Positive Emotionen und Erfahrungen mit Ärzten und Therapeuten

In den vergangenen Tagen habe ich wegen eines Problems (Austausch einer Kamera in unserem Iphone 6 plus) Kontakt mit dem Support von Apple über das Internet gehabt. Eine sehr professionelle und sehr freundliche Kommunikation. Auch wenn es sich letztlich um ein unerfreuliches Ereignis handelte, war es eine positive Erfahrung. Entweder das Ergebnis einer guten Mitarbeiterschulung im Support oder ich hatte ein Naturtalent am Chat. Letztlich bin ich gar nicht zum Ziel gekommen (was aber eher an Probleme an anderer Stelle mit der Kreditkarte lag). Aber ich fühlte mich gut informiert und begleitet vom Kundendienst.

Und wünschte mir, wir würden als Ärzte und Therapeuten auch so eine Kommunikationsschulung bzw. Kundenorientierung an den Tag legen können.

Ich beschäftige mich ja gerne mit Forschungen aus dem Bereich der sogenannten Positiven Psychologie. Eine der Vorreiterinnen ist Barbara Fredrickson. Sie postuliert, dass für ein zufriedenes Leben ein Verhältnis von 2:1 positiver zu negativer Erfahrungen notwendig ist. Damit man quasi aus einer belastenden Situation heraus kommt bzw. emotional aufblüht, ist sogar ein höheres Verhältnis von 3:1 bis 5:1 erforderlich.

Es geht dabei gar nicht allein darum, das positive Erlebnisse sich gut anfühlen bzw zu einem Glücksgefühl beitragen. Vielmehr verändert es unseren Denk- und Wahrnehmungsstil, so dass wir aus einem sehr eingeengten Denken und Wahrnehmen im Sinne eines Flucht- und Kampfmodus mit sehr rigiden = festgefahrenen Mustern und Grundannahmen in einen weit flexibleren, spielerischen und weitsichtigeren Modus umschalten können. Hier kommt dann das Konzept der Mentalisierung mit ins Spiel. Damit ist die Fähigkeit gemeint, quasi mit einem gewissen inneren emotionalen Abstand sein Verhalten und die Auswirkungen beobachten zu können und nicht impulsiv bzw. festgefahrenen zu Reaktionen zu kommen. Mentalisierung erfordert damit auch die Fähigkeit, eine gewisse emotionale Kontrolle gerade in emotional belastenden Situationen ausüben zu können.

Da unsere Patienten naturgemäss „krank“ und damit hoch belastet zu uns kommen, ist es UNSERE Aufgabe als Profis, so eine positive wertschätzende Atmosphäre zu schaffen. Wie auch immer.

Leider ist es so, dass ausgerechnet mit Ärzten und Therapeuten häufig die negative Kommunikation im Gedächtnis bleibt.

Das mag viele Gründe haben. So ist der Anlass für das Gespräch ja schon einmal selten positiv. Der Patient hat Sorgen und Ängste und ist vielleicht noch durch die Erwartung an einen „Halbgott in weiß“ verunsichert. Und zumindest in einer Reha-Klinik ist es keinesfalls so, dass nun alle Klienten ein Interesse daran haben, dass ihnen wirklich geholfen wird. Schon allein, weil ggf. ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente läuft, so dass es schön „dumm“ wäre, wenn man eine Besserung in der Reha erreicht.

Der Arzt bzw. die Ärztin steht unter Zeitdruck bzw. auch einer gewissen Anforderung an „Abfertigen“ einer bestimmten Menge von Klienten in einer definierten Zeiteinheit. Keine gute Voraussetzung, um eine positive Beziehung aufzubauen.

Aber weder der Patient noch sein Arzt geht mit dem Vorsatz in das Gespräch und damit die therapeutische Beziehung, dass nun Ärger und Unzufriedenheit vorherrschen soll.

Leider wird unter solchen Umständen aber weniger das behalten, was nun positiv und klar kommuniziert wurde. Sondern unser Gehirn „hakt“ dann besonders bei Aspekten ein (oder aus), die noch nicht klar ausgesprochen oder geklärt sind. Hier wäre es wichtig, Zeit für Rückfragen des Patienten zu lassen und möglichst viel in offenen Fragen zu machen. Wenn dazu mal die Zeit wäre.

Was sind für Euch Merkmale einer guten Kommunikation mit dem Arzt / Therapeuten ?

Und wie befreitet ihr Euch auf ein Gespräch mit dem Arzt vor ?

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Ein Gedanke zu „Positive Emotionen und Erfahrungen mit Ärzten und Therapeuten

  1. leidenschaftlichwidersynnig

    Wichtig für mich: Akzeptanz darüber, dass ich mich ( auch ) vorbereitet habe -ich schreibe immer auf eine Karteikarte, was ich ansprechen /fragen will.
    Gerne auch Begründungen für empfohlene Maßnahmen geben. Und : Unsicherheiten zugeben und nicht den Allwissenden spielen . Freundlichkeit .

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