und Freiheit anknüpft. Es stammt aus einem Buch aus dem Jahr 1949 mit dem wunderbaren Titel „How to Avoid Work“, das allen Menschen gewidmet ist, die die Arbeit nicht mögen (oder gar hassen).

Es geht um einen Frosch, der in einem Kochtopf auf dem Herd sitzt. Langsam wird der Herd angeheizt und das Wasser wird heisser und heisser.

Der Frosch fühlt sich unwohl und wird unruhiger. Er wird mal aggressiver und schlägt um sich. Schliesslich wird er aber erschöpfter bzw. wird „eingelullt“ und verpasst den Zeitpunkt, um aus dem Topf zu springen bis er schliesslich das Bewusstsein verliert und zu Grunde geht.

Na ja, Froschschenkel sollen ja auch ganz lecker sein ….. Brrr….

Hier schön graphisch dargestellt am Beispiel Überwachung und Kontrolle in der Gesellschaft :

Diese Metapher von Lewis Hyde bezog sich auf die Arbeitswirklichkeit um 1949 für Arbeitstätigkeiten und Umstände, die dem Individuum nicht liegen bzw. die sie oder er nicht mag. Oder die zu schnell oder zu langsam, zu laut oder zu leise und damit überhaupt nicht auf die individuelle Regulationsdynamik, Interessen und Neigungen des jeweiligen Menschen abgestimmt sind. Entfremdung halt. So eine falsche Umgebung muss Druck und Angst auslösen.

Nun verändern sich ganz langsam die Rahmenbedingungen. Die Anforderungen werden etwas erhöht, die Unterstützung wird etwas zurückgenommen. Nicht weiter schlimm. Manchmal wird es auch wieder besser, die Temperatur sinkt also wieder. Nur man verliert das Gespür dafür, wie es denn für mich persönlich sich anfühlt, wenn man nur schaut, was die Anderen wohl noch aushalten können.

Wie es in dem Video so schön heisst, man müsste jeweils mal kontrollieren, wie heiss denn das Wasser schon ist.  Das Empfinden für die richtige Badetemperatur ist aber individuell. Nur nach den anderen zu schauen, kann gefährliche Ausmaße annehmen. Genauso, wie eben nicht auf den eigenen Wohlfühlbereich zu achten.

Und jünger werden wir eben auch nicht. Damit lassen die Kompensationskräfte eben auch ganz natürlich nach, möglicherweise spielen hormonelle Veränderungen und Schwankungen dann auch noch reine Rolle.

Aber eine Temperaturanzeige für das eigene emotionale Empfinden haben die meisten Menschen nicht.  Oder die Anzeige funktioniert nicht bzw sie haben nicht die neuropsychologische Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und Selbstregulation. Dann kommt es häufig zum Druckanstieg im Kochtopf, was ich ja auch schon zum Thema des Blogs hier gemacht habe..

In der Psychotherapie der Borderline-Störung beschreibt man ja so schön, dass auf einem Gefühlsthermometer zwischen 30 und 70 Grad noch Handlungsmöglichkeiten bestehen. Über 70 bis 100 Grad ist dann eben die Eigenregulation quasi nicht mehr möglich. Aber gerade da wäre es nötig, wenn man nicht frühzeitig runterregulieren kann. Besonders dann nicht, wenn eben das eigene Ventil für die Druckregulation nicht funktioniert bzw. die Selbstüberwachung bzw. Selbstkontrolle der eigenen Gefühle eben nie gelernt wurde und ständig in Frage gestellt wurde.

Gut, der Frosch beschliesst aus dem Kochtopf zu springen, bevor der Kessel kocht. Stellt sich nur die Frage : Wohin ? Wie soll das gehen, mit all den Abhängigkeiten und finanziellen und sonstigen Verpflichtungen.

Schreibe ich doch, dass man sich keine Ziele setzen sollte, die man nicht erreichen kann. Weil man dann noch frustrierter und ängstlicher aus dem Kochtopf schaut.

Erstmal sollte man sich als Frosch so die Frage stellen, ob ein Kochtopf ein guter Aufenthaltsort ist oder doch lieber ein kleiner Teich oder Bach. Ich muss mir also auf jeden Fall das richtige Umfeld bzw. eine passendes Biotop.
Auch unterscheiden wir uns individuell, welche Umgebungsbedingungen oder Tempo oder Besiedelungsdichte uns nun gut tut.

Vor einigen Tagen hatte ich dazu ein schönes Beispiel einer Patientin, die in einen ungünstigen Kochtopf gesprungen war. Nicht freiwillig.

Früher hatte sie als Betreuerin in einer Wohngruppe für Jugendliche gearbeitet. Dazu musste sich aber mit dem Auto ziemlich weit pendeln. Die ansteigenden Benzinkosten und die zeitliche Belastung führten dann dazu, dass sie diesen Job aufgab. Es rentierte sich einfach wirtschaftlich nicht mehr.

Nun wechselte sie in die Altenbetreuung in einem Seniorenheim. Näher dran, etwas schlechter bezahlt. Die Bedingungen wurden von Jahr zu Jahr schlechter, ihre Kraft nahm entsprechend ab.

Aber sie ist ja in diesem Bereich ungelernt und vermutlich sieht es in den anderen „Kochtöpfen“ der Altenpflege nicht besser aus. Sie blieb.

Als dann im familiären Umfeld Belastungen hinzu kamen bzw. durch die Strompreiserhöhungen und Kürzungen von Weihnachtsgeld bei ihrem Mann die Situation brenzelig wurde, konnte sie nicht mehr.

Es kam zu Konflikten mit Kolleginnen und sie wurde gereizter bzw reagierte impulsiver und verbal aggressiver gegen die alten Menschen.
Sie könne keine alten Menschen mehr sehen. Selbst bei uns in der Klinik, reagiert sie dann aggressiv auf Mitpatientinnen und Patienten aus dem Orthopädie-Bereich, die an Unterarmgehstützen laufen.

Nun ja. Die Temperatur ist wohl am sieden. Aber ist das ein Grund für eine Berentung ?

Ich denke nicht. Es gehört natürlich auch mit zu den eigenen Verantwortungen, sich jeweils mit der eigenen privaten und beruflichen Lebenssituation zu beschäftigen. Darauf frühzeitig zu reagieren, wenn die Wohlfühltemperatur überschritten ist.

Manchmal ist die Kündigung und ein Neuanfang unumgänglich. Und das ist (leider ?) keine Leistung der Krankenkasse oder Rentenversicherung.

Achtsamkeit und Regen : Innere Bilder der Irritation

Ich kenne eine ganze Menge von Patientinnen, die mögen den Regen. Weil sie dann bei sich sind.

Aus der englischsprachigen Literatur über Achtsamkeit steht aber R.A.I.N noch für eine Abkürzung, die ganz schön die Grundgedanken der Achtsamkeit (mindfulness based psychotherapy) zusammenfasst.

In diesem Beitrag habe ich mal Aspekte dieser inneren Haltung auf die Arbeit mit inneren Bildern bzw. Emoflex(R) versucht anzupassen.

RAIN steht dabei für

R ecogonize also Erkennen ohne impulsiv bzw. bewertend zu R eagieren

Damit ist gemeint, dass man wie ein Beobachter zunächst schauen sollte, auf welche Irritationen bzw. emotionalen Erlebnisse man „anspringt“. Oder besser gesagt : Emotional überreagieren WÜRDE, wenn man eben nicht achtsam mit sich umgehen würde.

Das kann ein Wort, ein Unterton bzw. die Lautstärke der Stimme eines anderen Menschen sein. Es können innere Bilder sein, die ausgelöst werden.

Häufig merkt man es daran, dass man Tränen in der Augen hat, das man zusammenzuckt oder ein Klossgefühl im Hals oder Bauch hat. Oder eben eine andere kurzzeitige Reaktion der Psyche. Es kann ein Stocken im Satz oder eine sonstige Veränderung im Verhalten oder der Sprache sein.

Wichtig im Zusammenhang der Achtsamkeit ist, dass man dieses Signal der Irritation nun nicht sofort für ein Reagieren, sondern allein in eine Beschreibung nutzt.

Üblicherweise empfehlen die Therapeuten, es sich als Beobachtung zu notieren. Das ist dann sehr ähnlich wie in der Selbstbeobachtung der Verhaltenstherapie, bei der man die Situation, Gedanken, Gefühle und körperliche Symptome bzw. Reaktionen sich als Mikroanalyse merkt.

Im Sinne der hier vorgestellten Methode der inneren Bilder empfehle ich, dass man sich eher ein emotionales Bild von dem Gefühl machen könnte.

Dieses kurzzeitige Irritationsgefühl ist mit einiger Übung gut zu erwischen, entgeht aber sonst der üblichen therapeutischen Arbeit leicht.

Wenn also dieser kurze Störmoment eine Form annehmen könnte, was passt dazu ?

Welches Bild kommt spontan vor das Innere Auge ?

Wenn noch kein Bild da ist : Welche Farbe könnte das Gefühl annehmen ? Wäre es schwer oder eher leicht ? Hat oder weich ? Passt eine Form (rund, eckig, wolkig) ? Wäre es warm oder kühl ? Bewegt es sich ?

Merken sie sich dieses Gefühlsbild.

Accept Akzeptieren oder auch Allow = Erlauben

Kern der Achtsamkeits-Geschichten ist ja, dass man die Gedanken, Gefühle, inneren und äußeren Wahrnehmungen so nehmen soll, wie sie kommen. Und sie auch wieder loslassen soll.

Also wie ein Wolke an sich vorbei ziehen lassen.

Nicht Einkliniken sondern eher im Durchzugmodus „Ausklinken“.

Na ja. Wenn man das könnte, wäre es sicherlich eine tolle Sache.
In den Achtsamkeitsgruppen hier in der Klinik ist natürlich dann immer wieder das Thema, dass man da mit sich selbst viel Geduld haben muss. Man soll / muss akzeptieren, dass das Akzeptieren lernen ewig dauern kann…

Irgendwie auch eine schwierige Schlange, die sich selber in den Schwanz beisst.

Da dass auch schon wieder eine Reaktion ist, muss ich mir also auch erlauben, dass ich auf solche  Störungen reagiere.

Mit inneren Bildern ist es häufig wesentlich leichter, das Akzeptieren zu praktizieren. Wenn die Gedanken und Gefühle bzw. Probleme in Bildern übersetzt sind (oder schon so vorliegen), verlieren sie durch das Weiterverarbeiten (über Rechts-Links-Stimulation) an emotionalem Gewicht. Sie werden quasi „egaler“.

Sie werden gleichgültiger.   Und das ist eigentlich das Ziel des inneren Anspruchs beim Akzeptieren…

Investigate = Endecken Das Leben aus den Augen eines (inneren) Kindes entdecken

Für viele meiner Leserinnen und Leser wird Neugier bzw. ein kindlicher Blick auf das Leben nicht so fern sein. Beim Entdecken geht es darum, jede Situation oder jede Aufgabe so zu sehen, als ob man sie das erste Mal in seinem Leben erlebt.

Unbelastet und mit einer gewissen kindlichen Vorfreude bzw. Naivität.

Eine positive Unbedarftheit

Auch hier können wie beim „Akzeptieren“ eben „negative“ Aspekte (ich nenne sie ja gerne Kanalratten aus der Vergangenheit“ an die Oberfläche huschen.

Dann sollte man eher neugierig darauf sein, was sie wohl mitteilen wollen. Wofür sie stehen. Und sie nicht verjagen oder noch mies behandeln wollen.

Ich arbeite ja gerne so, dass ich regelrechte Bildergeschichten über Rechts-Links-Aktivierung entstehen lasse. Es sind dann quasi Fabeln oder Märchen oder manchmal auch abstruse Kino-Varianten. Egal, welches Genre. Es ist zunächst ein Spass, dabei zu sein.

Und es geht eben nicht um die Interpretation oder Bewertung. Es geht um den Fluss der Bilder bzw. Verarbeitung.

Ein Therapeut sollte hier möglichst wenig im Weg rumstehen oder stören.

N atürlichkeit

Sei Du selbst. Sei im Einklang mit der Natur. Verstelle Dich nicht und lebe im Hier und Jetzt mit der Natur.

Ich finde die Natürlichkeit besonders schwer, weil eben häufig unsere emotionale Umgebung alles andere als gesund ist, gesund reagiert. Das Verstellen war und ist (bzw. wird auch für die Zukunft) eine wichtige Überlebensstrategie für viele Personen bleiben. Das ist ein Thema, das mich im Blog und in der Klinik natürlich immer wieder beschäftigt…

Achtsamkeitsbasierte Online-Intervention wirksam

Bereits sehr kurze und einfache Angebote aus dem Bereich der achtsamkeitsbasierten Therapie bzw. Positiven Psychologie beispielsweise auch über das Internet können nachhaltige Wirkungen auf Erschöpfungsgefühl und negative Gedanken in Hinblick auf die Arbeit und eigene Zukunft haben.

Dies ist u.a. auch für mich eine Motivation, das simple Angebot von #ppp Poste Positive Postingimmer weiter anzubieten, da es sich genau um so ein sehr einfaches Angebot der Selbst-Achtsamkeit handelt.

Ursprünglich wurde eine ähnliche Übung der Positiven Psychologie  von Martin Seligman als „Three Blessings“ bzw. „What-went-well-excerise“ eingeführt. Notiert werden sollten

  • über mindestens 1 Woche
  • jeweils 3 positive Erlebnisse und
  • je 1 Begründung, warum es positiv war

Ein etwas anspruchsvolleres Achtsamkeitsprogramm wurde jetzt Online im Internet angeboten. Es nahm weniger als 2 Stunden Training in der Woche in Anspruch.

Die von der British Psychological Society dann bekannt gemachte Studie von Daqn Querstreet und Prof. Mark Cropley zeigte, dass bereits kurze Interventionen zu einer Reduktion von Erschöpfung bzw. ständiger Müdigkeit , Schlafproblemen und negativen Gedanken in Hinblick auf Arbeitsplatzkonflikten und Sorgen führte.

Dazu wurden 127 Berufstätige über 4 Wochen an einem internetbasierten Achtsamkeits-Kurs (mindfulness baed stress reduction) . Die über eine Kontrollgruppe geführte Untersuchung erfasst dabei an 4 Zeitpunkten das Befinden mit einem Follow-up nach 3 und 6 Monaten.

Wir wissen aus der Forschung, dass gerade Arbeitsplatzprobleme bzw. Arbeitsstress heute zunehmend zu Krankschreibungen bzw. auch vorzeitigen Berentungen beitragen. Je früher man mit einer Bewusstmachung bzw. Selbstachtsamkeit beginnt, desto besser letztlich auch die Prognose.

Die Achtsamkeitsübungen bzw. Positive Psychologie schärft ein Bewusstsein für eigene Gedanken und Gefühle in einer positiven bzw. konstruktiven Art und Weise, so dass man effektivere Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungsfreiheiten gewinnt.

Diese Studie war nicht Gegenstand der Diskussionen unserer Arbeitstagung der DGPPR in Lübstorf bei Schwerin. Aber auch dort wurde deutlich gemacht, dass es nicht der Arbeitsstress bzw. die Arbeitsverdichtung primär ist, der zu den psychischen Belastungen und Problemen führt.

Vielmehr ist die individuelle Reaktion auf diese Belastungen bzw. die Anpassungsfähigkeit wichtig.

Ganz offensichtlch lässt sich diese Anpassungsfähiigkeit bzw. die indviduelle Antwort auf Stress-Bealstungen eben durch gezielte Behandlung und Information verändern.

In diesem Sinne werde ich auch weiterhin jeweils um 18 Uhr einen Newsletter mit kurzen Informationen zur Achtsamkeit bzw. Positiven Psychologie anbieten. Das ist dann zwar kein direkter Online-Kurs in achtsamkeitsbasierter Stress-Reduktion. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung….

Gerade für Arbeitnehmer wäre es also sehr ratsam, neben Angeboten zur Entspannung, Bewegung und gesunder Ernährung auch derartige psychologische Kurzinterventionen regelmäissg anzubieten bzw. daran zu erinnern.

Selbstwirksamkeit über innere Bilder stärken

Positive Gefühle sind positive Nachrichten

Durch meine Aktion „Poste Positive Postings“ habe ich eine Erfahrung gemacht, die man sonst eigentlich nur in so mehr oder weniger sinnfreien „Sinnsprüchen“ macht :

Das beste Gefühl in der Welt ist mehr oder weniger zu wissen, dass man einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ein Schritt vorwärts in eine Zukunft, in der auch positive Entwicklungen möglich sind, die Du vorher nicht für möglich gehalten hast.

Egal, ob sich die Idee von #ppp Poste Positive Postings um 18 Uhr nun durchsetzt oder nicht. Es hat mir persönlich dann sehr viel gegeben, die ersten positiven Reaktionen darauf zu lesen.

Positive Nachrichten bzw. gute Erfahrungen sich in sein Bewusstsein zu rufen, ist eine sehr wirksame Methode der Positiven Psychologie.

Und dadurch wusste ich, dass es eine richtige Richtung, ein richtiger Schritt war bzw. ist.

Dieses Gefühl ist traumhaft. Es ist bei mir ein fast federleichtes, goldenes Gefühl. Ein rundes Gefühl, dass sich vielleicht mit einem schönen Spaziergang am Meer, mit einem freien Blick über eine offene Wasserfläche bzw. ein Hauch von Bergluft am Morgen vergleichen liesse.

Zumindest bei mir.

Genauso schön ist es, Kinder oder eben auch einmal Klienten bei der Entwicklung von neuen Erfahrungen zu begleiten. Selbst wenn man junge Tiere bei den ersten Schritten im Leben anschaut, kann es ein ähnliches Gefühl auslösen. Wir schauen uns quasi ein positives Gefühl von mehr Selbstwirksamkeit ab, wenn bei Anderen zum ersten Mal etwas gelingt. Wenn eine neue Erfahrung gemacht wird.

Das sind auch Glücksmomente

Häufig geht uns innerlich das Herz auf. Es kann sogar sein, dass es quasi „überfliesst“ und die Tränen kommen. Weil es so schön ist.

Es ist ein Schritt hin zu mehr Selbstwirksamkeit

Also der Erfahrung, dass man mit eigenem Handeln eine sinnbedeutende und nachhaltige Entwicklung in eine richtige Richtung machen kann.

Aber es ist häufig so flüchtig wie eine Seifenblase, die schnell zerplatzt, oder ?

Ich selber habe gewisse Probleme mit diesen ganzen Internetseiten bzw. Ratgebern, die nun über Zen-Methoden bzw. mehr oder weniger ähnliche Dinge den „richtigen Weg“ weisen wollen.

Ich bin eher ein zu rational denkender Naturwissenschaftler. Der aber eben bei seinen Klienten in der Klinik gerne mal ungewöhnliche Erfahrungen vermittelt. Der bewusst irritierend sein möchte. Positiv irritierend.

Das ist mein Job : Ich will und kann nicht den guten Rat für das ganze Leben verkaufen. Ich kann aber helfen, in eine Richtung von mehr Selbstwirksamkeit zu schauen bzw. dazu wirksame Werkzeuge für die Orientierung in die richtigen Richtungen zu geben. Damit man auf den richtigen Weg kommt bzw. nicht so schnell die Orientierung verliert.

Arbeiten mit inneren Bildern

Die Arbeit mit inneren Bildern = Imaginationsverfahren wie z.B. Traumreisen gehört wohl in den Handwerkskoffer von fast allen Psychotherapeuten. Egal, welche methodissche Ausrichtung sie haben. Wir Psychotherapeuten lieben es, wenn unsere Patienten neue positive innrere Bilder entwickeln. Oder sie in der Kunst- oder Kreativtherapie zu Papiier oder in eine Form bringen.

Ich selber kann nun aber eigentlich überhaupt nicht gut in inneren Bildern fühlen oder denken. Ich bin sogar häufig neidisch auf Klienten, die schon sehr spontan mit solchen Metaphern bzw. Form-Übersetzungen in ein Bild bzw. eine mehrdimensionale Form kommen.

Ich möchte Euch daher zeigen, wie man selber solche Beschreibungen für sich selber entwickeln kann bzw. wie man diese emotionalen Erlebnisse für sich haltbarer und letztlich auch therapeutisch nutzbar machen kann.

Solche Erlebnisse bzw. Dinge, die man also positive Gefühle oder Aktivitäten, eigene Stärken und dem Gefühl von innerer Stimmigkeit und Wertschätzung erlebt hat, muss (und kann) man stärken. Es sind Momente der Selbstwirksamkeit.

Wir stärkt man nun die eigene Selbstwirksamkeit über innere Bilder ?

Hier habe ich mal eine unvollständige Liste von positiven Nachrichten bzw. Glücksmomenten zusammengestellt,

  • Ein Moment oder eine Leistung von Ihnen, der „besser als erwartet“ war :
    Ein Gefühl, das „besser als erwartet“ ist : Z.B. einen hohen Berg mit dem Fahrrad schaffen, ein Puzzle zu Ende legen, eine spontane Umarmung etc..
  • Ein Gefühl, dass sie mit Sicherheit und Geborgenheit angenehm verbinden
  • Das Gefühl bei einer positiven Aktivität, die sie neu (oder wieder) in den Tag aufgenommen haben
    (z.B. wieder einmal Sport machen, ins Schwimmbad gehen, einen alten Freund / Freundin anrufen)
  • Eine Gefühl, das mit einer persönlichen Stärke verbunden ist (z.B. Musik spielen, Malen, Sport )
  • Das Gefühl für einen Moment, der ihnen eine neue Erkenntnis oder eine Lernerfahrung gebracht hat
  • Eine Situation, die sie besonders gut gemeistert haben
  • Ein Gefühl für Eigenschaften, die sie oder andere Personen an ihnen schätzen
  • Ein Körpergefühl (z.B. Entspannung), das für sie angenehm ist (z.B. Geborgenheit, Nähe)
  • Ein Nahrungsmittel, das sie mit Genuss verbinden. Z.b. das Backen einer Torte
  • Eine Lösung oder positive Wendung, die sie als entscheidenden Schritt nach vorne in ihrem Leben erlebt haben. Das kann auch der Glaube sein, ein netter Mensch oder eine andere Erfahrung
  •  Eine neue Lernerfahrung bei sich, seinem Kind oder einer anderen Person begleiten.

Positive Gefühle in Formbegriffe übersetzen

In meinem Blog habe ich ja schon häufiger auf innere Bilder hingewiesen.

Hier geht man ganz genauso vor, d.h. übersetzt das positive Gefühl oder Erlebnis in eine Bild-Form. Häufig ist es so, dass sich das Bild nicht gross verändert. Es wird aber „geschützt“ (wie ein Foto, das man laminiert) und leichter erinnerbar.

Was meine ich damit ?

1. Wie nehmen ein besonders schönes, besonders einprägsames Erlebnis.

2. Wenn dieses Gefühl nun eine bildhafte Form annehmen könnte, kommt ihnen ein inneres Bild in den Sinn ?

Welche Farbe könnte am besten zu dem Gefühl passen ?
Wäre das Gefühl eher rund oder vielleicht eckig ? Es darf auch gerne formlos wie eine Wolke sein…
Wäre das Gefühl eher warm oder vielleicht erfrischend kühl ?
schwer oder federleicht ?
hohl oder massiv ?
klingt es bzw. gehören Geräusche dazu ?
Hat es vielleicht einen Geruch ?
Bewegt es sich ?

Ein Patient von mir hat diese Woche auch schon von sich aus eine Art „Energiekugel“ sich vorgestellt. Diese imaginäre „Kugel“ hat er quasi zwischen seinen Händen gehalten. Auch sehr schön.

3. Versuchen Sie jetzt einmal ungefähr 10 Augenbewegungen von rechts nach links, wenn Sie sich das innere Bild bzw. die innere Form vorstellen.

Nehmen wir an, Sie haben für sich eine entsprechende Übersetzung gefunden, so kann man diese „Ressource“ bzw. das positive Gefühl jederzeit mit wenigen Augenbewegungen oder rechts-links-Aktivierungen hervorholen.

Häufig wirkt aber diese Bildform wie eine Art Drehzahlmesser bzw. Anzeige für emotionale Belastung und Stress.

Beispiel von Selbstwirksamkeit bei Kindern über innere Bilder und Metaphern

Das möchte ich am Beispiel eines 12 jährigen Mädchens verdeutlichen, die über eine hohe Stressempfindlichkeit mit entsprechend starken körperlichen Symptomen klagte. Kinder können in der Regel toll in Bildern fühlen, so dass das Vorgehen sehr leicht und innerhalb weniger Minuten wie ein Spiel funktionierte.

Zunächst ging es darum, ein Gefühl oder Tätigkeit zu finden, bei der Sie ganz und gar bei der Sache und in einem guten Gefühl war. Nach längerem Suchen beschrieb sie Schlagzeug als eine solche Aktivität

Das Gefühl Schlagzeug zu spielen übersetzte sie spontan als einen grünen Flummi aus Gummi, der wild vor ihrem geistigen Auge hin und her sprang.

Sie sollte sich den Flummi mal in der Mitte ihres Kopfes vorstellen und dann ein paar Augenbewegungen machen.

Nach wenigen Augenbewegungen wurde der Flummi ruhiger bzw. auch durchsichtiger bzw. klarer.

Das Mädchen, nennen wir sie mal Julia, hatte dann selber sofort eine (synästhetische) Verküpfungen erkannt. Der Flummi zeigte sehr deutlich Stress und emotionale Belastungen an.

Innere Bilder verändern sich wie die Gefühle bei synästhetischen Menschen&

Ich habe Julia dazu aufgefordert an eine Person oder ein Schulfach zu denken, dass ihr Sorgen bereite. Wo sie vielleicht eine Note besser wäre oder nicht blockiert wäre, wenn diese Person nicht so ein negatives Gefühl auslösen würde. Oder an Liebeskummer, der weh tut.

Julia hatte sofort eine passende Situation :
Sie ist ein sehr sprachbegabtes Mädchen. Daher hatte sie als Wahlfach Spanisch gewählt. Aber ihre Spanisch-Lehrerin ist so ganz und gar nicht „spanisch“. Sie vermittelt weder Lebendigkeit, noch die Freude an Sprache. Vermutlich war sie selber noch nie in diesem schönen Land.. Und die eigenen Sprachkenntnisse sind auch eher auf dem Niveau einer schlechten Maschinenübersetzung. Fürchterlich.

Bei Gedanken an Probleme wurde der Flummi dunkler, so als ob eine schwarze Tusche mit in das klare Grün gemischt würde. Zudem veränderte sich die Rotatation bzw. Bewegung des Flummis.
Beim Gedanken an die Lehrerin wurde aus dem Flummi ein Kaugummi

Einige Augenbewegungen über diesen Flummi und er wurde wieder klarer (wobei sie dann sehr genau sagen konnte, was sie im realen Leben tun müsste, um dies auch tatsächlich dauerhaft umzusetzen).

Wie viele hochsensible Menschen gab Julia dann an, dass der Flummi besonders durch die Gefühle von anderen Menschen (ihre Eltern und bestimmte Lehrer) beeindruckt würde. Beeindruckt deshalb, weil er so Dellen zeige.

Julia kann jetzt die (synästhetische) Übersetzung in einen Flummi quasi wie eine Gefühlsanzeige nutzen ! Sie erkennt, wenn sich ihr emotionaler Zustand bzw. die Aussenbelastungen verändern anhand des inneren Bildes ! Das ist ungleich besser, als körperliche Frühwarnsignale von Stress und Belastungen.

Hier haben wir bei einem Kind ein tolles Beispiel dafür, dass die Übersetzung in die Bild-Form einfach viel bessere Informationen und Handlungsmöglichkeiten als die Fehlübersetzung in psychosomatische Beschwerden liefert. Aber auch Erwachsene (und sogar Therapeuten, die an der Methode zweifeln und nicht daran glauben, dass so eine einfache Methode funktionieren kann) können dies mit ein wenig Kreativität (und Ausschalten der Logikkontrolle und Besserwisserei des Frontalhirns) ganz einfach hinbekommen.

Negative Erfahrungen über innere Bilder verarbeiten

Julia beschrieb dann die Veränderung wie ein Kaugummi. Es stellt sich also die Frage, wie man denn nun Kaugummis dauerhaft entfernen kann.

Ich erklärte Jullia, dass Psychologen und ärztliche Psychotherapeuten halt Fleck für Fleck in Angriff nehmen und Kratzen, um den Fleck zu entfernen.

Na ja., das war jetzt sehr übertrieben negativ.

Ich fragte Julia, wie ihre Mutter denn Kaugummis entfernen würde.

Na, dafür gibt es doch Trockeneis. Einfach drauf sprühen und dann lässt sich der Kaugummi rückstandlos entfernen.

Genau.

Und genauso machen wir es mit der Übersetzung in innere Formbegriffe auch.

Ich habe dafür Julia aufgefordert sich mal in meinem Zimmer ganz viele Kaugummiflecken vorzustellen, die für frühere ähnliche negative Erfahrungen stehen.

Mein Zimmer wäre demnach mit klebenden, stinkenden, grauen Kaugummiflecken übersäht.

„Mein Problem ist halt auch, dass ich da so leicht in einen der alten Kaugummis reintrete wie ein Fettnäpfchen“, so Julia.

Das aktiviert dann aber eben das klebrige, negative Gefühl von allen früheren Situationen. Mein Gehirn unterscheidet offenbar nicht, ob es eine aktuelle oder eine uralte Situation ist.

Vielmehr werden eben alle ähnlichen Situationen mit aufgerufen. Und das ist dann ein fürcherliches, zähes Gefühl.

Julia war damit selber auf eine ganz wichtige Erfahrung gestossen.

Ich bat sie also, sich die Kaugummiflecken ihres Lebens jetzt als Zeitleiste vorzustellen.

Und dann haben wir halt auf die gesammte Zeitleiste Augenbewegungen gemacht.

Die Flecken wurden weniger. Einige wenige Flecken bliieben. Sie klebten aber nicht mehr. Und sie zeigten sich als „alte Flecken“, die man eben vielleicht noch nicht entfernen kann. Weil sie so eingetreten sind.

Aber es war ein guter Anfang.

Weil Julia eine Methode für sich entdeckte, die sie nun in ähnlichen emotionalen Be-Lastungen anwenden kann.

Sie selber übersetzte dann noch gerade aktuellen Liebeskummer in eine Bildform…. Aber das ist eine neue Geschichte…

Mehr dazu auch auf www.emoflex.com

Ärger ist ärgerlich oder Mensch ärgere dich nicht

Ärger und Stress ohne Ende

Derzeit kommt es bei uns ziemlich hart. Morgens früh sah ich eine eingeschlagene Autoscheibe meines Wagens. Der Wagen war von meiner Mutter geliehen, die vor 8 Wochen überfallen wurde und daher noch im Krankenhaus lag.

Geklaut wurden bei mir 6 Flaschen Cola. Schon die Tage zuvor war mein Ärgerkonto sehr hoch belastet. Unsere Familienkutsche will nicht anspringen und weder der ADAC noch die Werkstatt kann das Problem finden. Und zu allem Überfluss wurde dann unser Ältester notfallmässig ins Krankenhaus gebracht. Ganz grosser Zirkus mit 2 RTWs, Hubschrauber und Massenalarm im Dorf. Irgendwie konnte es also kaum noch schlimmer kommen.

Zusätzlich noch eine Email-Anfrage einer Frau, die nun unbedingt eine Diagnose speziell von mir erpressen wollte. Weil ich ihr ja schliesslich nicht einen Gefallen versagen könne.
Dabei kenne ich sie noch nicht einmal. Und habe keinerlei private oder sonstige vertragliche Beziehung zu ihr. Beim besten Willen könnte ich ihr nicht helfen, da sie an einem ganz anderen Ende der Republik lebt.
Sie ist verärgert und verbittert, vermutlich wird sie viele negative Vorerfahrungen haben.

Aber ihr Verhalten verursacht wiederum Ärger bei mir bzw. anderen Menschen.

Toxische Mitmenschen verursachen Ärger, weil sie selber ärgerlich und verbittert sind

Solche Menschen erlebe ich als toxisch. Sie machen es nicht absichtlich. Aber sie sind wie Gift. Und man hat instinktiv den Wunsch, sich vor ihnen zu schützen.
Das wiederum verstärkt den Ärger bzw. sie treten eher noch nach.
Für Psychotherapeuten ist dies nun nicht so ganz selten. Und es ist kein Problem, wenn man gerade emotional super ausgeglichen wäre. Ist man aber eben nicht immer. Und ich war es gestern definitiv nicht.

Das Ärgerlichste ist aber, dass ich mich darüber ärgern muss, dass ich mich weiterhin ärgerte. Als Psychotherapeut sollte ich es ja besser wissen.

Ärger führt zu einem inneren Tilt-Zustand

Sehr sehr ärgerlich. Ich merkte aber auch, wie ich innerlich immer aggressiver wurde. Fassungslos, unruhig und ich konnte mich nicht wirklich beruhigen.
Bewegung half nur bedingt. Entspannungsverfahren gar nicht. Drüber reden bzw. das Mitgefühl der Kollegen schon mehr. Meine eigenen Gedanken positiver zu gestalten bzw. auf einen Gedankenstop zu setzen, wie ich es sonst meinen Patienten rate ? Kam gar nicht in Frage. Meine Frau konnte mich dann beruhigen, aber dafür war sie nun besorgt und ärgerlich. Alles nicht so ganz günstig. Und wiederum ärgerlich. Ich kam da so nicht raus. Es war wie ein Tilt-Zustand eines Flippergerätes. Ich war quasi handlungsunfähig.

„Mensch ärgere Dich nicht“, sagte ich mir. Klappte aber nicht. Es ist wie beim Einschnappen bei Konflikten. Man müsste also auch wieder „Ausschnappen“. Sich Ent-Ärgern können.

Mensch entärgere mich

Später am Nachmittag habe ich dann erneut einen Bereitschaftsdienst in unserer Kinder-Klinik gemacht und habe versucht, über Fernsehen mich abzulenken. Dort habe ich eine der unzähligen Zoo-Sendungen gesehen.
Dort war ein Giraffenpfleger zu sehen, dessen Herz vor Glück überfloss. So der Reporter. Und man konnte es in seinen Augen bzw. seinem Tonfall sehen und sogar durch das Fernsehen spüren. Anlass war die Geburt bzw. das erste Aufstehen eines Giraffenjungen . Dieser Glücksmoment war ansteckend. Nicht die Geburt oder das süsse Baby. Der Gesichtsausdruck und die Stimme des Pflegers war einfach umwerfend positiv. Und der Ärger war erstmal weg.

Ich empfehle meinen Patienten, solche Glücksmomente zu sammeln. Sich innerliche Polaroidbilder zu machen bzw. das Glück in ein inneres Bild zu übersetzen. Habe ich selber leider nicht dran gedacht. Aber schön und wirksam war es auch so.

Von der Giraffe kam ich dann auf den Wolf.

Auf der Webseite Zeit zu leben sprach mich ein Beitrag von Nadja Petranovskaja mit einer sehr schöne Metapher zum guten und bösen Wolf nach einer Indianerweisheit an.

Es geht um die Frage, welchen „Wolf“ wir denn so täglich füttern. So hätten wir in unserem Herzen einen guten und einen bösen Wolf.

Die Waffen des bösen Wolfs sind Missgunst, Ärger, Selbstmitleid und so alle möglichen anderen schlechten Dinge

Der gute Wolf schenkt Vertrauen und alle möglichen grossherzigen positiven Eigenschaften und Gefühle.

Im Kern geht es jetzt in der Metapher erstmal darum, dass wir häufig auf Alltagssituationen eine falsche, weil negative Bewertung des bösen Wolfes übernehmen. Aber die andere Seite nicht sehen.

Positives Verhalten und freundliches Auftreten führt zu positiven Erfahrungen und Rückmeldungen

Je mehr wir den bösen Wolf füttern, desto stärker wird er. Und er prägt dann auch unsere Aussenerscheinung gegenüber anderen Menschen. Wir wirken eben verbittert, ärgerlich bzw. springen auf entsprechende andere Menschen schon ärgerlich und wütend bzw. aggressiv an. Natürlich werden wir dann immer häufiger und häufiger entsprechende negative Erfahrungen mit unseren Mitmenschen machen. So dass sich dies als Schemata bzw. Persönlichkeitsstörungen verfestigen kann.
Schön und gut. Ich war auch begeistert von der Metapher bzw. vom Rat, jetzt doch bitte den guten Wolf zu füttern. Und ich finde den Ratschlag auch richtig, sich JEDEN Tag mindestens ein Puzzleteil zu holen, wo wir und grossartig bzw. gut gefühlt haben.

Hört auf den bösen Wolf böse zu nennen

Alles richtig.
Irgendwie kam dann aber wieder Zweifel hoch. Vielleicht der böse Wolf in mir. Der Kritiker, der Besserwisser, der Querulant

Ich habe mir die Frage gestellt, aus welchem Wurf wohl der gute und der böse Wolf so stammen. Und ob im Wurf vielleicht noch weitere Wolf-Welpen dabei gewesen sind. Und warum sich der böse Wolf wohl immer so gereizt oder aggressiv fühlt.

Ich habe ein wenig weiter gesponnen und mich an Wölfe in Deutschland erinnert (z.B. jetzt in meiner relativen Nachbarschaft in der Göhrde). Sie haben schon grundsätzlich ein schlechtes Image. Und sie haben meistens einen Migrationshintergrund, bzw. wir wissen vielleicht zu wenig über die Vergangenheit der Wölfe. Sie werden es nicht leicht gehabt haben. Gerade dann ist auch ein aggressiver Vertreter in der Gruppe vielleicht gar nicht so verkehrt.

Das innere Team als Wolfs-Wurf

Warum denke ich jetzt an den Wurf ? Nun, es hat auch etwas mit dem Inneren Team bzw. Persönlichkeitsanteilen zu tun.

Glauben wir der Weisheit der Indianer sind also mindestens 2 Anteile in uns. Vielleicht sind es mehr, die wir noch gar nicht zu Gesicht bekommen haben. Aber sie gehören zusammen. Sie entstammen aus dem gleichen Ursprung.

Häufiger werden in der frühen Kindheit bzw. Jugend einzelne Anteile ausgegrenzt. Sie bekommen die Rolle des bösen Wolfs, damit es dem Rest besser geht. Sie geschützt sind vor allzu negativen Gefühlen bzw. Erfahren.

Gerade die aggressiven Anteile in uns sind wichtig, zum Abgrenzen. Zum Schutz vor Aggressoren von aussen. Aber auch, um Durchsetzungsvermögen zu zeigen.

Der böse Wolf ist deshalb so böse, weil eben genau diese Aufgaben von der Gesamtpersönlichkeit nicht mehr geleistet werden konnten. Er übernimmt für das „Rudel“ also eine Aufgabe, die die anderen Welpen (innere Kinder) im Wurf nicht ausüben können. Oder dürfen.

Der böse Wolf schützt seine Geschwister, die dann nach aussen so nett, so kompetent oder erwachsen wirken. In der Sprache der dissoziativen Störungen spricht man auch von einer anscheinend normalen Persönlichkeit. Er schützt die emotionale Persönlichkeit(en). Leider häufig um einen hohen Preis.

Der böse Wolf selber ist kalt und emotionslos. Er funktioniert. Er überlebt.

Kein schöner Zustand.

Ist es also fair, wenn wir den bösen Wolf weiter verprellen und ausgrenzen ? Ich finde nicht.

Wer kann sollte sich also mal die Wölfe als inneres Team vorstellen

Ich stellte mir also das gesammte Rudel der Wölfe bzw. den ganzen Wurf vor. Und wandte damit eine Emoflex(R)-Strategie zur Integration der verschiedenen Persönlichkeitsanteile an.

Damit fühlte ich mich versöhnlicher. Mit mir und den Wölfen.

Kopfschmerzen in der Schule : Nicht nur dicke Luft macht Kopfzerbrechen

Es gibt Initiativen, den möchte man eine virale Verbreitung in den Medien wünschen. Die Aktion Mütze gegen Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter vom Kieler Kopfschmerzexperten Prof. Göbel und seinen Mitarbeitern gehört definitiv dazu. Sie richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse und soll Präventions- und Aufklärungsarbeit in den Schulunterricht bringen. Sehr gut und ich ziehe meine Mütze vor dieser Idee.

 

Hier sind die Arbeitsmaterialien sogar auch für uns Eltern nachlesbar. Sehr vorbildlich von der Schmerzklinik in Kiel.

Für 2, 56 Euro pro Schüler würden damit an 16000 Schulen in Deutschland über 2,4 Millionen Jugendliche erreicht. Wenn denn sich genug Sponsoren finden, die diese Idee auch materiell unterstützen. Sollte also noch zu viel Geld auf dem Firmenkonto liegen, das wäre eine von möglichen guten Verwendungsmöglichkeiten…

Wir werden dann lernen, dass zuviel Stress, zu wenig Schlaf oder fehlende Bewegung und zu viel Handy- oder Computernutzung zu Spannungskopfschmerzen führt.
Belastungen durch Überforderung mit dem Lernstoff bzw. Angst und psychische Faktoren sind weitere häufige Ursachen, die auf der Hand liegen. Darüber hatte ich mir auf meinem Portal Web4health mal vor langer Zeit den Kopf zerbrochen. Siehe hier

Und dann gibt es Faktoren, über die wir vielleicht nicht so viel Hören und Lesen werden. Weil sie nämlich Geld kosten würden, die die Städte und Kommunen angeblich nicht ausgeben können.

Letztlich würde ich mir wünschen, dass die Verwaltungen jeweils in den Schulferien in Klassenräume ausquartiert würden. Damit sie einmal für 2 oder maximal 6 Wochen erleben, unter welchen Einflüssen unsere Kinder und Jugendlichen ihren „Arbeitstag“ verbringen. Ich vermute, dass die Krankenstände dann entsprechend hoch ausfallen würden.

 

Dicke Luft und Kohlendioxidbelastungen in der Schule

Wenn man als Eltern durch die Schule seiner Zöglinge zum Elternsprechtag oder zur Theateraufführung geht, so fühlt man sich meist in prähistorische Zeiten versetzt und ist froh, dort raus zu sein. Unterhaltungsarbeiten bzw. gar eine Berücksichtung baumedizinischer Erkenntnisse setzt man da lieber nicht voraus. Unsere Kinder verbringen dort einen sehr grossen Zeit ihrer Jugend.
Man muss jetzt gar nicht an Schadstoffbelastungen  oder Feinstoff denken, wenn man sich Gedanken um einen Zusammenhang von Kopfschmerzen und Schulräumen macht. Viel simpler ist der Zusammenhang mit verbrauchter Luft bzw. Anstieg der CO2-Konzentration im Klassenzimmer. Das kann durch falsche Sanierungen verschlimmbessert werden.

Eine Studie aus Portugal zeigte in Coimbra, dass gerade in der Heizperiode die Kohlendioxidbelastung weit über das gesundheitlich tolerable Maß stieg. Und eben mit ständigen Kopfschmerzen der Schüler und Atemwegserkrankungen verknüpft war.

Lüften würde helfen, müsste aber richtig gemacht werden.

Entsprechende Untersuchungen gibt es auch für Deutschland

Lärm macht Kopfzerbrechen

Natürlich sollen Kinder bzw. Jugendliche toben. Aber bitte schön nicht während der Mathestunde. Immer wieder berichten mir Jugendliche bzw. ihre Eltern, dass im Klassenraum ein Geräuschinferno herrscht. Damit ist nicht die Einflugschneise des Flughafens oder die Lage an einer befahrenen Hauptstrasse gemeint, gegen die dann hunderte auf die Strasse gehen. Sondern der Lärm durch zu grosse Klassen, ungelöste Probleme der Inklusion bzw. überforderte Lehrerinnen und Lehrer.

Kinder bzw. Jugendliche haben aber eine niedrigere Lärm- und Stresstoleranz als wir Erwachsenen. Kopfschmerzen können ein Indikator für ein Lärmverseuchung sein.

Reagiert Schule darauf ? Nach meiner Erfahrung eher nicht.

Lichtmangel und Auswirkungen des Tag-Nacht-Rhythmus

Sie ahnen es schon, auch Lichtmangel kann zu Kopfschmerzen führen. Hier haben wir einerseits das Phänomen, dass viele Fachklassenräume überhaupt kein Tageslicht mehr haben. Und es werden Kellerräume genutzt, die letztlich dann mit insuffizienten Tageslichtlampen ausgestattet sind.  Mehr Sport an der frischen Luft wäre auch eine Option.

Schulzeiten und Pendeln von Schülern

Aber letztlich spielen auch die Schulzeiten an sich eine Rolle. So muss unser Sohn als Buskind morgens um 6: 35 von der Bushaltestelle in ein 15 Kilometer entfernten Ort fahren. Mit ihm warten weitere 40 Schülerinnen und Schüler auf den Bus. Die Schule beginnt um 7:50 Dementsprechend muss er ungefähr eine Stunde früher geweckt werden.

Das hat nun im nach Studien eine Verschlechterung der Schulnoten um eine Stunde zur Folge. Und ein erhöhtes Risiko für Kopfschmerzen.

Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus bzw. überhaupt Schlafmangel spielen eine grosse Rolle. Natürlich wäre es auch anders denkbar. Dann müsste aber das Busunternehmen einen Bus mehr einsetzen für 2 erwachsene Berufspendler.

Richtige Anfangszeiten für Unterricht wären leicht umsetzbar. Aber vor uns sind schon Generationen von Eltern daran verzweifelt. Zum Kopfzerbrechen.

Kaugummi 

Gut, diese Empfehlung betrifft die Schüler selbst und würde kein Geld kosten. Eine Studie in Tel Aviv zeigte (bei allerdings nur 30 Schülern), dass Kopfschmerzen und zu starkes Kaugummikauen zusammenhängen. Einige Schüler kauten bis zu 6 h am Tag.  Kaugummi-Abstinenz führte dazu, dass 19 von 30 Kindern bzw. Jugendlichen schmerzfrei wurden. Bei weiteren 7 wurde es deutlich weniger.

Sie hielten sich nur nicht dauerhaft dran.

Ungerechtigkeit und Kopfschmerzen

Gerade hochsensible Kinder bzw. ADHS-Kinder und Jugendliche sind Indikatoren für Spannungen, Konflikte bzw. besonders Ungerechtigkeiten in der Schule.

Hier ist es wirklich zum Kopfzerbrechen. Es geht dabei ja nicht allein um die zeitliche Belastung für Schule bzw. Hausaufgaben und das Verschwinden bzw. Klauen von Frei-Zeit. Es geht darum, dass die Kinder und Jugendlichen in einem hohen Maß Willkür bzw. Ungerechtigkeit erleben Wenn sie es aber ansprechen würden, würden sie die Folgen auf den Zeugnissen sehen. Sicher nicht positiv.

Zustände wie im „Club der toten Dichter“ sind in unseren Schulen ja durchaus auch denkbar. Nur eben keine Vorbilder, die einem Captain ähneln und gegen die Zustände auf den Tisch steigen.

Was tun Jugendliche gegen Kopfschmerzen ?

Ein Drittel der Mädchen und ein Viertel der Jungen versuchen sich auszuruhen. Nur die Wenigsten gehen zum Arzt. Elf Prozent der Mädchen und sieben Prozent der Jungen greifen häufig oder immer zu Medikamenten. Fast zehn Prozent der Jugendlichen haben schon länger als einen Monat täglich Schmerzmittel eingenommen, die meisten ohne ärztliche Verordnung.

Beste Bedingungen also dafür, dass die Kopfschmerzen zu einem chronischen Problem werden.

Mehr Infos zum Thema Spannungskopfschmerzen von mir

 

 

Welche weiteren Ursachen von Kopfzerbrechen gibt es denn noch ? Auf Antworten und Erfahrungen bin ich gespannt.

Die neue Armut : Zeitmangel und Zeitwohlstand

  • Zeitmangel ist die einzige Not, die den Menschen nicht zu schmerzen scheint
    (Ernst Reinhardt)

Seit etwa einem Jahr tausche ich Zeit gegen Entfernung von meiner Familie. Ich arbeite ca 280 km entfernt, habe dafür aber einen Freitag als freien Tag gewonnen. Zudem habe ich keine Wochenenddienste mehr, die in aller Regel von Samstag durchgängig bis Montag abends mit an die Klinik fesselten.

Ich tausche also Zeit ein. Ein wenig auch gegen Geld, sehr stark aber gegen Entfernung von meiner Familie. Aber möglicherweise (wahrscheinlich) belaste ich damit das Zeitkonto meiner Frau.

Aber letztlich hat es sich (bisher) durchaus positiv ausgewirkt, dass ich mir mehr Zeitwohlstand leiste.

Aber es ist Grund genug sich darüber Gedanken zu machen, wie man nun Zeit gegen Geld bzw. Freiheit aufwiegen kann.

Passend dazu hörte ich auf der Heimfahrt am Donnerstag ein Interview im Deutschlandfunk mit Prof. Merz von der Leuphana Universität Lüneburg

Multidimensionale Armut : Zeitdefizit und Zeitwohlstand

Es geht um eine multidimensionale Armutsdefinition mit der zusätzlichen Dimension Einkommen und Zeit. In Deutschland zählen 6,8 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Sie gehören zu den „working poor“ obwohl sie 5 h und mehr arbeiten, aber nicht genug Geld damit verdienen können.

Es gibt aber nach Merz und Mitarbeitern eine neue Armutszone, die durch einen Mangel an Freizeit = freie Zeit definiert wird.

Das sind also Menschen, die zwar ein ausreichendes Einkommen haben, denen aber durch Arbeit, Kindererziehung bzw. Kinderbetreuung oder andere Verpflichtungen wie z.B. die Pflege von Angehörigen keine Zeit mehr bleibt. Sie leben in einem ständigen Zeitdruck bzw. Zeitmangel durch Stress.


12,3 Prozent der Deutschen sind in der neun Zeitarmut

Das ist gut doppelt so viel wie nach der herkömmlichen Armutsdefinition, die nun „nur“ die finanzielle Lage berücksichtigt. Hier geht es nicht nur um Zeitmangel bzw. Zeitdruck und Stress. Es geht um einen Index, der eben die verfügbare Zeit und die verfügbare finanzielle Situation berücksichtigt.

Ist Zeit nun Geld ?

Finanzieller Druck mit einem überzogenen Dispo bei der Bank fühlt sich durchaus ähnlich an wie ein überzogenes Zeitkonto bzw. Zeitmangel. Wir sehen es häufig nur nicht so. Wir gehen eine Zeitschuld ein, so wie viele Menschen über eine Kreditkarte halt materielle Güter erwerben, die sie sich nicht leisten können.

Die Lebensqualität bzw. Zufriedenheit wird also in ähnlicher Weise durch einen Mangel an Zeit wie ein Minus auf dem Konto beeinflusst.

Zeitarmut ist nicht so ablesbar wie rote Zahlen auf dem Girokonto. Da ist es schon eine nette Aktion, wenn ein Künstler Banknoten für eine Zeitwährung vorstellt.

Zeitarmut : Die üblichen Verdächtigen für die Armutsgrenze

Zeitmangel lässt sich durch ein höheres Einkommen ausgleichen.
Zumindest ansatzweise. Ein höherer Bildungsabschluss wie das Abitur schützt vor Zeitarmut. Zumindest sind dann „nur“ noch 9,4 Prozent der Akademiker gegenübe 12,6 Prozent der „Normalbevölkerung“ von multidimensionaler Armut (unter Berücksichtigung der Zeitschuld) betroffen. Auch noch viel.

Prof. Merz in Lüneburg forscht überwiegend über „freie Berufe“, d.h. auch oder gerade Selbstständige.

Über 2/3 der Selbstständigen bzw. Freiberufler sind „zeit-arm“.

Sie haben damit weniger als 60 Prozent der Freizeit zur Verfügung, die in der Erhebung von rund 35000 Personen hinsichtlich ihres persönlichen Zeitbudget in den Jahren 2001 / 2002 ermittelt wurden.

29,4 Prozent der Selbstständigen sind also nach dieser Armutsdefinition betroffen.

Das können Einzelhändler, Gastwirte, Ärzte, Rechtsanwälte oder sonstige Freiberufler sein. Die eben weit längere Arbeitszeiten als die durchschnittlich arbeitende Bevölkerung haben. Und dies eben nicht durch Geld ausgleichen können.

Aber man muss nun nicht Unternehmer oder Einzelhändler sein, um unter die neue Armutsgrenze zu fallen

• 19,9 Prozent der Alleinerziehende sind durch die Mehrfachbelastung von Geldverdienen und Zeit für Kinderbetreuung und Erziehungsaufgaben von Zeitarmut nach dieser Definition betroffen
• Kinderreiche Familien mit 3 oder 4 Kindern leiden zu 31,6 Prozent an Symptomen dieser Zeit-Armuts-Definition

Aber ob man nun ein Zeitmangel für Spielen mit seinen Kindern oder schöner Zeit mit seiner Partnerin mit einer Geld ausgleichen kann oder gar sollte ? Sicher nicht !

Zeitarmut führt zu Depressionen

Begriffe wie Burnout oder Erschöpfungsdepression sind in aller Munde.
Im Deutschen Ärzteblatt lese ich eine Erhebung die sich letztlich auch mit dem Zusammenhang von
Burnout und Depressionen durch Zeitarmut beschäftigt. Dabei geht es um die Auswirkungen von ständiger Erreichbarkeit, Flexibilität im Beruf bzw. „Bereitschaft“ zu Überstunden beschäftigt. Danach sind 2/3 der Berufstätigen mit ständigen Überstunden belastet, 22 Prozent sind dann auch in der „Frei-Zeit“ für den Arbeitgeber abrufbar bzw. ständig erreichbar. 18 Prozent der 2000 befragten Arbeitnehmer gaben an, private Aktivitäten deswegen ausfallen zu lassen.

Fast jeder 4. Befragte gab an, aus diesem Grund zu erschöpft zu sein, privaten Verpflichtungen bzw. Hobbys nachzugehen.
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Letztlich ist aber eine deutliche Übereinstimmung in der Lebenswirklichkeit hinsichtlich Zeitwohlstand bzw. Zeitarmut der Patienten in der Klinik mit den Einweisungsdiagnosen wie Burnout, Erschöpfungsdepression etc zu sehen.

Und wenn man es sich genauer anschaut, so erfasst der neue multidimensionale Armutsbegriff eigentlich ganz gut genau die Zielgruppe, die uns jetzt zu erhöhten Fehlzeiten in den Betrieben bzw. Bedarf an ambulanter oder stationärer Behandlung im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie führt.

Wir haben bei uns in der Klinik immer mehr Alleinerziehende, Mütter und Väter von „kinderreichen“ Familien und eben auch Selbstständige unter unserer Patienten.

Anders ausgedrückt : Erschöpfungsdepressionen und Burnout sind häufig auch als überschrittener Dispo im Zeitkonto zu verstehen. Daneben verunmöglichen Arbeitsplatzkonflikte bzw. Mobbing und Stalking häufig eine Erholung in der Freizeit.

Es sind die „Zeit-Arbeiter“ der Moderne, die eben besonders gefährdet für ein Ausbrennen sind. Ihren rinnt quasi die Zeit wie anderen Geld durch die Finger.

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Und die Erwartung an Zeitkrediten an den Arbeitgeber wird eben immer stärker. Dies betrifft beispielsweise Erzieherinnen in Kindergärten oder Betreuer in Wohngruppen, die dann den krankheitsbedingten Ausfall von Kolleginnen oder Einsparungen der öffentlichen Hand mit einem Zeitkredit auf ihre Gesundheit einlösen sollen. .

Ein Kredit, der aber nicht zurückgezahlt wird. Häufig werden ja noch nicht mal die Überstunden finanziell abgegolten.

Krankschreibung und Erwerbsminderungsrente als Ausstieg aus der Zeitschuld-Spirale ?

Immer weniger Menschen fühlen sich gesundheitlich in der Lage, weiter ihr Zeitkonto zu überziehen. Sie kündigen ihrem Arbeitgeber den ungedeckten Zeitkredit. Sie würden gerne ein Inkassobüro beauftragen die ungedeckten Forderungen einzutreiben.

Krankschreibungen bzw. der Wunsch nach einer Erwerbsminderungsrente wegen psychischer Probleme erscheinen dabei als Ausweg aus der Zeitarmutsfalle.

Letztlich irgendwo nachvollziehbar. Doch die sozialmedizinischen Regelungen für Leistungsfähigkeit berücksichtigen eben gerade nicht die Auswirkungen dieser multidimensionalen Zeit-Armut.


14 Tage Krankrscheibung wegen Burnout oder Erschöpfung decken das Zeitkonto nicht !

So verständlich ein Wunsch nach einer Aus-Zeit auch ist, so wenig wird damit das eigentliche Problem gelöst.

Häufig wird dann einfach abgewartet. Es wird auf Zeit gespielt, zumal ja 18 Monate Lohnentgeltszahlungen möglich sind. Aus Sicht der Betroffenen verständlich.

Aus therapeutischer Sicht aber meist keine gute Idee. Einmal davon abgesehen, dass dann selten eine Psychotherapie zeitnah verfügbar ist, so wird man das Problem vermutlich auch nicht über Psychopharmaka oder eine Gesprächstherapie allein in den Griff bekommen. Zumindest dann nicht, wenn man sich nicht mit der Zeitbilanz bzw. „Life-Balance“ beschäftigt.

Es geht also genau um die von in der Studie erfasste Gruppe von Berufstätigen, die nun über 5 bzw. 6 h am Tag arbeiten müssten, dies aber aus Zeitarmutsgründen nicht mehr können.

Die sozialmedizinischen Kriterien von Leistungsfähigkeit berücksichtigen dies aber so nicht.
Es geht um einen abstrakten Begriff von Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Danach ist Leistungsfähigkeit gegeben, wenn irgendeine leichte bis mittelschwere Tätigkeit über 6 h ausgeübt werden kann. Unabhängig von der Frage, welche Faktoren sonst das individuelle Zeitlebenskonto belasten.

Zudem wird gefordert, dass auf absehbare Zeit (also ein Zeitraum von mindestens 6 Monaten bzw. 2—3 Jahren) eine Besserung theoretisch möglich wäre. Also im Prinzip eine Therapie in Form von mehreren Antidepressiva, ambulanter oder stationärer Psychotherapie ernsthaft versucht wurde, aber keine Aussicht auf Erfolg haben wird.

Aus sozialmedizinischer Sicht werden die meisten Gutachter dann also die Betroffenen „gesund schreiben. “.

Selbst wenn es sich ganz und gar nicht gesund anfühlt.

Mal ganz davon abgesehen, dass eine vorzeitige Berentung in aller Regel mit einem Absturz auf Hartz IV-Niveau führt und damit wiederum unter die Armutsgrenze. stürzt

Gibt es Wege aus der Zeitinsolvenz ?

Auch wenn eine Berentung dann also vielleicht zu mehr freier Zeit führen würde, ist dies also keine wirkliche Lösung. Wenn dann Patienten von der Rentenversicherung in die Reha-Kliniken zugewiesen werden, ist die Zeit für eine Veränderung meist schon abgelaufen. Es droht die Zeit-Insolvenz.

Das wird auf Dauer verdammt teuer für unsere Sozialsysteme und letztlich auch den qualifzierten Arbeitsmarkt. Uns werden zukünftig schlicht und ergreifend Arbeitnehmer fehlen oder die Rentensysteme das nicht auffangen können.

Es ist an der Zeit sich mit neuen Wegen zu mehr Zeitwohlstand bzw. Wegen aus der Zeitarmut zu befassen.