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Blogge wie ein Pirat

Bildschirmfoto 2015-01-04 um 13.13.24Das alte Jahr 2014 ist überstanden und 2015 ist am Start. Zeit für Rückblicke und gute Vorsätze. So auch in der Bloggerwelt. Und schon wieder eine Blogparade, diesmal zum Thema gute Vorsätze zum Bloggen vom Blog Zielbar. Eigentlich mag ich keine guten oder schlechten Vorsätze. Und zurück in die Vergangenheit schauen ? Auch nicht so mein Ding.

Aber gut : Schauen wir mal, was denn so mir zum Thema „Besser bloggen 2015“ einfällt. Und was ich davon auf diesen Blog so übertragen kann.

Im Juli des letzten Jahres entstand quasi als Zweigstelle meines ADHS-Blogs die Seelenklempnerei. Hier ist Platz für ungewöhnliche Sichtweisen und Metaphern aus der Welt der Psychologie, des Selbstmanagements oder Zielerreichung. Gerne eben „anders als die Anderen“. Quergedacht und nachgedacht. Ich blogge aus Spass und nicht zum Geldverdienen.

Frage 1 : Wie war bzw ist die „Performance“ der Seelenklempnerei ?
Für einen neuen Blog ist die „Performance“ gar nicht übel. WordPress meint, dass ich mit ingesamt etwa 19000 Besuchern 7 mal die Concert Hall der  Oper in Sydney vollbekommen hätte. Glücklicherweise singe ich ja nicht.  Im August hatte ich dann mit über 400 Besuchern an einem Tag die höchste numerische Beteiligung.

Der „beliebteste“ Artikel handelte über das Nichtstun – Wie finde ich den Ausschalter für mein Gehirn und natürlich auch zum Thema Burnout bzw. Zeitschuld und Zeitarmut

 

Performance heisst aber eben auch „Vorstellung“, oder eber Unterhaltung. Oder Erreichen des Publikums. Hier habe ich zunächst viel experimentiert. Und werde das auch 2015 machen. Die Aktion PPP = Poste positive Postings war da so ein Beispiel, das mir viel Spass gemacht hat. Auch wenn es nun vielleicht nicht viral über das Internet sich verbreitete….

Was uns nahtlos zu Frage 2 führt

Frage 2 : Willst du thematisch und inhaltlich etwas verbessern? Wenn ja, was und wodurch? Möchtest du deinen Zielgruppenfokus ändern/optimieren?

Natürlich will ich das. Aber da mein Thema eben doch recht weit gefasst ist, und ich von Zeitwohlstand bzw. Burnout über Esstörungen  bis zu Harry Potter bzw. den Einsatz von Imaginationstechniken ein sehr weites Themenspekrum habe, ist es schwierig meinen Zielgruppenfokus zu optimieren. Der Fokus dieses Blogs liegt auf eine neue Sichtweise zur Selbstregulation und Selbststeuerung. Auf psychologisch könnte man auch schreiben : Höhere Handlungsfunktionen des Gehirns (Exekutivfunktionen) alltagsrelevant verstehen und für Alltagsprobleme bzw. Fragestellungen anzuwenden. Und dies über Metaphern bzw. innere Bilder plastisch verstehbar und anwendbar machen.

Ich freue mich eher, wenn ich auf Leser wie Euch stosse, die meine wilden Gedankenstrudel in den Ozean mitmachen und sich dann auf eine Kaperfahrt mit zunächst ungewissem Ziel aufmachen. Auf in neue Welten könnte man da als Motto nehmen.

Passend dazu bin ich heute auf einen tollen Lehrer namens Dave Burgess gestossen, der u.a. Seminare bzw. auch ein Buch zum Thema „Teach like a pirate“ anbietet. Und dann als Pirat verkleidet Lehrern Unterricht neu verpackt nahebringt.

Das Video (und sein Buch) empfehle ich mal für Alle, die sich mit dem Thema Unterricht bzw. Vermittlung von Themen beschäftigen müssen.

Im Grund sind ja nun Psychotherapie, Unterrichten und ein Blog schreiben nicht so weit voneinander entfernt. Wir haben ein spezielles Thema („Content ist König“) und dieses Thema soll mit maximaler Begeisterung und Enthusiasmus auf möglichst einzigartige Art und Weise an die Zielgruppe gebracht werden. Und zwar so, dass sich ein hoher Wiedererkennungswert ergibt, die eigenen Beiträge möglichst weiter geteilt bzw. die Leser zu Kommentare interaktiv angeregt werden.

Blogger sind also in dem Sinne erstmal auch Unterhaltungskünstler. Oder eben Piraten. Klar machen zur Enter-Taste. Ich kapere mal nicht ein fremdes Schiff, aber klaue die Idee als guten Vorsatz bzw. allgemeine gute Ratschläge für das Bloggen (und das Leben) im Jahr 2015 :

Blogge wie ein Pirat….

Vorsatz Nr 1 :  Das Feuer der Piraten soll in jedem Blogbeitrag greifbar sein
Gut, was verbinden wir mit Piraten ? Natürlich Abenteuer, vielleicht auch Schatzkarten. Wilde Kämpfe mit Sieg und Niederlagen. Aber auf jeden Fall der Aufbruch in Neuland, in unentdeckte Territorien mit der Aussicht aus Gold und Reichtum (ohne eigene aktive regelmässige Arbeit). Klar, ein passives Einkommen im Internet, wer hätte das nicht gerne.

Wir  Blogger sind auf der Suche nach der Keywort-Nische mit maximalen Einnahmen bei möglichst geringer Konkurrenz. Wobei man dann auch noch gefunden werden möchte. Wer so an das Thema herangeht, wird dann einen Blog über Blog-Einnahmen schreiben. Und vielleicht 4,88 Einnahmen im Monat verzeichnen.

Die Nischenthemen sind offenbar die eigentlichen Goldschätze  für die Blogger.  Wenn man nicht zu den Mainstream-Kapitänen der grossen Meinungs-Blogger gehört.
Wobei man da eben die richtige Schatzinsel finden müsste. Und dann dafür sorgen muss, dass der eigene Blog mit dem Inselthema gefunden wird. Gar nicht so einfach, zumal die Navigationsmaschine Google die Blogger weitgeheend im Stich gelassen hat. Gefunden werden Blogs eher durch Zufall bzw. durch Weiterempfehlung. Bis man dann soviel Vernetzung hat, dass man zum Thema auch so gefunden wird. Was ich aber eher als Illusion bzw. nahezu unlösbare Aufgabe  ansehe, wenn man ein Thema wie Psychologie bzw. Coaching etc gewählt hat. Anders mag es vielleicht bei Blog-Themen wie Bonsai-Bäume oder Seifensieden gewählt hat.

Aber als Blogger-Pirat geht es natürlich eher um  „höhere Werte“ als schnöder Mamon. Es geht um Unabhängigkeit, Ausbruch aus der Konformität und Gleichmacherei. Es geht um die eigene Stimme in den Weiten des Internets. Und so einen Kram bzw. Idealismus. Muss man ja vielleicht nicht so hoch aufhängen, dass man gleich am Mast aufgeknöpft wird…

Ratschlag vom Seelenklempner :
Für Blogger wie für das richtige Leben gilt : Suche dir Themen, die DICH begeistern. Dann kannst Du auch andere Menschen damit anstecken bzw. finden. Egal, wie exotisch das Thema sein mag.

Vorsatz 2 : Als Blog-Pirat will ich laut und deutlich hörbar sein

Ein Seeräuber muss ein lautes Organ haben. Er möchte gehört werden. Manchmal aufdringlich und vielleicht über das Ziel hinaus. Aber dafür engagiert und Mitten drin und nicht nur von der Seitenlinie im Thema drin. Eine eigene Meinung vertreten bzw. eigene ungewöhnliche Sichtweisen machen es aus, dass man einen Blog in die Leseliste aufnimmt bzw. wiederkehrt. Man muss vielleicht nicht wie viele Piraten gefürchtet sein. Und natürich schön legal bleiben. Aber das eigene Terretorium sollte klar markiert werden. Und andere Blogger in diesem Seegebiet dann eben auch bekannt sein.

Aber diesen eigenen Bereich auf der Seekarte der Internetweiten  muss man eben auch pflegen und regelmässig besuchen.  Darauf aufmerksam machen und sich bemerkbar machen.

Wenn es um eine kleinere Zielgruppe bzw. den Spass an der Sache als Hobby geht, ist es wesentlich leichter. Aber im Grunde kein grosser Unterschied. Es macht keinen Spass, wenn der Blog nicht gelesen und gefunden wird. Das bedeutet also, man muss an den üblichen Häfen der sozialen Kommunikation beteiligt sein. Für 2015 werde ich den ein oder anderen Blog-Beitrag auch mal auf der Huffington-Post veröffentlichen. Mal schauen. Das ist auf jeden Fall ein grösserer Dampfer. Ganz sicher, kein Piratenschiff. Aber allein gegen den Wind kreuzen, ist vieleicht auch nicht für alle Themen richtig.

Gerne würde ich auch mal auf anderen Blogs Gastbeiträge posten bzw. Gastbeiträge auf meinem Blog veröffentlichen.

Natürlich geht es dann auch darum, Leser zu fangen. Aber eben nicht als Geisel zu nehmen, sondern mit auf die Blogger-Reise der Seelenklempnerei zu nehmen. Solange sie Spass daran haben.

Vorsatz 3 : Rapport oder Rückmeldung

Ich halte ja sehr gerne Vorträge. Für 2015 freue ich mich bereits auf Termine zum Thema ADHS in Gera, später dann in Frankenberg u.a. zu ADHS und Kreativität bzw. ADHS und Partnerschaft. 2014 habe ich u.a. auch zu Burnout und Erschöpfungsdepressionen Vorträge gemacht. Vorträge bzw. Seminare machen Spass, weil sie einen direkten Kontakt = Rückmeldung ermöglichen. Man muss sich dabei thematisch, aber auch von seinem ganzen Auftreten auf das Publikum einstellen. So wie ich mich halt als Psychotherapeut jeweils neu auf meine Patientin oder Patienten einstellen muss.

Die direkte Rückmeldung macht den Spass am Bloggen aus bzw. den Unterschied zu Büchern.

Übertragen auf die Blogger-Welt bedeutet es aber auch, dass sich jeder Blogger über jeden einzelnen Kommentar bzw. Feedback freut.  Interaktion ist eben der Schlüssel für einen lebendigen Blog. Dazu gehört dann auch, dass Beiträge über Facebook oder andere Soziale Medien weiter geteilt und transportiert werden.

Für 2015 nehme ich mir also vor, selber mehr Kommentare bzw. Feedback in anderen Blogs zu geben. Immerhin ist das der Kern des Sozialen Netzes Internet und der Kerngedanke der Unterstützung beim  Bloggen

Vorsatz Nummer 4 : Reichtümer sammeln und teilen

Das Gold des Internets ist schwer zu finden. Ich habe mir vorgenommen, häufiger mal auf die Googel-Adsense Werbung meiner Blogger-Kollegen zu klicken. Kostet mich keine Cent, macht sie aber etwas reicher.Auch wenn man ja nach den Google-Richtlinien nicht zum Klicken der eigenen Werbung aufrufen darf… Adsense ist quasi das Mikro-Gold der Blogger. Ich selber zweifele ja, dass man nun über Affiliate-Links für Kreditkarten oder gar Investment-Programme reich werden kann. Dann doch eher über Amazon-Affiliate-Links.
Mit diesem Blog werde ich auf absehbare Zeit mir keine neue Villa oder Jacht leisten können. Muss ich aber auch gar nicht.

Eigentlich verdient man als Blogger sein Geld eher über eBooks bzw. das Verramschen der User-Daten der Newsletter. Oder Artikelplätze und Backlinks  Ob ich ein ebook schreibe, ist noch nicht so ganz klar. Im Kern würde ich schon gerne, wenn ich nur etwas zielgerichteter wäre. Ich kann mich so schwer auf ein einzelnes Thema festlegen :Eigentlich will ich schon lange für meine Patienten der Klinik ein Buch über Schlaf, Stress und Burnout schreiben, dass viele Themen aus dem Blog vertieft bzw. noch weiter aufgreift.

Mein Tip zu diesem Thema : Setze Dir realistische Ziele und erwarte nicht das grosse Geld für Deinen Blog. Backe kleine Brötchen.

Vorsatz Nummer 5 : Die richtige Analyse und die richtigen Fragen stellen

Seeräuber müssen den Wind in der richtigen Richtung haben. Und zur richtigen Zeit die richtigen Fragen und Antworten haben. Als Kapitän sollte man sein Schiff vor dem Untergang bewahren, andererseits aber mögichst den anderen Konkurrenten immer eine ordentliche Seemeile voraus sein.  Die Trends für 2015 kenne ich aber auch noch nicht. Vielmehr verlasse ich mich auf meine Intuition und darauf, dass ich mich von Themen dann einfach angesprochen fühle. Dann finde ich schon die richtigen Themen bzw. Fragestellungen.

Noch besser für einen Blog ist es aber, wenn man die Themen der Leser aufgreift bzw. hier das Feedback nutzt. Meine Blogbeiträge zum Frosch auf dem Herd sind hier ein schönes Beispiel, wo sich aus einer einfachen Metapher immer weitere Fragestellungen für weitere Themen ergaben.

Vorsatz Nummer 6 : Orthographie gilt eigentlich auch für Piraten

Obwohl ich eigentlich einen Deutsch-Leistungskurs besucht habe : Rechtschreibung und Zeichensetzung gehört nicht zu meinen Störken. Hier werden wohl auch 2015 meine Leser ein wenig Leid ertragen müssen. Obwohl ich Besserung gelobe… Ich verstehe aber, dass hier mehr Sorgfalt notwendig wäre….

Vorsatz Nummer 7 : Dem eigenen inneren Kompass vertrauen

Letztlich möchte ich mit diesem Blog Euch zum eigenen Phantasieren anregen. Piraten sind da doch schon eine gute Metapher. Wenn es um den richtigen Kompass auf dem Weg zum Ziel 2015 geht, welche Form hat Euer Kompass ? Wäre es ein Taschenkompass oder aber ein grosser Kompass auf dem Piratenschiff ? Wenn ihr auf Kurs seid, wohin zeigt die Kompassnadel in Richtung Zukunft ?

Jeder von uns braucht nicht den guten Rat für das ganze Leben. Sondern eben einen eigenen inneren Kompass, der uns dann den Kurs zum eigenen Glück beschreibt. Und uns Abweichungen anzeigt.

Vorsatz Nr 8 : Eine flotte Flotte von Gleichgesinnten auf gemeinsamen Kurs
Vielleicht ergibt sich über die Blogparade die Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen Querdenkern bzw. Individualisten, die dann doch einen gemeinsamen Kurs finden. Oder Ideen für eine weitere Entwicklung gemeinsam haben. Wäre schön, muss aber kein Muss sein.

Sonst freue ich mich wie immer auf Rückmeldungen und Eure Ideen oder Metaphern für Vorsätze 2015. Wie kommt man auf den richtigen Kurs 2015 und bleibt dann auch dabei, ohne von den Strömungen und Untiefen des Alltags abgetrieben zu werden ?

 

Adipositas bei Jugendlichen

„Konventionelle verhaltenstherapeutische Gewichtsreduktionsprogramme sind bei Jugendlichen mit extremer Adipositas weitgehend wirkungslos.“. Das ist nicht von mir, sondern vom Kompetenznetz Adipositas.

Nur um richtig verstanden zu werden : Tiefenpsychologische oder analytische Programme werden erst gar nicht validiert, dennoch werden immer noch übergewichtige Kinder zur Spieltherapie verdonnert…

Ich habe mich in den vergangenen Wochen etwas stärker mit dem Thema Adipositas, Ernährungsberatung und auch Adipositas-Chirurgie beschäftigt. U.a. bin ich da auf interessante Ansätze (Ernährungsbaukasten) bzw. Ansätze (z.B. aus Kanada) gestossen, die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben.
Dabei zeigt sich, dass viele gängige Meinungen bzw. auch häufig anzutreffende Empfehlungen in der Behandlung von Adipositas letztlich überhaupt nicht wissenschaftlich abgesichert sind, sondern vielmehr wirkungslos und schädlich sind. Es handelt sich eben nicht um Erkenntnisse, sondern um Vorurteile und Mythen.  Die aber noch gängige therapeutische Praxis sein können.

Am Wochenende 21./22.11. hätte man nun in Leipzig die Chance, sich sachkundig über Diabetes und Adipositas zu machen. Neben wissenschaftlichen Symposien findet sich das Who is Who der Diabetes-Pharmafirmen bzw. Anbieter für Diabetikerbedarf mit gesponserten Symposien, die den Teilnehmern meist auch ein Sandwich und ein Tagungsgetränk sichern (oder eben auch nicht mehr). Leider ist es ja gängige Praxis, dass da dann genau die Referenten sprechen und bezahlen lassen, die so unabhängig am Vormittag und Nachmittag über die Standards der Adipositas oder Diabetes-Behandlung berichteten. Ich habe immerhin 9 solcher Symposien von etlichen Firmen gezählt. Natürlich ist es eine fiese Unterstellung zu behaupten, dass die Sponsoren dieser Tagung  eigentlich ein Interesse haben müssten, dass Adipositas nicht oder unsinnig behandelt wird, damit sich eben mehr Absatz für Diabetiker-Bedarf und Medikamente einstellt. Oder stösst nur mir dies in Form von Sodbrennen bitter auf oder verursacht Spannungskopfschmerz , wenn man sich den Veranstaltungsplan anschaut und einem die pink unterlegten Sponsor-Symposien ins Auge stechen ?

Irgendwie ist es ja ein durchgängige Thema der Seelenklempnerei, das das medizinische oder psychotherapeutische Standard-Vorgehen eben nicht (immer) das Gelbe vom Ei ist. Und man vielleicht mal unkonventionell bzw. „anders“ an die Sache herangehen müsste. Wobei ich keinesfalls für mich in Anspruch nehmen, es nun besser als die Experten zu wissen.

Schauen wir mal, was State of the art im Kompetenznetz Adipositas ist :

Bei den Experten  setzt sich so ganz langsam die Erkenntnis durch, dass Adipositas zunimmt und das eben auch zunehmend oder gerade Kinder und Jugendliche schwer betroffen sind. Und trotz jahrelanger Appelle und Bemühungen wollen doch diese Kids einfach nicht abnehmen.

Erwachsene eben auch nicht.

Das sichert auf jeden Fall Forschungsgelder für ein Kompentenznetz Adipositas, auch wenn Adipositas aus Kostengründen nicht in die Chronikerversorgung mit aufgenommen werden soll.

Da heisst es nun in einer Verlautbarung der Experten  : „Nur ein kleiner Teil der Patienten sucht aktiv nach einer Behandlung“.

Das ist nun wirklich überraschend, oder ? Und schon fast  undankbar von den Kindern und und Jugendlichen, wo es doch so viele und so wirkungslose Abnehmprogramme gibt und sich so viele Leute schlaue Gedanken über die Theorie der Adipositas-Behandlung und Prävention machen. Deren Zugangswege aber letztlich weitgehend unbekannt sind. Oder aber von den Kostenträgern eben gar nicht akzeptiert oder bezahlt werden. Statt sich an die eigene Nase zu fassen und Selbstkritik zu üben, sind es die Erschwernisse durch die Patienten bzw. deren Angehörigen, die die miesen Ergebnisse erklären.

Ganz bestimmt weigern sich die Eltern, weil diese ja nun selber fett und bewegungslos auf der Couch verweilen und RTL2 schauen.

“ Es ist unser klinischer Eindruck, dass diese Gruppe auch aufgrund des geringen anfänglichen Interesses und geringer Compliance sehr schwierig zu behandeln ist. “

Klinischer Eindruck ist ja schön und gut. Ich bin sehr dafür. Es widerspricht nur wissenschaftlichen Erkenntnissen der Fachliteratur , dass es der Widerstand bzw. mangelnde Compliance ist, dass die Therapieprogramme Mist sind. Aber es wird weitgehend ein weiter so propagiert.

Sollen die Kinder selber auf die Kompetenznetzwerke zugehen und dort klingeln ? Leider gibt es auf der Homepage keinen Klingelknopf oder Anlaufstellen. Aber eine neue Studie, die nun auf die Suche danach geht, so man diese Kinder denn nun antreffen könnte. Und dann schauen die Forscher den Jugendlichen erstmal 9 Jahre dabei zu, was sie so nicht machen. „Wir werden dadurch Einblick erhalten in den natürlichen Verlauf der extremen Adipositas im Jugendalter. “ Und die Forscher interessieren sich dafür, wer es dann überhaupt bis in den Arbeitsmarkt schafft….
Ganz ehrlich, wäre ich schwer adipös, würde ich jetzt aus Verzweifelung  erstmal zu Burger-King laufen. Nein, besser mit dem Auto fahren, da man als adipöser Mensch natürlich zu viel sitzende Tätigkeiten und zu wenig Bewegung haben soll aus Sicht unserer Forscher.  Wenn die Fast-food-Bude nicht gerade wegen Hygiene-Missstände geschlossen wäre…

Die Wissenschaftler machen das Alter, den Bildungsgrad bzw. die damit verknüpften Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass diese fetten Kindern sich nicht bewegen und zu den Kompetenzlern kommen.
Aber eben auch : Frustration durch erfolglose Abnehmversuche bzw. völlig ungeeignete Therapieansätze.

„Erfolglose Versuche Gewicht abzunehmen, entweder alleine und/oder mit medizinischer Betreuung, könnten zudem zu Frustration geführt haben.“

Könnten.

Das Kompetenznetz unterstellt mal eben den Jugendlichen bzw. der Zielgruppe eine „ablehnende Haltung“. Also Widerstand oder Vermeidung gegen die tollen Angebote. Steht da mehr oder weniger so drin.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielleicht sollte man dann erstmal bei sich selber anfangen zu überlegen, ob dies ein guter Zugangsweg zur Zielgruppe ist ? Und ob es nicht versteckte oder offene eigenene Interessen dafür gibt, dass alles so bleibt, wie es war.

Wer Kinder und Jugendliche mit Adipositas  schon einmal persönlich gesehen oder gar mit ihnen gesprochen hat (und nicht nur in der Akademikerstudie mit Statistikprogrammen die Studien für die nächte Konferenz oder Publikation vorbereitet) weiss, dass Kinder ein sehr feines Gespür dafür haben, wenn sie verarscht bzw. mit völlig unsinnigen und nicht funktionierenden Vorschlägen konfroniert werden, die die Erwachsenen schon selber nicht hinbekommen haben.

Als Konsequenz überlegen sich jetzt die Frauen und Herren Wissenschaftler, dass sie eine neue Studie machen wollen. Eine „JA-Studie“. Dort wird nun weniger auf die Gewichtsabnahme fokussiert, sondern auf Gesundheitsverhalten. Was nun auch nicht so unbedingt gerade 2014 eine neue Erkenntnis ist. Niederschwellige Gruppeninterventionsangebote ….   Wenn Sie denn die Zielgruppe mal mobilisieren könnten.

Hierzu ist die STEREO-Studie gedacht. Ich schätze eigentlich Prof. Hebebrand, aber so richtig überzeugend finde ich das Studiendesign nicht. So richtig erschliesst sich für mich noch nicht, wo denn nun der Unterschied zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe liegen soll. Und wie ich niederschwellig nun unterscheide, ob ich in der Gruppe :
„Soziale Kompetenz, Stressbewältigung, Körperschema, Umgang mit Hänseleien bzw. Ärger, Lebenszufriedenheit, psychisches Wohlbefinden“ behandele, oder  aber

(Kontrollgruppe) : „Ursachen, Folgen und Therapie der Adipositas, Ernährung (Optimix), Essverhalten, Problemlösestrategien, Selbstwert, negative Kognitionen, Bewegung, Sport, Medienkonsum“

Bereits hier werden dann die meisten Jugendlichen aussteigen… Wobei sie ja erst gar nicht in diese niederschwelligen Angebote kommen werden.

Was (auch für mich als bekennender Psychotherapeut) sich immer mehr durchsetzt ist die schmerzvolle Erkenntnis, das bei schwerer Adipositas (nicht nur im Jugendalter) eine möglichst schnelle (bariatische) Adipositas- Operation Mittel der Wahl wäre. Kein anderes Verfahren erreicht so schnell und so dauerhaft eine Gewichtsabnahme bzw. schafft die Voraussetzungen, dass sich nicht noch weitere schwere Komplikationen und Begleiterkrankungen bei dieser Hochrisiko-Gruppe einstellen.

Interessant und bezeichnend für die Sichtweisen der Wissenschaft im Jahre 2014 finde ich aber, dass die Adipositas-Kompetenzler nun nicht etwa eingestehen, dass ihre jahrelangen Bemühungen im besten Fall den Klienten nicht weiter geschadet haben (was man noch nicht einmal belegen könnte). Auf jeden Fall aber nicht genützt haben. Statt dessen kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Op-Methoden hinsichtlich Vor- und Nachversorgung mangelhaft wären.
Nicht, weil die Methode schlecht oder nicht indiziert wäre. Sonder weil die Qualitätssicherung mangelhaft wäre.

Ah ja. Da ist wieder eine DIN-Norm nicht aus Sicht der Wissenschaftler erfüllt worden. Eigentlich sind sie nur eingeschnappt und tief beleidigt, dass die stupiden Adipositas- Chirurgen bessere Ergebnisse erreichen als alle Ernährungsberater, Diätgurus und Verhaltenstherapeuten zusammen.

Geben Sie aber nicht zu. Und feiern sich dann selber. Auf nach Leipzig.

Ich werde also nicht nach Leipzig fahren und auf die Taschen und Symposienbeilagen und Sandwiches verzichten müssen. Ich werde nicht zum gesundheitsbewussten Sterne-Abendessen eingeladen werden.

Denn dieser Beitrag ist nicht von Sanofi, Berlin-Chemie, Lilly, Novo Nordisk, Ypsomed GmbH, Abbott, oder Medtronic / Bayer finanziert und unterstützt. Merkwürdig, warum werde ich bloss nicht zu entsprechenden Industrie-Symposien bei ADHS oder anderen Themen eingeladen ? Kann das mir Irgendjemand erklären ?

Mein Vorschlag für die Keynote zur Eröffnung in Leipzig wäre : Jean Phillip Chaput : Widespread misconceptions about obesity (Can Fam Phyiscian 2014; 60:973-6). Mehr dazu in einem späteren Artikel…