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Freiheit und Entfremdung der Gesundheit als Ursache von Depression ?

Ich bin kein Philosoph und das Denken über Freiheit und Geist sollte man vielleicht daher wirklich besser nicht Ärzten oder Psychotherapeuten überlassen.

Aber in den vergangenen Tagen hat es mich irgendwie schon nachdenklich gemacht, wenn der Friedensnobelpreis an die Schülerin Malala Yousafzai und an Kailash Satyarthi an Aktivisten für ein Recht auf Bildung bzw. Gleichberechtigung  verliehen wird. Natürlich ist Pakistan schön weit weg. Das Recht auf Bildung soll und muss auch für Mädchen in Entwicklungsländern gelten. Und von den bösen Islamisten eingehalten werden. Mit UNS hat das ja nichts zu tun, oder ? Schön weit weg.

In Spiegel-Online las ich da vom Nobel-Komitee

Kinder müssten die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen, und müssten vor Ausbeutung geschützt werden,

Wir feiern dann das Jubiläum der Deutschen Einheit und freuen uns über die gewonnene Freiheit. Was immer das dann sein mag bzw. für den Einzelnen bedeutet. Ich habe dadurch meine Frau aus Sachsen überhaupt kennenlernen  können oder beispielsweise jetzt in Sachsen-Anhalt arbeiten können. Für andere Menschen mag es weniger schöne Konsequenzen gegeben haben. Brüche bzw. ständige Neuanfänge in den Lebensläufen kennzeichnen beispielsweise hier „im Osten“ häufig die Biographien meiner Patientinnen und Patienten. Sie gehören nicht immer zu den Gewinnern der Freiheit, obwohl man sie vielleicht als „freier“ bezeichnen würde bzw. welche Folgen diese Freiheit für den Einzelnen hat(te. Freier fühlen tun sie sich häufig nicht. Was keine politische Bewertung von Systemen oder Diktaturen ist. Sondern ein Gefühl von Unfreiheit bei doch so anscheinend vorherrschender Freiheit und Überfluss. Wobei eben auch Überfluss bei vielen leider eben gar nicht festzustellen ist,…

Die Frage, die man sich dann aber nicht stellt ist, wie denn dieses berechtigt hoch gefeierte Recht bzw. die Verfügbarkeit von Freiheit und Bildung bei uns vor der eigenen Haustür dann gelebt wird. Kinderarmut in Deutschland ist kein Randphänomen mehr, es ist gelebte Realität.  Selbst wenn die Kinder zur Schule gehen, so verlassen 20 Prozent die Schule ohne Schulabschluss. Und in Interviews wissen immer weniger Leute selbst die banalsten kulturellen Zusammenhänge. Ein Beispiel gefällig : „Warum feiern wir Weihnachten ?“ wird nicht gewusst. Bildung ist dann etwas für die Anderen. Oder soll zu Hause statt in der Schule durch die Eltern übernommen werden.
Und selbst für die „Mittelschicht“ wird es immer schwieriger, ein Einkommen zu erwirtschaften, dass ein Auskommen ohne ständigen Stress und Angst ermöglicht.

Gerne reden und schreiben wir von Missständen von Diktaturen, Armut und sonstigen Katastrophen und übersehen, dass es vor der eigenen Haustür immer ungesünder und ungerechter wird.

Angeblich, damit so was wie der Sozialstaat bzw. Freiheit bzw. das Solidarsystem wie Krankenversicherung oder Rentenversicherung  geschützt wird. Aber mit welchen Konsequenzen ? Tja, die Sachzwänge seien halt so.

Freiheit ist mehr ein philosophischer Begriff. Und dann geht es bis (oder vor) zu Hegel zurück, der sich damit auseinander setzte. Freiheit hat aber ganz viel mit jedem von uns individuell zu tun. Eigentlich nur. Freiheit ist sehr individuell. Das grosse Ganze ist das letztlich egal, bzw. viel zu abstrakt, um auf mich oder dich zu wirken.

Freiheit bedeutet , dass man auf sich selber zurückgeworfen ist. So wie ich Freiheit erleben möchte, so muss ich selber anderen Menschen Freiheit zusprechen bzw. ihnen Freiräume lassen.

Zuallererst geht es aber um die Freiheit des Einzelnen. Damit meine ich nicht Egoismus. Damit meine ich, dass man eben allein dafür verantwortlich ist und bleibt, wie und wo man sich frei fühlt und frei verhält. Und dann natürlich die Grenzen der Anderen respektvoll einhält. Taktvoll ist.

Freiheit bedeutet, dass man Grenzen hat und Grenzen einhält. Das nennt man dann bei Kindern Erziehung

Wobei es natürlich grosse individuelle und damit subjektive Unterschiede gibt, was man als taktvoll erlebt, bzw. wo die persönlichen Grenzen der Freiheit überschritten sind. Das muss man wahrnehmen und auch notfalls offen äußern können, sich also abgrenzen oder zurückziehen können. Selbst-regulieren halt. Das wäre dann Gesundheit. Wobei dabei auch die Möglichkeit für eine weitere freie Entwicklung bzw. Entfaltung gemeint ist. Oder wie ich gerne gegenüber meinen Patientinnen sage : Artgerechte Haltung sollte nicht nur für die Schweine oder Weihnachtsgänse gelten, sondern auch für uns Menschen. Freiheit hat also viel mit der Fähigkeit zu tun, auf Stressoren reagieren zu können und zu dürfen.

Merkwürdigerweise ist der Aufschrei bei Missachten der Schweinerechte gross. Wobei dann schnell mit juristischen Winkelzügen aus einem Haltungsverbot gegen eine natürliche Person (hier der Züchter) eine Ordnungswidrigkeit mit erneuten Strafzahlungen für die Gesellschaft (und gleichzeitiger Abzugsfähigkeit bzw. Ausgleich über irgendwelche EU-Mittel) wird und die Haltung dann der „juristischen Person“ (= Betrieb) weiter erlaubt werden wird. Ich bin sehr für Tierschutz, aber manchmal frage ich mich, warum der Aufschrei da soviel lauter ist als bei Missachtung von selbstverständlichen Haltungsbedingungen für uns Menschen ?
Viele Schweine haben inzwischen mehr Bewegungsfreiheit im Leben als Menschen. Dafür leben sie kürzer und enden als Schnitzel. Und die Menschen ziehen dann als Konsequenz vor, Veganer zu werden. Sie schränken sich weiter ein, um die Grenzen von Anderen (Tieren) zu achten.

Wenn es um die Freiheit bzw. Freiheitsgrade des Einzelnen geht, sollen wir aber schweigen. Sonst fürchten wir (metaphorisch gesprochen) auch auf der Schlachtbank geopfert zu werden.

 

Entfremdung ist dann ein Zustand, bei dem ein natürlicher (bzw. sich selbst regulierender) Prozess von Beziehungen zwischen Menschen bzw. zwischen Mensch und Natur aufgehoben, verkehrt oder zerstört wird. Entfremdung ist damit so was wie Dissoziation bzw. Zergliederung und Zerteilung, bzw. ein Aufheben von natürlichem Anstand bzw. Wahrnehmung und Einhalten von Bedürfnissen wie Schlaf, Hunger, Sexualität oder Erholung und Ausgleichsmöglichkeiten. Aber eben auch von individuellen Bedürfnissen nach Abstand und Nähe, der Einhaltung von individuellen Arbeits-Tempo oder eben einem „entschleunigteren“ Lebensstil. Und wir leben mit immer mehr Menschen zusammen, die damit nicht mehr klarkommen können. Auf die wir dann aber auch wiederum Rücksicht nehmen müssen, weil sie ja damit nicht klarkommen. Wir sind ja anständig und sensibel.

Das ist nun nicht erst seit der Erfindung von Fliessbändern in der Automobilindustrie so. Damit wird es wieder sehr politisch bzw. gesellschaftlich relevant. Entfremdung ist das Aufheben bzw. Verunmöglichen von Selbstregulation über Freiheitsgrade bzw. eine selbst-getaktete bzw. selbst eingeteilte Lebenswirklichkeit.

Wenn man so will, ist also im medizinischen bzw. psychotherapeutischen Sinne Entfremdung das Gegenteil von Achtsamkeit. Entfremdung ist aber eben auch so ein Phänomen wie Mobbing oder Burnout und muss doch früher oder später in Depressionen münden.

Hierzu ein Beispiel einer unserer Patientinnen :

Sie kam zu mir, nachdem es bei uns in der Kunsttherapie zu einem Konflikt mit Mitpatientinnen kam und sie dann erregt und verletzt die Gruppe verlassen habe.

Sie erzählte mir, dass sie besonders unter Schlafstörungen leide. Sie schlafe zwar aus Erschöpfung abends ein, wache dann aber in der Nacht früh wieder auf und könne nicht einschlafen. Sie habe Kopfschmerzen, Tinnitus und leide unter unerklärlichen Durchfällen, die ihre Bewegungsfreiheit im Alltag zusätzlich einschränkten. Zudem leide sie unter Depressionen. Es würde von Tag zu Tag schlimmer und sei nicht mehr aushaltbar. Sie müsse sich von den anderen Menschen zurückziehen und könne kaum noch das Haus verlassen.

Es müsse anders werden. So sei sie nicht arbeitsfähig und sie sei so ganz und gar verzweifelt, dass man da nichts machen könne.

Wie viele unserer Patientinnen hier in Bad Kösen hat sie bereits zahlreiche Berufe bzw. Tätigkeiten hinter sich, die mit ihrem ursprünglichen Ausbildungsberuf in der damaligen DDR nicht viel zu tun haben. Derzeit arbeitet sie als Altenpflegerin im ambulanten Bereich. Sie ist damit einerseits strikten Taktvorgaben über die zur Verfügung gestellte „Pflegezeit“ ausgeliefert, muss die Fahrtstrecken zwischen den Einsätzen im Sauseschritt bei Schnee und Dunkelheit wie im Sommer meistern und dann eben die zunehmende Vereinsamung, aber auch durch Demenz bzw. Schmerzen und Pflegezustand bedingten Unzufriedenheiten ihrer Klienten aushalten.  Sie habe häufig Wechselschichten, d.h. müsse bis abends spät arbeiten und dann schon früh am nächsten Morgen wieder raus. Das gehe auf die Substanz. Sie habe das vielleicht früher noch etwas besser wegstecken können. Die Arbeit muss ja erledigt werden und immer mehr jüngere Kolleginnen und Kollegen versuchen, diesem Mühlrad zu entkommen. Sie hätten ja Schulkinder und könnten daher nur ganz bestimmte Touren übernehmen. Schon gar nicht morgens. Schliesslich  seien ja die Schulzeiten wie sie sind. Und meine Patientin solle / müsse auf diese Sachzwänge Rücksicht nehmen und dann nehmen, was übrig bleibt. Das gelte dann natürlich auch für die Ferienzeiten.

Ihr Mann wiederum sei als Fernfahrer tätig. Er sei eigentlich nur am Samstag den ganzen Tag da. An diesem Tag müsse dann die Wäsche gemacht und alle möglichen Vorbereitungen für die nächste Woche erledigt werden. Gemeinsame Zeit oder gar Unterstützung habe sie selten. Sie sei es aber auch gar nicht anders gewöhnt.

Schliesslich habe sie noch eine erwachsene Tochter. Die sei auch sehr eingespannt. Seit einigen Monaten habe sie einen unerfüllten Kinderwunsch. Da es mit dem Kinderkriegen nicht geklappt habe, habe sie sich als Ersatz ein Pferd angeschafft. Schon allein, um nicht weiteren Druck auf die Tochter auszuüben, habe sie sich mit in der Pflege des Pferdes beteiligt, obwohl sie ja nicht reite. Schlimmer noch sei aber, dass jetzt gemeinsame Esszeiten mit der Tochter bzw. Kontakte sich nach der freien Zeit des Pferdes richten würde. Das käme ihr auch merkwürdig vor, sie traue sich aber nicht, dies mit ihrer Tochter zu besprechen. Ein Pferd sei ja schliesslich kein Fahrrad, dass man so in die Ecke stellen könne.

Die Patientin selber kennt es aber kaum anders. Bereits in der Kindheit hat sie früh die Verantwortung für ihre jüngere Schwester übernommen, sie häufig in die Krippe gebracht, da die Mutter eben auch berufstätig war. Der Vater sei häufig alkoholisiert und auch auch gewalttätig gewesen. Sie habe viele Spannungen erlebt und habe versucht, die Schwester zu schützen. Sie selber habe dann versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Um nicht noch mehr Angriffsfläche zu liefern. Die Kindheit sei ihr eigentlich überhaupt nicht in schöner Erinnerung. Eigentlich habe sie keine Erinnerung bzw. einen Zugriff auf Gefühle. Sie habe offenbar da eine doppelte Buchhaltung machen müssen. Für ihre Schwester habe sie heile Welt gespielt, in einer Welt, die aber nur vordergründig heile sei.

Sie hätte ja ihre Schwester verraten bzw. schutzlos zurückgelassen und sie könne ja auch nicht Freiheiten ihrer Tochter oder ihres Mannes wegnehmen. Die würden dann nämlich entsprechend erbost bzw. gekränkt reagieren. Und das wolle sie ja auch nicht.

„Es“ muss anders werden. Tja. Wer oder was auch immer „Es“ ist. Es ist nun in ihr Leben getreten und stört dort. Das haben wir ja häufiger. Es mault und quengelt, sorgt für Schlafprobleme bzw. Schlaflosigkeit und jede Menge körperliche Beschwerden. Psychosomatik halt.

Aber die Patientin ist noch gar nicht soweit, dass sie nun Ansatzmöglichkeiten für eine Veränderung bei SICH sieht.

Es soll ja anders werden. Nicht SIE. Oder zumindest sollten die ANDEREN sich ändern oder sich für SIE einsetzen. Ärzte, Therapeuten, ihr Mann. Wer auch immer.

Aber was sollte SIE denn schon gross tun können ?

Tja, welche Ansatzmöglichkeiten für die Wiederherstellung von Freiheit und Gesundheit seht Ihr ?

Achtsamkeit und Regen : Innere Bilder der Irritation

Ich kenne eine ganze Menge von Patientinnen, die mögen den Regen. Weil sie dann bei sich sind.

Aus der englischsprachigen Literatur über Achtsamkeit steht aber R.A.I.N noch für eine Abkürzung, die ganz schön die Grundgedanken der Achtsamkeit (mindfulness based psychotherapy) zusammenfasst.

In diesem Beitrag habe ich mal Aspekte dieser inneren Haltung auf die Arbeit mit inneren Bildern bzw. Emoflex(R) versucht anzupassen.

RAIN steht dabei für

R ecogonize also Erkennen ohne impulsiv bzw. bewertend zu R eagieren

Damit ist gemeint, dass man wie ein Beobachter zunächst schauen sollte, auf welche Irritationen bzw. emotionalen Erlebnisse man „anspringt“. Oder besser gesagt : Emotional überreagieren WÜRDE, wenn man eben nicht achtsam mit sich umgehen würde.

Das kann ein Wort, ein Unterton bzw. die Lautstärke der Stimme eines anderen Menschen sein. Es können innere Bilder sein, die ausgelöst werden.

Häufig merkt man es daran, dass man Tränen in der Augen hat, das man zusammenzuckt oder ein Klossgefühl im Hals oder Bauch hat. Oder eben eine andere kurzzeitige Reaktion der Psyche. Es kann ein Stocken im Satz oder eine sonstige Veränderung im Verhalten oder der Sprache sein.

Wichtig im Zusammenhang der Achtsamkeit ist, dass man dieses Signal der Irritation nun nicht sofort für ein Reagieren, sondern allein in eine Beschreibung nutzt.

Üblicherweise empfehlen die Therapeuten, es sich als Beobachtung zu notieren. Das ist dann sehr ähnlich wie in der Selbstbeobachtung der Verhaltenstherapie, bei der man die Situation, Gedanken, Gefühle und körperliche Symptome bzw. Reaktionen sich als Mikroanalyse merkt.

Im Sinne der hier vorgestellten Methode der inneren Bilder empfehle ich, dass man sich eher ein emotionales Bild von dem Gefühl machen könnte.

Dieses kurzzeitige Irritationsgefühl ist mit einiger Übung gut zu erwischen, entgeht aber sonst der üblichen therapeutischen Arbeit leicht.

Wenn also dieser kurze Störmoment eine Form annehmen könnte, was passt dazu ?

Welches Bild kommt spontan vor das Innere Auge ?

Wenn noch kein Bild da ist : Welche Farbe könnte das Gefühl annehmen ? Wäre es schwer oder eher leicht ? Hat oder weich ? Passt eine Form (rund, eckig, wolkig) ? Wäre es warm oder kühl ? Bewegt es sich ?

Merken sie sich dieses Gefühlsbild.

Accept Akzeptieren oder auch Allow = Erlauben

Kern der Achtsamkeits-Geschichten ist ja, dass man die Gedanken, Gefühle, inneren und äußeren Wahrnehmungen so nehmen soll, wie sie kommen. Und sie auch wieder loslassen soll.

Also wie ein Wolke an sich vorbei ziehen lassen.

Nicht Einkliniken sondern eher im Durchzugmodus „Ausklinken“.

Na ja. Wenn man das könnte, wäre es sicherlich eine tolle Sache.
In den Achtsamkeitsgruppen hier in der Klinik ist natürlich dann immer wieder das Thema, dass man da mit sich selbst viel Geduld haben muss. Man soll / muss akzeptieren, dass das Akzeptieren lernen ewig dauern kann…

Irgendwie auch eine schwierige Schlange, die sich selber in den Schwanz beisst.

Da dass auch schon wieder eine Reaktion ist, muss ich mir also auch erlauben, dass ich auf solche  Störungen reagiere.

Mit inneren Bildern ist es häufig wesentlich leichter, das Akzeptieren zu praktizieren. Wenn die Gedanken und Gefühle bzw. Probleme in Bildern übersetzt sind (oder schon so vorliegen), verlieren sie durch das Weiterverarbeiten (über Rechts-Links-Stimulation) an emotionalem Gewicht. Sie werden quasi „egaler“.

Sie werden gleichgültiger.   Und das ist eigentlich das Ziel des inneren Anspruchs beim Akzeptieren…

Investigate = Endecken Das Leben aus den Augen eines (inneren) Kindes entdecken

Für viele meiner Leserinnen und Leser wird Neugier bzw. ein kindlicher Blick auf das Leben nicht so fern sein. Beim Entdecken geht es darum, jede Situation oder jede Aufgabe so zu sehen, als ob man sie das erste Mal in seinem Leben erlebt.

Unbelastet und mit einer gewissen kindlichen Vorfreude bzw. Naivität.

Eine positive Unbedarftheit

Auch hier können wie beim „Akzeptieren“ eben „negative“ Aspekte (ich nenne sie ja gerne Kanalratten aus der Vergangenheit“ an die Oberfläche huschen.

Dann sollte man eher neugierig darauf sein, was sie wohl mitteilen wollen. Wofür sie stehen. Und sie nicht verjagen oder noch mies behandeln wollen.

Ich arbeite ja gerne so, dass ich regelrechte Bildergeschichten über Rechts-Links-Aktivierung entstehen lasse. Es sind dann quasi Fabeln oder Märchen oder manchmal auch abstruse Kino-Varianten. Egal, welches Genre. Es ist zunächst ein Spass, dabei zu sein.

Und es geht eben nicht um die Interpretation oder Bewertung. Es geht um den Fluss der Bilder bzw. Verarbeitung.

Ein Therapeut sollte hier möglichst wenig im Weg rumstehen oder stören.

N atürlichkeit

Sei Du selbst. Sei im Einklang mit der Natur. Verstelle Dich nicht und lebe im Hier und Jetzt mit der Natur.

Ich finde die Natürlichkeit besonders schwer, weil eben häufig unsere emotionale Umgebung alles andere als gesund ist, gesund reagiert. Das Verstellen war und ist (bzw. wird auch für die Zukunft) eine wichtige Überlebensstrategie für viele Personen bleiben. Das ist ein Thema, das mich im Blog und in der Klinik natürlich immer wieder beschäftigt…

Achtsamkeitsbasierte Online-Intervention wirksam

Bereits sehr kurze und einfache Angebote aus dem Bereich der achtsamkeitsbasierten Therapie bzw. Positiven Psychologie beispielsweise auch über das Internet können nachhaltige Wirkungen auf Erschöpfungsgefühl und negative Gedanken in Hinblick auf die Arbeit und eigene Zukunft haben.

Dies ist u.a. auch für mich eine Motivation, das simple Angebot von #ppp Poste Positive Postingimmer weiter anzubieten, da es sich genau um so ein sehr einfaches Angebot der Selbst-Achtsamkeit handelt.

Ursprünglich wurde eine ähnliche Übung der Positiven Psychologie  von Martin Seligman als „Three Blessings“ bzw. „What-went-well-excerise“ eingeführt. Notiert werden sollten

  • über mindestens 1 Woche
  • jeweils 3 positive Erlebnisse und
  • je 1 Begründung, warum es positiv war

Ein etwas anspruchsvolleres Achtsamkeitsprogramm wurde jetzt Online im Internet angeboten. Es nahm weniger als 2 Stunden Training in der Woche in Anspruch.

Die von der British Psychological Society dann bekannt gemachte Studie von Daqn Querstreet und Prof. Mark Cropley zeigte, dass bereits kurze Interventionen zu einer Reduktion von Erschöpfung bzw. ständiger Müdigkeit , Schlafproblemen und negativen Gedanken in Hinblick auf Arbeitsplatzkonflikten und Sorgen führte.

Dazu wurden 127 Berufstätige über 4 Wochen an einem internetbasierten Achtsamkeits-Kurs (mindfulness baed stress reduction) . Die über eine Kontrollgruppe geführte Untersuchung erfasst dabei an 4 Zeitpunkten das Befinden mit einem Follow-up nach 3 und 6 Monaten.

Wir wissen aus der Forschung, dass gerade Arbeitsplatzprobleme bzw. Arbeitsstress heute zunehmend zu Krankschreibungen bzw. auch vorzeitigen Berentungen beitragen. Je früher man mit einer Bewusstmachung bzw. Selbstachtsamkeit beginnt, desto besser letztlich auch die Prognose.

Die Achtsamkeitsübungen bzw. Positive Psychologie schärft ein Bewusstsein für eigene Gedanken und Gefühle in einer positiven bzw. konstruktiven Art und Weise, so dass man effektivere Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungsfreiheiten gewinnt.

Diese Studie war nicht Gegenstand der Diskussionen unserer Arbeitstagung der DGPPR in Lübstorf bei Schwerin. Aber auch dort wurde deutlich gemacht, dass es nicht der Arbeitsstress bzw. die Arbeitsverdichtung primär ist, der zu den psychischen Belastungen und Problemen führt.

Vielmehr ist die individuelle Reaktion auf diese Belastungen bzw. die Anpassungsfähigkeit wichtig.

Ganz offensichtlch lässt sich diese Anpassungsfähiigkeit bzw. die indviduelle Antwort auf Stress-Bealstungen eben durch gezielte Behandlung und Information verändern.

In diesem Sinne werde ich auch weiterhin jeweils um 18 Uhr einen Newsletter mit kurzen Informationen zur Achtsamkeit bzw. Positiven Psychologie anbieten. Das ist dann zwar kein direkter Online-Kurs in achtsamkeitsbasierter Stress-Reduktion. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung….

Gerade für Arbeitnehmer wäre es also sehr ratsam, neben Angeboten zur Entspannung, Bewegung und gesunder Ernährung auch derartige psychologische Kurzinterventionen regelmäissg anzubieten bzw. daran zu erinnern.

Nichtstun ist anstrengend : Wie finde ich den Ausschalter für mein Gehirn

 

Angeregt durch den Aufruf zu einer Blogparade bzw. Sammlung von Blogbeiträgen zum Thema „Nichtstun“ auf Nichtstun- Fluch oder Segen konnte ich nicht anders als aktiv zu werden. Das demonstriert schon das erste Paradoxon des Nichtstun : Man kann eigentlich auf Aufforderung schlecht inaktiv werden. Nichtstun ist auch kein inaktiver Zustand, eher im Gegenteil. Nichtstun hat auch viel mit dem von mir zuvor diskutiertem Thema der Zeitschuld bzw. Zeitarmut zu tun. Auf den Punkt gebracht :  Burnout und Erschöpfungsdepressionen sind ein ungedeckter Kredit auf unser eigenes Zeitschuldkonto. Genauer dargestellt : Freie Zeit, Leerlauf, Erholung bzw. Entspannung. Zeit zum Träumen, Zeit zum Spielen.

Die Hauptthese in meinem Blogbeitrag zum Nichtstun lautet  also :

Nichtstun kostet mehr Energie als Tun

Daraus abgeleitet werde ich versuchen zu erklären, warum Nichtstun so häufig nicht gelingt bzw. darstellen wie man seinen inneren Ausschalter für das Gehirn findet. Damit man mal wirklich ins Nichtstun kommt.

Nichtstun ist ein Geschäft mit ausbaufähigem Buisiness-Modell

Eine ganze Wellness- und Gesundheitsindustrie samt Therapeuten, Coaches oder sonstigen Heilsversprechern lebt von dem Wunsch einen Ausschalter im Kopf zu finden.  Oder noch besser : Ihn nicht zu verraten, aber Versprechungen zum Erreichen von Achtsamkeit, Entspannung, Schlaf und anderen Erfahrungen in dieser Richtung zu verkaufen. Sollte auch das nicht gelingen oder zu anstregend sein,  versuchen wir es halt mit Selbstmedikation (von Alkohol, Naschen bzw. Essen im Übermass, Kaufen bzw. Ablenkungen der unsinnigen Art bis zum Fernsehen oder dem Fittnessdrang der übertriebenen Art).

 

Nichtstun? Geht das überhaupt, darf man das?

Wir können nicht Nichtstun. Zumindest ist unser Gehirn im sogenannten „Leerlauf“ = Default Mode Network eher aktiver als wenn wir Denken oder Handeln. Dieser Nichtstun-Modus mit Tagträumerei bzw. „Nichts“  ist also möglicherweise der wichtigste Abschnitt im Tag, da dadurch Lernen aus Erfahrungen erfolgt. Gleichzeitig ist es der Abschnitt, wo wir Löschen bzw. Ausmisten im Gehirn machen müssten. Träumende Menschen, sind die besseren Problemlöser. Im Traum entwickeln wir Lösungen bzw. lösen uns von Problemen. Das hat man u.a. bei sog. luciden Träumern untersucht. Also Menschen, die sich im Traum bewusst sind, dass sie Träumen.

Das Problem am Nichtstun ist eher, dass genau dieses Leerlaufproblem gestört ist. Speziell das Löschprogramm läuft häufig nicht so rund , wie wir es für ein sorgenfreies Nichtstun bräuchten. Entweder müsste unsere Festplatte im Gehirn mal ordentlich defragmentiert werden oder aber das Aufräumprogramm bräuchte mal ein Update….

Nichtstun ist also anstrengend bzw. kostet sogar 80 Prozent mehr Energie als Denken bzw. das Ausleben der sog. höheren Handlungsfunktionen = Exekutivfunktionen des Gehirns im Wach- oder Aktivzustand. Höhere Handlungsfunktionen wären das Planen von Aktivitäten, Entscheidungen treffen, Zeitmanagement bzw. Zugriff auf das Arbeitsgedächtnis  und was uns halt den lieben langen Arbeitstag so an „Kulturaufgaben“ des Gehirns so aufgeladen wird.

Nichtstun ist schmerzhafter als Elektroschocks

Und es geht ja noch drastischer  : In psychologischen Experimenten wählen Leute, die zum Nichtstun verdammt sind, lieber Elektroschocks  bzw. Schmerz als das Nichts. Nichtstun ist also eine Qual. Jedenfalls wenn man wirklich ohne Ablenkungsquellen wie Bücher, Musik, Smartphone oder Internet einfach sitzen gelassen wird. Bevor sie nun das stupide Nichtstun aushalten mussten, „quälten“ bzw. aktivierten sie sich dann doch lieber selber mit Elektroschockreizen. Schon krass. Ob nun übliche Kurse zu Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung bzw. Autogenes Training durch aktive Entspannung den Weg zum Nichtstun zeigen ? Schon möglich, aber auch dort findet man häufig das Phänomen, dass gerade beim Versuch des einsetzenden Nichtstuns die innere Unruhe steigt.

Der Mensch versucht dann auf dem Weg zum Nichtstun bzw. Entspannung die verschiedensten Methoden, die ihnen die gute Bekannte, der Arbeitskollege oder auch mal der Arzt oder Psychologe empfiehlt. Mit mässigem Erfolg.

Oder ist es die reine Zeitverschwendung?

Nichtstun ist also  gesund bzw. sinnig, da dort eine Art Aufräum- und Sortierprogramm für die Tageserlebnisse passiert bzw. wir in einer Art imaginierter Testlaufphase für Aktivitäten und Entscheidungen laufen. Das ist ganz schön anstrengend. Besonders, wenn da noch ziemliche Unordnung bzw. Altlasten aus der Vergangenheit mit rumschwirren. Wie ich mir das so vorstelle, kann man in diesem Beitrag von mir hier sehen.

Wo fängt das Nichtstun also an, wo hört es auf und welche Arten gibt es?

Diese Frage ist verdammt schwierig zu beantworten, bzw. wohl noch nicht endgültig geklärt. Relativ klar ist aber, dass bei vielen Menschen mit dem Umschalten von Aktivität auf „Nichtstun wollen“ sich ein inneres Kopfkino oder Sorgenrad meldet.

Durch den Alltag oder Aufgaben sind wir von diesem Kopfkino erstmal abgelenkt bzw. es wird gebremst. Dieses innere Bremsen wird auch als Inhibition bezeichnet.
Den lieben langen Tag sind wir also überwiegend mit Bremsen, Filtern bzw. Aussortieren von inneren und äußeren Reizen beschäftigt. Irgendwann ist diese Bremse aber wie ein Muskel auch erschöpft.

Diese Form von Erschöpfung der Selbstbeherrschung kann man ganz gut bei übermüdeten Kindern mit ADHS oder eben leider auch bei Streits unter Ehepartnern am Abend erkennen. Die Selbststeuerung bzw. Selbstbeherrschung versagt wie ein Deo.

Wäre ja schön, wenn dann NICHTS da wäre. Ist aber nicht. Sollten wir wirklich dann mal auf der Couch oder dem Bett ruhig liegen, so drehen sich nicht selten die Gedanken bzw. Bilder im Kreis, oder es ist ein ziemliches Durcheinander im Kopf. Zumindest häufig.

 

Emotionale Erlebnisse werden wie Cookies eines Browser behandelt

Blöd ist halt auch, wenn die abgespeicherten Erlebnisse quasi die Markierung (in der Computersprache „Tag“)  ALARM haben. Also wenn es Erlebnisse sind, die wir subjektiv als irritierend, bedrohlich oder als sonstwie traumatisierend erlebt haben. Derartiger Sondermüll ist nicht so einfach zu löschen. Zumindest nicht, wenn man nicht weiss, wie es geht. Und das aus gutem Grund, da es ja für das Gehirn und dem Rest des Körpers überlebenswichtig sein könnte, dass man nicht erneut in Gefahr gerät.

Unser Gehirn speichert aber emotionale Erlebnisse wie Cookies eines Browsers. Man sieht bzw. merkt diese Cookies nicht unbedingt. Und doch werden sie aufgerufen bzw. haben wichtige Informationen.

Je mehr Datenmüll bzw. emotionale Altlastinformationen so mit in unserem Betriebssystem bzw. Browser mitschleppen, desto anfälliger ist das System aber. Oder je leichter wird man erschöpft.

Also schwirrt der Inhalt dieses Speichers quasi im Kopf umher. Mal als Sorgenrad, mal als ein Wirrwarr von Bildern, als Blitze oder vielleicht auch als scheinbar körperliche Symptome wie ein Kloss im Hals oder Spannungskopfschmerzen. Unser Körper ist da rechts einfallsreich, was halt uns Psychosomatiker dann auch gut beschäftigt.

Wenn also Nichtstun misslingt, haben Ärzte und Therapeuten die Auftragsbücher voll und es verkaufen sich halt alle möglichen Nahrungsergänzungsmittelchen oder sonstige Quacksalberei umso besser.

 

Eine sogenannte Untätigkeit ist…

… schwer zu erlernen.
Buddhistische Mönche verbringen ihr ganzes Leben (und wer weiß wie  viele Wiedergeburten) mit Übungen zur Achtsamkeit bzw. Kontemplation. Sie üben das Nichts. Sie erreichen es aber selten.

Das nennt man dann Achtsamkeit oder „mindfulness“ und man kann ganz schön viel Zeit damit verbringen, diesen Zustand des aktiven Nichtstuns zu erlernen. Kindergartenkinder können das noch so. Spätestens in der Schule treiben wir es ihnen aber schon aus.

Wenn wir produktives Nichtstun lernen wollten, müssten wir es also von Kindergartenkindern abschauen. Und würden erkennen, dass Nichtstun häufig auch mit Spiel bzw. eben Träumen zu tun hat.

Wie kommen wir also zu einem erholsamen  Nichtstun ?

Fassen wir nochmal kurz zusammen : In unserem Default Mode sind quasi die unerledigten Dinge des Tages bzw. des Lebens als emotionale Fingerabdrücke oder aber als Sondermüll wie Computer-Cookies gespeichert. Unser Gehirn versucht sie in der gewohnten Art und Weise zu verarbeiten :  Der dafür verwendete Ablauf wäre in etwa

  • Nehme ein Erlebnis oder ein Gefühl
  • Übersetze es in eine möglichst sinnfreies Bild oder aber Video
  • mache Augenbewegungen wie im REM-Schlaf  (= rapid eye movements)
  • Schmeisse den emotionalen Anteil weg, wenn er unwichtig ist bzw. speichere den wichtigen Inhalt in einem Archiv des Wissens

Ganz einfach, wenn es einfach ist. Und wenn man halt Zeit dafür hat.

Wenn es nicht so einfach ist, braucht man schon eine Seelenklempnerei. Dann muss man handwerklich systematisch auf mögliche Fehlersuche der körpereigene Regulationssysteme gehen.

Manchmal ist es aber trivial schlicht Schlafmangel.

Wir haben aber meist zu wenig Zeit für Tagträumerei bzw. auch zu wenig Schlafzeit. Wenn Du (oder Sie) diesen Blogpost nach 22 Uhr lesen, wäre es schon kritisch. Unser Gehirn braucht schlicht und ergreifend eine Aus-Zeit von Bildschirmmedien / Glotze oder zuviel künstlichem Licht.

Der richtige Augenblick?

Ist JETZT. Wann denn sonst ?

Er ist nur schwer einzufangen und noch schwerer zu halten. Wie eine Seifenblase, die zerplatzt.

Interessant ist, dass es bei einigen Krankheiten wie beispielsweise der Epilepsie, der Migräne oder aber auch der Essbrechsucht (Bulimie) jeweils eine Art „Reset-Zustand“ gibt. Das Gehirn wird quasi durch die „Störung“ in einen Zustand des Nichtstuns bzw. des Neustarts gebracht.

Dieser Zustand hält nicht lange an. Und die Symptomatik davor bzw. danach ist auch alles andere als gesund. Es geht mir nur darum, dass es einen ganz kurzen Moment gibt, in dem NICHTS sozusagen als Idealzustand abgespeichert ist. Das Gehirn hat also sowas wie einen inneren Ausschalter einmal gedrückt und das System muss wieder neu starten. Andere Versuchen dies vielleicht über Selbstverletzungen wie Schnippeln, was ich aber überhaupt nicht empfehlen würde…

Aber kennt das Gehirn nicht selber den inneren Ausschalter ?

Vermutlich spielt übrigens auch Gähnen eine Rolle beim Versuch ein Reset unseres Gehirns bzw. eine Aktivierung des Leerlaufmodus zu bekommen.  Es scheint aber manchmal eher wie Schluckauf des Gehirns zu sein, den wir unterdrücken.

Gähnen Sie also mal wieder bzw. übersetzen sie das Gefühl des Gähnens in ein inneres Bild.

Welche Farbe hätte Gähnen ?
Wenn Gähnen eine Form hätte, wäre sie rund oder eckig ?
Eher leicht oder schwer ?
Warm oder erfrischend kühl ?
Bewegt sich Gähnen ?

Betroffene könnten das in vergleichsweise kurzer Zeit (wieder) erlernen. Also sich wieder die natürlichen emotionalen Problemlösemechanismen aneignen, die wir als Kinder noch hatten. Für Profi-Seelenklempner ist das zunächst ein total unbekanntes Terrain, das misstrauisch beäugt wird. Ganz sicher. Aber warum kompliziert, wenn es auch ganz einfach ginge ?

 

Erfahrungen sammeln

Ich finde es spannend, sich an diejenigen Menschen auf der Erfahrungssuche zu wenden, die eben Erfahrungen mit diesem Reset-Modus des Gehirns haben.

Ich habe beispielsweise bei einer Bulimikerin mir genau diesen Zustand als inneres Bild beschreiben lassen. Es war eine Art Seifenblase, die semipermeabel ist. Das bedeutet, dass sie sich in ihrer „Blase“ der Bulimie für einen ganz kurzen Moment wohlig geschützt fühlt. Innen in ihrer Innenwelt ist sie geschützt gegen den emotionalen Lärm der Aussenwelt. Sie kann aber Fühlen und Leben. Zumindest für einen kurzen Moment.

Das Gefühl in der Seifenblase bzw. der Schutz der Seifenblasenmembran versuche ich dann in ein Bild zu übersetzen. Eben die Seifenblase. Und damit arbeiten wir dann über Imagination bzw. Rechts-Links-Stimulation weiter. Wir sammeln weitere innere Bilder von Schutz bzw. Selbstwirksamkeit. Von Reset bzw. Reinigung, von Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit.

Das ist jetzt in einem Blogpost vielleicht nicht so darstellbar, wie es dann als individuelle Lösung von der Patientin bzw. für die Patientin und vor allem mit dem Patienten entwickelt wird.

Manualisierte Psychotherapie ist das sicher nicht.

 

Nichtstun ist eine Herausforderung, aber durchaus machbar.

Übliche Empfehlungen zum Nichtstun wäre, Achtsamkeit zu üben und mal 1 oder 5 Minuten aus dem Fenster zu schauen und den Wolken zu folgen.  Oder 10 Minuten auf einer Rosine zu kauen.  Ohne Bewertung, ohne Handlungsimpuls.

Dann müsste man sich Freiräume im Alltag dafür schaffen, dass man 5 oder 10 Minuten Achtsamkeit für sich und seine Handlungen entwickelt.

Alles richtig.
In dem Blogbeitrag habe ich aber versucht darzustellen, dass unser Gehirn bzw. unser Gehirn eben selber Mechanismen hat, die zur Erholung und Entspannung führen. Die wir aber systematisch ausschalten bzw. übergehen.

Wir müssten also erst einmal genauer Abschauen, was unser Gehirn so macht, wenn es am Nichtstun ist.

Wie stehe ich also zum Thema Nichtstun ?

Ich würde gerne Nichtstun als Schulfach haben. Lehrer wären die angeblichen Tagträumer. Wir müssen von Denjenigen lernen, die schon aus eigener Erfahrung Experten in Tagträumerei bzw. Kontemplation sind.

Und ich träume von einer anderen Art der Psychiatrie und Psychotherapie, die eben Störungen wie Bulimie, Borderline, Migräne oder Epilepsie als das versteht, was es eigentlich auch ist : Der Versuch wieder einen Zustand der inneren Ruhe bzw. Nichtstun erreichen zu können.

Jetzt aber genug mit dem Nichtstun. Wenn es schon spät sein sollte, denke an die Kindersendung Löwenzahn : Öfter mal Abschalten. Das gilt auch für den Rechner.