Achtsamkeit und Regen : Innere Bilder der Irritation

Ich kenne eine ganze Menge von Patientinnen, die mögen den Regen. Weil sie dann bei sich sind.

Aus der englischsprachigen Literatur über Achtsamkeit steht aber R.A.I.N noch für eine Abkürzung, die ganz schön die Grundgedanken der Achtsamkeit (mindfulness based psychotherapy) zusammenfasst.

In diesem Beitrag habe ich mal Aspekte dieser inneren Haltung auf die Arbeit mit inneren Bildern bzw. Emoflex(R) versucht anzupassen.

RAIN steht dabei für

R ecogonize also Erkennen ohne impulsiv bzw. bewertend zu R eagieren

Damit ist gemeint, dass man wie ein Beobachter zunächst schauen sollte, auf welche Irritationen bzw. emotionalen Erlebnisse man „anspringt“. Oder besser gesagt : Emotional überreagieren WÜRDE, wenn man eben nicht achtsam mit sich umgehen würde.

Das kann ein Wort, ein Unterton bzw. die Lautstärke der Stimme eines anderen Menschen sein. Es können innere Bilder sein, die ausgelöst werden.

Häufig merkt man es daran, dass man Tränen in der Augen hat, das man zusammenzuckt oder ein Klossgefühl im Hals oder Bauch hat. Oder eben eine andere kurzzeitige Reaktion der Psyche. Es kann ein Stocken im Satz oder eine sonstige Veränderung im Verhalten oder der Sprache sein.

Wichtig im Zusammenhang der Achtsamkeit ist, dass man dieses Signal der Irritation nun nicht sofort für ein Reagieren, sondern allein in eine Beschreibung nutzt.

Üblicherweise empfehlen die Therapeuten, es sich als Beobachtung zu notieren. Das ist dann sehr ähnlich wie in der Selbstbeobachtung der Verhaltenstherapie, bei der man die Situation, Gedanken, Gefühle und körperliche Symptome bzw. Reaktionen sich als Mikroanalyse merkt.

Im Sinne der hier vorgestellten Methode der inneren Bilder empfehle ich, dass man sich eher ein emotionales Bild von dem Gefühl machen könnte.

Dieses kurzzeitige Irritationsgefühl ist mit einiger Übung gut zu erwischen, entgeht aber sonst der üblichen therapeutischen Arbeit leicht.

Wenn also dieser kurze Störmoment eine Form annehmen könnte, was passt dazu ?

Welches Bild kommt spontan vor das Innere Auge ?

Wenn noch kein Bild da ist : Welche Farbe könnte das Gefühl annehmen ? Wäre es schwer oder eher leicht ? Hat oder weich ? Passt eine Form (rund, eckig, wolkig) ? Wäre es warm oder kühl ? Bewegt es sich ?

Merken sie sich dieses Gefühlsbild.

Accept Akzeptieren oder auch Allow = Erlauben

Kern der Achtsamkeits-Geschichten ist ja, dass man die Gedanken, Gefühle, inneren und äußeren Wahrnehmungen so nehmen soll, wie sie kommen. Und sie auch wieder loslassen soll.

Also wie ein Wolke an sich vorbei ziehen lassen.

Nicht Einkliniken sondern eher im Durchzugmodus „Ausklinken“.

Na ja. Wenn man das könnte, wäre es sicherlich eine tolle Sache.
In den Achtsamkeitsgruppen hier in der Klinik ist natürlich dann immer wieder das Thema, dass man da mit sich selbst viel Geduld haben muss. Man soll / muss akzeptieren, dass das Akzeptieren lernen ewig dauern kann…

Irgendwie auch eine schwierige Schlange, die sich selber in den Schwanz beisst.

Da dass auch schon wieder eine Reaktion ist, muss ich mir also auch erlauben, dass ich auf solche  Störungen reagiere.

Mit inneren Bildern ist es häufig wesentlich leichter, das Akzeptieren zu praktizieren. Wenn die Gedanken und Gefühle bzw. Probleme in Bildern übersetzt sind (oder schon so vorliegen), verlieren sie durch das Weiterverarbeiten (über Rechts-Links-Stimulation) an emotionalem Gewicht. Sie werden quasi „egaler“.

Sie werden gleichgültiger.   Und das ist eigentlich das Ziel des inneren Anspruchs beim Akzeptieren…

Investigate = Endecken Das Leben aus den Augen eines (inneren) Kindes entdecken

Für viele meiner Leserinnen und Leser wird Neugier bzw. ein kindlicher Blick auf das Leben nicht so fern sein. Beim Entdecken geht es darum, jede Situation oder jede Aufgabe so zu sehen, als ob man sie das erste Mal in seinem Leben erlebt.

Unbelastet und mit einer gewissen kindlichen Vorfreude bzw. Naivität.

Eine positive Unbedarftheit

Auch hier können wie beim „Akzeptieren“ eben „negative“ Aspekte (ich nenne sie ja gerne Kanalratten aus der Vergangenheit“ an die Oberfläche huschen.

Dann sollte man eher neugierig darauf sein, was sie wohl mitteilen wollen. Wofür sie stehen. Und sie nicht verjagen oder noch mies behandeln wollen.

Ich arbeite ja gerne so, dass ich regelrechte Bildergeschichten über Rechts-Links-Aktivierung entstehen lasse. Es sind dann quasi Fabeln oder Märchen oder manchmal auch abstruse Kino-Varianten. Egal, welches Genre. Es ist zunächst ein Spass, dabei zu sein.

Und es geht eben nicht um die Interpretation oder Bewertung. Es geht um den Fluss der Bilder bzw. Verarbeitung.

Ein Therapeut sollte hier möglichst wenig im Weg rumstehen oder stören.

N atürlichkeit

Sei Du selbst. Sei im Einklang mit der Natur. Verstelle Dich nicht und lebe im Hier und Jetzt mit der Natur.

Ich finde die Natürlichkeit besonders schwer, weil eben häufig unsere emotionale Umgebung alles andere als gesund ist, gesund reagiert. Das Verstellen war und ist (bzw. wird auch für die Zukunft) eine wichtige Überlebensstrategie für viele Personen bleiben. Das ist ein Thema, das mich im Blog und in der Klinik natürlich immer wieder beschäftigt…

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2 Gedanken zu „Achtsamkeit und Regen : Innere Bilder der Irritation

  1. Unsinnstifter

    Ich verstehe es nicht das nicht über die Bildinhalte mehr geredet wird. Es ist nun mal so das jedes Bild auch eine emotionale Projektion ist und diese sich aus der psycho-sozialen Verfassung des Individuums speist und mit „selbstsprechender“ Symbolik verwoben ist. Wenn ein Individuum diese Bilder lesen lernt, kann es sich auch mit den eigenen tief verwurzelten Gefühlsausdrücken bekannt machen und muss diese nicht einfach verdrängen. Dann kommen meist assoziative Verschiebungen zum Tragen, die denselben emotionalen Konlfikt dann assoziativ anders verknüpfen – der Konflikt ist nicht gelöst, selbst dann wenn Gegenwartsspannungen abgebaut sind und emotionale Konflikte abgeschnitten werden.

    Immer das gerede um den heißen Brei, Achtsamkeit und das alles. Mag ja eine Methode mit Berechtigung sein, für mich bleibt es unverständlich wieso nicht die Aussage des Bildes geredet wird. Dann lösen sich viele Gedankenprozesse nämlich in bearbeitbare, greifbare Bestandteile diverser Konflikte auf.

    Bilder sind eine emotionale Symbol-Sprache, die tiefer in unsere Psyche eindringt und viel mit unserer Motivation und Identitätsaneignung zu tun hat. Diese Formen der Projektionen finden sich auch in Religion und Co. Göttervorstellungen, Mythologien, Götzen und die damit verknüpften Gefühlsanker. Das rettende Heil aus einer Haltung, einer Pose / Attitüde erhofft, erbeten, erfleht, gelebt – und damit aus einem Motiv, und damit aus einem Kern-Gefühl, das der Haltung entspringt. Wie z.b. der Macht und Stärkemythos von Kriegern und Soldaten. Im Wesentlichen entspricht der heute dem Leistungsmythos des Arbeiters oder Kapitalisten.

    Naja, vielleicht kann jemand etwas anfangen, vielleicht verstehe ich auch wieder nix oder alles falsch oder bin zu sehr meiner Perspektive verhaftet.

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  2. Highly Sensitive Person (High Sensation Seeker)

    Hallo Herr Winkler,

    sehr interessante Beiträge haben Sie da niedergeschrieben. Ich persönlich mag den Regen auch, vor allem beim Einschlafen – es gibt sogar eine Regen-App im Internet, die mir das Einschlafen erleichtert – morgens bin ich dann so gut ausgeruht, wirklich wunderbar:
    http://rain.simplynoise.com/

    Mit dieser App kann man sogar einstellen, ob es Donnern soll, wie oft, wie intensiv der Regen sein soll, wie laut – richtig gut – andere mögen dies etwas für verrückt halten, mir hilfts 🙂

    Mit freundlichen Grüßen,
    Julia

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    Antwort

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