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Psychologie-Blog Übersicht Januar 2015

So richtig einfach finde ich es nicht, einen guten Überblick über noch lebende bzw. aktiv weiter geführte Blogs im Bereich der Psychologie und Psychotherapie zu finden. Allein schon für meine eigene Übersicht, habe ich mich mal wieder auf die Suche nach Perlen aus der Blogger-Welt rund um die Psychologie, Psychatrie und Psychosomatik gemacht. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Urgestein Dr. Shaw

Die Webseiten von der Psychologen-Gemeinschaftspraxis Dr. Shaw sind immer einen Besuch wert. Und im Januar geht es hier u.a. um das Vergeben. Noch interessanter fand ich einen Beitrag zur Frage, ob Wohlbefinden zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt.

Stärken im Arbeitskontext von Margit Nowotny

Positive Psychologie bezogen auf den Kontext Arbeit greift Margit Nowotny in ihrem aktuellen Blogbeitrag auf und verweist u.a. auf eine Erhebung bzw. Fragebögen zur Persönlichkeitsdiagnostik der Uni Zürich. U.a. empfiehlt sie einen englischsprachien Online-Kurs zur positiven Psychologie von Barbara Fredericksen. Danke dafür !

Stigmatisierung von Pflegenden in der Psychiatrie

Das Thema psychische Gesundheit bzw. Selbsterfahrung und Selbstschutz von Mitarbeitern im Psychologie- und Psychiatrie-Bereich liegt mir natürlich auch sehr nahe. Psychiatrie to go beschäftigt sich mit den Ergebnissen einer Umfrage unter Pflegern und Krankenschwestern in der Psychiatrie zum Thema Stigmatisierung.

Peter Teuschel Schräglage>

Auch regelmässig von mir besucht (gerade gestern was zur Depot-Therapie mit Neuroleptika bei Schizophrenie gelernt…) beschäftigt sich Schräglage u.a. mit einem Urteil zum Thema Mobbing. Mobbing verjährt nicht (vom 15.1.2015)

So… Soviel als erster Überblick für dieses Jahr und zum Nachsurfen. Mich würden Eure Blog-Tipss interessieren ….

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Erwerbsminderungsrente wegen Depressionen und psychischer Probleme

Fast 75000 mehr oder weniger nicht mehr erwerbstätige Menschen wurden im Jahr 2013 aus psychischen Gründen bzw. mit Diagnosen aus dem psychiatrischen / psychosomatischen Bereich in Rente geschickt. Das sind 42.7 Prozent aller krankheitsbedingten vorzeitigen Berentungen. Am häufigsten führten „Depressionen“ zu vorzeitigen Berentungen. Und dieser Anteil steigt weiter kontinuierlich.

Nur ein kleinerer Teil wird zuvor in eine Reha geschickt. 24 Prozent aller medizinischen Reha-Maßnahmen gehen nämlich in diesen Bereich. Und die subjektiv wahrgenommene Tendenz bei uns (und etlichen anderen Kliniken) ist, dass es eher weniger als mehr genehmigte Anträge seitens der Rentenversicherung werden. Und die Reha soll dann in immer kürzerer Behandlungszeit immer grössere Wunder vollbringen.

Nur leider wollen / können diese Rehabilitanden diese Wunder häufig gar nicht (mehr). Sie wollen nur kein Hartz-IV bzw. sie wollen endlich von bestehenden Konflikten und gesellschaftlichen Realitäten befreit in Ruhe gelassen werden.

Was ich sehr gut verstehen kann, dennoch aber so nicht teile.

Aus Sicht eines Psychiaters bzw. Psychosomatikers in einer Reha-Einrichtung werden uns natürlich die Patienten und Patientinnen immer

  • mit den falschen Erwartungen
  • bereits bestehenden Rentenanträgen
  • beruflichen Problemlagen (= Dauerarbeitslosigkeit plus Krankschreibung)
  • mit der Versprechung, wir würden die Rente schon regeln und damit grundsätzlich
  • zu spät

geschickt. Vermutlich kann man diese Liste noch beliebig fortsetzen. Aber diese Zuschreibungen und Vorwürfe bringen auch nichts. Ich sehe es ja eher als meine / unsere Aufgabe an, da zu sein.
Nur vielleicht dann zu einem Zeitpunkt, wo wir noch etwas erreichen könnten bzw. mit realistischen Erwartungen seitens der zuweisenden Kollegen und der Patienten.

Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer Prof. Richter sagt dazu lapidar :

Psychisch kranke Menschen erhalten häufig zu spät oder nie eine Rehabilitationsleistung. Dadurch steigt das Risiko, dass sie vorzeitig berentet werden

Vermutlich erkennen einige niedergelassene Kollegen eben, dass Hopfen und Malz verloren ist und ein Reha-Antrag keinen Sinn macht. Das mag o.K. und auch uns gegenüber fair zu sein.

Andererseits erschliesst es mir einfach noch nicht, warum man nun mit „Depressionen“ so leistungsgemindert sein muss, dass keine Hoffnung mehr besteht. Zumindest sehr häufig nicht.

Gleichzeitig hat man dann Klienten, die eigentlich dringend eine stationäre Psychotherapie wegen Depressionen, Trauma / Dissoziationen oder anderer schwerwiegender Probleme bräuchten, diese aber nicht (mehr) erhalten.

Ein Grossteil der Patientinnen und Patienten, die uns so von der Deutschen Rentenversicherung geschickt werden, brauchen zunächst einmal DIAGNOSTIK oder überhaupt sowas wie Lotsenfunktionen im sozialmedizinischen System durch Sozialarbeiter, Fachärzte für Psychosomatische Medizin oder andere Berater, die mal Klartext reden. Oder Information darüber geben, wie wenig eigentlich die Rente dann ist.

Frühzeitig. Und vor der Krankschreibung oder wenigstens zeitnah innerhalb der ersten 14 Tage.

Was immer sie haben oder nicht haben, meistens ist schon die Diagnose „Depressionen“ schwammig. Daraus abgeleitet gibt es aber selten so was wie eine Idee von Behandlung.

Oder es wird nun auf einen Arbeitsplatzkonflikt (z.B.mit einem  neuen jüngerer Chef einer Krankenschwester oder Arzthelferin) mit einer Krankschreibung reagiert. Oder aber die Mehrfachbelastung einer Mutter (mit eigenen ADHS-Kindern plus Pflege eines demenzkranken Vaters) ist einfach mit der Berufstätigkeit nicht mehr vereinbar.

Das mag ja menschlich verständlich sein, ist aber für sich keine Depression. Kann natürlich vielleicht dazu führen. Klar

Meistens löst aber eine immer wieder verlängerte Krankschreibung oder ein Erwerbsminderungsrentenantrag dieses Problem nicht.

Und mehr oder weniger folgt dann die Konsequenz, dass die niedergelassenen Gutachter diese Anträge auch in der Luft zerreissen. Eben keine Grundlage für eine aufgehobene Leistungsfähigkeit sehen.

Was dann wieder dazu führt, dass diese Klienten zur Begutachtung zu uns geschickt werden… Und dann noch weiter zum Obergutachter an einer Uni…
Wo dann von 100 Anträgen eigentlich 90 direkt abgelehnt werden und 6 eine Teilerwerbsminderungsrente zugesprochen bekommen.

Schlau (?) sind also die Patienten und ihre Psychiater, die eben gerade nicht diesen Weg gehen und ihre Klienten dahingehend beraten, bei Posteingang des Reha-Antrages bzw. des Aufnahmetermins wichtige Gründe zu nennen, warum das alles nicht geht. Oder die Kliniken abzuwerten.

Leider scheinen auch einige Mitarbeiter des VDK bzw. besonders „gewitzte“ Menschen in einigen Internet-Foren so zu argumentieren.

Das führt dann über die Quengel-Taktik auch zum Erfolg.
So wie derzeit der Media-Markt Nintendos für quengelnde Gören vermarktet, kommt Aussitzen bzw. Nerven und Quengeln eben dann doch durch.

Früher oder später werden sie schon den Rentenantrag genehmigt bekommen.

Und dann auf Hartz-IV-Niveau leben. Keine schöne Aussicht.

 

Zu einer wirklichen Reha-Behandlung von Depressionen kommt es aber eben zu selten.