Erwerbsminderungsrente wegen Depressionen und psychischer Probleme

Fast 75000 mehr oder weniger nicht mehr erwerbstätige Menschen wurden im Jahr 2013 aus psychischen Gründen bzw. mit Diagnosen aus dem psychiatrischen / psychosomatischen Bereich in Rente geschickt. Das sind 42.7 Prozent aller krankheitsbedingten vorzeitigen Berentungen. Am häufigsten führten „Depressionen“ zu vorzeitigen Berentungen. Und dieser Anteil steigt weiter kontinuierlich.

Nur ein kleinerer Teil wird zuvor in eine Reha geschickt. 24 Prozent aller medizinischen Reha-Maßnahmen gehen nämlich in diesen Bereich. Und die subjektiv wahrgenommene Tendenz bei uns (und etlichen anderen Kliniken) ist, dass es eher weniger als mehr genehmigte Anträge seitens der Rentenversicherung werden. Und die Reha soll dann in immer kürzerer Behandlungszeit immer grössere Wunder vollbringen.

Nur leider wollen / können diese Rehabilitanden diese Wunder häufig gar nicht (mehr). Sie wollen nur kein Hartz-IV bzw. sie wollen endlich von bestehenden Konflikten und gesellschaftlichen Realitäten befreit in Ruhe gelassen werden.

Was ich sehr gut verstehen kann, dennoch aber so nicht teile.

Aus Sicht eines Psychiaters bzw. Psychosomatikers in einer Reha-Einrichtung werden uns natürlich die Patienten und Patientinnen immer

  • mit den falschen Erwartungen
  • bereits bestehenden Rentenanträgen
  • beruflichen Problemlagen (= Dauerarbeitslosigkeit plus Krankschreibung)
  • mit der Versprechung, wir würden die Rente schon regeln und damit grundsätzlich
  • zu spät

geschickt. Vermutlich kann man diese Liste noch beliebig fortsetzen. Aber diese Zuschreibungen und Vorwürfe bringen auch nichts. Ich sehe es ja eher als meine / unsere Aufgabe an, da zu sein.
Nur vielleicht dann zu einem Zeitpunkt, wo wir noch etwas erreichen könnten bzw. mit realistischen Erwartungen seitens der zuweisenden Kollegen und der Patienten.

Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer Prof. Richter sagt dazu lapidar :

Psychisch kranke Menschen erhalten häufig zu spät oder nie eine Rehabilitationsleistung. Dadurch steigt das Risiko, dass sie vorzeitig berentet werden

Vermutlich erkennen einige niedergelassene Kollegen eben, dass Hopfen und Malz verloren ist und ein Reha-Antrag keinen Sinn macht. Das mag o.K. und auch uns gegenüber fair zu sein.

Andererseits erschliesst es mir einfach noch nicht, warum man nun mit „Depressionen“ so leistungsgemindert sein muss, dass keine Hoffnung mehr besteht. Zumindest sehr häufig nicht.

Gleichzeitig hat man dann Klienten, die eigentlich dringend eine stationäre Psychotherapie wegen Depressionen, Trauma / Dissoziationen oder anderer schwerwiegender Probleme bräuchten, diese aber nicht (mehr) erhalten.

Ein Grossteil der Patientinnen und Patienten, die uns so von der Deutschen Rentenversicherung geschickt werden, brauchen zunächst einmal DIAGNOSTIK oder überhaupt sowas wie Lotsenfunktionen im sozialmedizinischen System durch Sozialarbeiter, Fachärzte für Psychosomatische Medizin oder andere Berater, die mal Klartext reden. Oder Information darüber geben, wie wenig eigentlich die Rente dann ist.

Frühzeitig. Und vor der Krankschreibung oder wenigstens zeitnah innerhalb der ersten 14 Tage.

Was immer sie haben oder nicht haben, meistens ist schon die Diagnose „Depressionen“ schwammig. Daraus abgeleitet gibt es aber selten so was wie eine Idee von Behandlung.

Oder es wird nun auf einen Arbeitsplatzkonflikt (z.B.mit einem  neuen jüngerer Chef einer Krankenschwester oder Arzthelferin) mit einer Krankschreibung reagiert. Oder aber die Mehrfachbelastung einer Mutter (mit eigenen ADHS-Kindern plus Pflege eines demenzkranken Vaters) ist einfach mit der Berufstätigkeit nicht mehr vereinbar.

Das mag ja menschlich verständlich sein, ist aber für sich keine Depression. Kann natürlich vielleicht dazu führen. Klar

Meistens löst aber eine immer wieder verlängerte Krankschreibung oder ein Erwerbsminderungsrentenantrag dieses Problem nicht.

Und mehr oder weniger folgt dann die Konsequenz, dass die niedergelassenen Gutachter diese Anträge auch in der Luft zerreissen. Eben keine Grundlage für eine aufgehobene Leistungsfähigkeit sehen.

Was dann wieder dazu führt, dass diese Klienten zur Begutachtung zu uns geschickt werden… Und dann noch weiter zum Obergutachter an einer Uni…
Wo dann von 100 Anträgen eigentlich 90 direkt abgelehnt werden und 6 eine Teilerwerbsminderungsrente zugesprochen bekommen.

Schlau (?) sind also die Patienten und ihre Psychiater, die eben gerade nicht diesen Weg gehen und ihre Klienten dahingehend beraten, bei Posteingang des Reha-Antrages bzw. des Aufnahmetermins wichtige Gründe zu nennen, warum das alles nicht geht. Oder die Kliniken abzuwerten.

Leider scheinen auch einige Mitarbeiter des VDK bzw. besonders „gewitzte“ Menschen in einigen Internet-Foren so zu argumentieren.

Das führt dann über die Quengel-Taktik auch zum Erfolg.
So wie derzeit der Media-Markt Nintendos für quengelnde Gören vermarktet, kommt Aussitzen bzw. Nerven und Quengeln eben dann doch durch.

Früher oder später werden sie schon den Rentenantrag genehmigt bekommen.

Und dann auf Hartz-IV-Niveau leben. Keine schöne Aussicht.

 

Zu einer wirklichen Reha-Behandlung von Depressionen kommt es aber eben zu selten.

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17 Gedanken zu „Erwerbsminderungsrente wegen Depressionen und psychischer Probleme

  1. bettyblue02

    Es dauert sehr sehr lange, bis Menschen den Punkt erreichen, dass sie nur noch ihre Ruhe haben wollen – und sei es um den Preis, dann auf Hartz-IV-Niveau zu leben. Wer wollte über diese Menschen urteilen?
    Was wirklich hinter der Diagnose „Depression“ steckt, ist von aussen nur in den seltensten Fällen gänzlich zu beurteilen. Worauf Sie aber Gift nehmen können: Keiner, der wegen Depression eine Rente bezieht, hat es sich leicht gemacht. Keiner, der vorzeitig eine Rente bezieht, hat es sich so ausgesucht. Und wenn, dann erst in „zweiter Instanz“. Am Anfang steht immer das Wollen: Ja zum Leben, Ja zur Leistung, Ja zum Erfolg. Was letztlich daraus wird, hängt nicht immer vom Individuum selbst ab, sondern oft genug von den Umständen.
    Seien Sie also gnädig mit denen, die nur noch ihre Ruhe haben wollen. Wer weiss, vielleicht finden sie erst in der Ruhe ihre wahre Bestimmung.

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    1. Carl J. Kugler

      Da gebe ich Ihnen vollkommen recht!

      Herr Dr. Winkler ich schätze ihre Beiträge und Veröffentlichung wirklich sehr, doch diesen Punkt haben sie meiner Meinung nach etwas zu „einseitig“ dargestellt!

      Viele die eine EU- Rente aus besagten Gründen beantragen haben bereits ein Märtyrium aus verlorenen, schwer frustrierende, ohnmächtige Schlachten mit HARZIV – Willkür – Nivelierungszwang – chron. Subtile und auch direkte Bedrohungen durch diesen Machtapparat , mit Entzug der Existenzgrundlage, indirekte Zwangsarbeit in personal ungeeigneten, oft Niedriglohn Jobs mit Aufstockertum, hinter sich. Hinzu kommen schwerste sozialpathologische Konsequenzen von Satus und Selbstwertverlusst bis hin zu offenen gesellschaftlichen Sozialabwertung und vieles mehr. Engagement des Betroffenen sich, entsprechend seiner Personalen individuellen Anlagen, Begabungen und Defizite sowie Sinnorientierung, doch noch in der Arbeits- und vor allem Erwerbsarbeitswelt zu „integrieren“, Bsplw. Förderung von Schulabschluss, Berufsausbildung mit ausreichender Anerkennung und Qualifizierungsniveu, wertige Umschulungen, Bewerbungen an passenden Arbeitsstellen und so fort, wird weder anerkannt, noch ausreichend o. gar nicht unterstützt, sowie gezielt ausgebremst.

      Was bleibt dann noch?
      – Der Weg zum Arzt oder gar die „mutation“ zum Aztehopper!
      – Die meisten Ärzte haben oft nur sehr wenig Zeit für ausreichende Diagnostik und selbst Fachärzte neigen zu vorschnellen Diagnosen.
      – Unikliniken und Kassenärztliche Psychotherapeuten sind oft bis auf Jahre ausgelastet.

      Der Patient ist zutiefst verzweifelt, angefüllt mit massiven Existenzängsten, Selbstwertverlusst, Demütigung, Selbstzweifen, Ohnmächtiger Wut bis hin zu Apathie, Depression und Suizidgefahr.

      Und an diesen Punkt haben sie recht, wenn auch nicht für alle Patienten zutreffend:
      – Reha Anträge zu passenden Kliniken werden immer mehr abgelehnt und immer kürzer.
      – Die meisten Reha Einrichtungen diese bezahlt werden stimmen mit dem Bedarf des Patienten oft nicht überein. – Folge: Therapieabbruch, zusätzliche oftmals schwere Traumatisierungen und Pathologisierungen, oder einfach mangelnder, nur kurz anhaltender Therapieerfolg!

      – Und dann gibt es auch die stationär Psychotherapeutische – „Therapieresisstenten“ Patienten, für diesen ein solchen Setting nicht oder nicht mehr geeignet sind. Aus unterschiedlich Gründen.

      Oftmals ist der EU Renten Antrag und die Hoffnung auf wenigstens zeitweisen Frieden der letzte Weg.

      VG,

      CJK

      PS: Für meine Rechtschreibung entschuldige ich mich (ADS und LRS). Habe mich jedoch versucht zu bemühen! 🙂

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      1. Dr Martin Winkler Autor

        Ich schreibe gerade an einem weiteren Artikel, der die andere Seite beleuchtet. Im Kern geht es mir zunächst „nur“ darum zu schreiben, dass es keinesfalls „Depressionen“ im Sinne einer therapieresistenten Depression sind, die uns da als Rentengrund geliefert werden.

        Ich kann sehr gut nachempfinden, warum einige unserer Patienten so verzweifelt sind, dass sie eine Erwerbsminderungsrente einfordern. Selbst wenn diese nach den derzeitigen Sozialrecht nicht berechtigt ist.
        Und es gibt ja auch durchaus Patienten, bei denen wir auch eine Berentung empfehlen würden.

        Dann gibt es Diejenigen, die berentet werden müssten, sich dies aber gar nicht finanziell leisten könnten. Auch schrecklich

        Ein EU-Antrag aber als Hoffnung auf zeitweisen Frieden zu sehen, ist total trügerisch. Damit fängt doch der Krieg meistens erst an.

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      2. Maria Altendorfer

        Sehr gutes Statement! Man merkt direkt, wer von den Nöten bei einer Depression Ahnung hat und wer nicht. Solche Berichte können nur Menschen schreiben, die keinerlei Wissen über die tatsächliche Schwierigkeiten und Ängsten der betroffenen Menschen haben. Man möchte einfach nur in Ruhe gelassen werden und nicht von einer Klinik oder Rehabilitation in die nächste gereicht werden. Da kann auch alles noch viel schlimmer werden. So in meinem Fall.

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      3. Dr Martin Winkler Autor

        Tja, das können Sie ja auch haben. Das nennt sich dann aber nicht Erwerbsminderungsrente. Wir leben in einem Sozialstaat. Prinzipiell steht Ihnen Hartz-IV zu. Ich habe die Gesetze nicht gemacht. Ich finde Ihre Erwiderung abwertend und beleidigend. Ich denke, Sie würden sich einen solchen Ton von einem Arzt auch nicht gefallen lassen.

        Fakt ist, dass eine EU-Rente bei Depressionen in über 94 Prozent der Fälle unsinnig bzw letztlich vor dem Sozialgericht nicht genehmigt wird. Sie würden also nicht in Ruhe gelassen werden. Vielmehr sollte man die Ursachen der Depressionen ändern. Das setzt aber auch eine aktive Mitwirkung voraus.

        In Ruhe gelassen werden Sie nicht. Und das ist auch gut so !

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  2. blogwesen

    Du vergisst die politische Dimension. Die Leute in EU-Rente fliegen aus der Arbeitsmarktstatistik. Die ARGEN oder bei uns die Jobcenter (Optionskommunen/Kreis) stehen in einem „Ranking“ zueinander -was die Vermittlungsquoten von SGB II Empfängern betrifft – und da will man eben gut da stehen z.B. als Kreis. Das nennt sich auch: Verdeckte Arbeitslosigkeit! Das sieht man real an der Verschiebung der Kosten im Haushalt: der Bereich des SGBXII steigt, während die Kosten im SGBII (Hartz IV) sinken. Daneben sind die Wiedereingliederungsmittel für Umschulungen, Nachqualifizierungen (z.B. Schulabschlüsse nachholen) seit 2009/2010, um 50-60% gesunken, sodass man den Leuten gar nichts sinnvolles anbieten kann…Gelder gibt es nur über Projekte vom Bund gesponsert oder dem europäischen Sozial-Fond (ESF) und auf diese muss sich ein Kreis/die Stadt bewerben. Man prügelt sich quasi um diese…Z.B. muss man 15 polnische Frauen finden und diese zu Pflegerinnen umschulen/ausbilden, weil der ESF nur genau diese Maßnahme finanziert. Man hat nur eine Chance das Projekt zu bekommen, wenn man diese 15 polnischen Frauen tatsächlich hat! Da gewinnen meistens die Großstädte eher als die Kreise, obwohl sie reicher und besser ausgestattet sind.
    Ein nicht ganz so netter Fallmanager übt dann auf die polnischen Frauen evtl. Druck aus unbedingt Pflegerin zu werden…Aus zweierlei Hinsicht problematisch: Nicht alle Menschen sind für den Beruf geeignet und sie wird, wenn sie das durchzieht eine schlechte Pflegekraft..Bei Nichtannahme droht der Frau eine Sperre und man kann psychisch kranke Menschen in die Obdachlosigkeit drängen.

    Daher kann umgekehrt kann auch ein motivierter Fallmanager sich für die Eu-Rente entscheiden, weil ihr sonst eine Sperre droht, da er keine anderen Maßnahmen hat:
    Bsp: Die polnische Frau will diese Maßnahme nicht annehmen, weil der Job nicht zu ihr passt und sie verweigert sich. Ihr droht eine Sperre (Kürzung der Mittel). Der Fallmanager hat Mitleid und bevor er eine Sperre verhängt und weil sie auffällig war: schlecht bekleidet/ungepflegt und unmotiviert Arbeitsplätze anzunehmen, die nicht zu ihr passen- schickt er sie zum Amtsarzt – damit ihr Lebensunterhalt gesichert ist. (Beim Amtsarzt redet sie kaum, ist total schlecht bekleidet und niedergeschlagen, zittert) Schnelle Diagnose Depression. Dahinter steckt aber eigentlich eine konsumierende Erkrankung, denn sie zittert durch Entzug: Im Blut will sie nicht positiv auf Drogen getestet werden. Der Amtsarzt ist aber total überlastet, da er noch 12 Leute im Wartezimmer hat ODER es wird auf ihn direkt oder indirekt Druck ausgelöst „hoffnungslose Fälle „krank-zuschreiben.“

    Ich sehe im Moment schwarz, denn eine gute psychiatrische/psychosomatische Versorgung ist kurzfristig sehr kosten-aufwändig und rentiert sich erst auf lange Sicht! Wir sind PLEITE!
    Warum wir leere Kassen im Sozialbereich haben, ist nicht schwierig zu erklären. Politik denkt nicht langfristig…Wir kürzen bei den „frühen Hilfen“, der psychiatrischen Versorgung etc. immer mehr und verteilen die Arbeit nicht. Niemand müsste dauernd arbeiten, wenn es eine gerechte Verteilung gäbe.

    Ebenso interessant: die Debatte um das Entgeldsystem (PEPP)
    verfolgst du vermutlich selbst? Da gab es ja schon einige Psychiatrien, die das Modell quasi getestet haben…Mittlerweile aber auch Widerstand:
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/psychiatrie-entgeltsystem-pepp-einfuehrung-koennte-verschoben-werden-a-958422.html

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    1. Ilka

      Die Symptome der sozialpolitischen Rahmenbedingungen – Wir SIND PLEITE
      oder
      Traumatische Belastungsstörungen des gesamten Staatsapparates

      Der Wertewandel unserer Gesellschaft hatte seinen Beginn in der Umstrukturierung von einer Produktions- in die einer Dienstleistungsgesellschaft. Ende der 80ziger Jahre war dies das Novum unserer politisch-wirtschaftlichen Ausrichtung. Gefördert mit steuerlichen Abschreibungen, wurden funktionierende ertragreiche Firmen in Profitcenter zerstückelt und Produktionsstätten ins Ausland ausgelagert. Privat Equity und „Heuschrecken“ kauften die deutsche Industrie und den Handel bis hin zu ganzen kommunalen Versorgern auf. Outsourcing und höchste Qualifizierung für den Dienstleistungssektor selektiert durch die Personalwirtschaft. Die Konsequenz aus diesem „Umbau“ unseres Wirtschaftssystems, haben diejenigen zu tragen, mit dessen Arbeitskraft diese Symbiose vorher funktionierte – das arbeitende Volk. Wen wundert’s noch, dass in diesem herben Wechsel Arbeitsplätze und damit auch die soziale Absicherung verloren ging? Am Ende dieses Rattenschwanzes sind die Kranken-, Rentenkassen, die Arbeitslosenversicherung und deren ehemaligen Beitragszahler, die einst durch ihre Steuerzahlungen und Abgaben den Staatshaushalt finanzierten. Die Depression spiegelt sich halt nicht nur in unserem Wirtschaftssystem sondern auch in unserer Gesellschaft.

      Des Einen, Burn-out als Belastungssignal des Workaholic, ist des Anderen Bore-out als Belastungsstörung durch Versagung an gesellschaftlicher Teilhabe sowie dem Arbeitsleben.
      Die hierfür erforderlichen Maßnahmen, therapeutische Begleitung als auch die präventive Hilfe, gegen die sich darauf einstellende Depression aufgrund der Lebenssituation, bleibt dabei völlig auf der Strecke. Ist bis jetzt nicht vorgesehen oder wurde von der Politik nicht zu Ende gedacht und ist somit volkswirtschaftlich gesehen, die größte Pleite! Überfüllte Praxen der Psychologen, Psychiater und Therapeuten mit Wartelisten bis zu 1 Jahr zeugen davon….Auch hier ist in naher Zukunft keine Änderung in Sicht.(Wovon auch?, denn diese möchten auch bezahlt werden – von den jeweiligen staatlichen Trägern)

      Für jeden Betrieb, jede Firma und jedes Gewerbe gibt es Auflagen, gesetzliche Vorschriften die einzuhalten sind…. Datenschutzbeauftragte und Sicherheitsbeauftragte ec. – aber wer hat an die allgemeine psychische Gesundheit im Arbeitsleben gedacht und dafür die Rahmenbedingungen geschaffen? Immerhin gibt es schon einige Firmen in denen Mediatoren therapeutische Ansätze verfolgen, weil Mobbing und Konkurrenzkampf am Arbeitsplatz die Produktivität mindern…(auch diese vereinzelten Handlungsansätze kommen nicht aus dem sozialen Denken des Managements sondern sind aus reinen wirtschaftlichen Faktoren entstanden)

      Den Aussortierten, denen nur noch die Lebenssicherung durch das SGB garantiert und sanktioniert werden, haben im Anschluss mit der Ausgrenzung durch unsere Gesellschaft, den Ämtern, den Fallmanagern ( die auch nur unzureichend ausgebildet sind und selbst einen befristeten Arbeitsplatz haben) zu kämpfen. Alle Bemühungen, seitens der Politik, für Qualifizierung, Weiterbildung und Förderung zu sorgen erübrigen sich, wenn man deren Qualität kennt. Das Ergebnis ist, viel Geld für das Bereinigen der geschönten Statistik. Noch mehr Frust der Betreffenden, weil die Maßnahmen keine Arbeitsplätze herbeizaubern und die Geiz-ist-geil-Gesellschaft sich auch auf die Lohnpolitik bezieht. Eine Gesellschaft die sich durch Lohndumping und 450-Euro-Jobs in mehr als der Hälfte der Arbeitsplätze auszeichnet, braucht sich nicht über die wirtschaftlichen und damit der sozialen und gesundheitlichen Folgen zu wundern. Am Ende dieser Kette steht der Einzelne, der seine vorgezogene EU-Rente in Anspruch nimmt – nach einer unendlichen Odyssee durch alle Instanzen.

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      1. Alter Mann

        Vor einem Jahr hätte ich NIX von Ihrem Text verstanden. Alles war im Lot nach dem Motto:“..irgendwie geht es immer weiter“ Heute muß ich mir beschämt eingestehen, dass mann nur mitreden kann wenn man etwas am eigenen Leib SELBER erlebt hat. Ruck Zuck wird aus einer kleinen Verletzung mit Krankschreibung und entsprechenden Kopfkino eine energie- und zeitfressender Kampf mit allen Instanzen. Der Kontakt zur Krankenkasse, der MDK mit seinem Gutachten, der Hausarzt als Vertrauter und schon sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Die ursprünglichen Probleme bleiben, aber neue Problem kommen dazu und es kommt zu einer Kettenreaktion die der Genesung nicht zuträglich ist. Wer ist der richtige Lotse, wem darf man trauen? Bisher kam ich doch ganz gut mit ALLEM klar, hatte sogar meine Vorurteile gegenüber den Menschen, die schon früher „Pech hatten“, – Nein, mit Mitte 50 EU-Rente beantragen zu müssen und §§en und Fristen einhalten, taktieren und grübeln,… das führt zur Isolation und Rückzug. Es mag sie vielleicht geben, die sich eine Rente erschleichen und trotzdem Voll im Leben stehen,- aber die Meisten zahlen für ein paar Euro Rente einen hohen Preis in Form von Ausgrenzung Selbstmittleid, Verbitterung und Trauer.

        Nichts ist so sicher wieder Wandel,… aber manchmal kommt man halt dabei unter die Räder. Die Etat`s sind doch gigantisch, das System selber ist auch ein wesentlicher Arbeitgeber und generiert Bruttosozialprodukt,… wie es den Einzelnen, dem den geholfen werden soll dabei geht hätte ich mir vor einem Jahr nicht vorstellen können. Dabei ist mein Werdegang bestimmt nicht besonders schlimm und ich glaube auch dass ich wieder auf die Füsse komme,- aber ich hätte mir den Dschungel im Sozialen Bereich nicht so kompliziert und anstrengend vorgestellt.

        Danke Ilka, Sie haben das anschaulich beschrieben!

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  3. blogwesen

    Leider fehlt hier ein ganzer Teil in der Mitte und der Beitrag ist völlig konfus…Weil ich 2, 3x mal Copy and paste gemacht habe…(Unter einem Schmerzcrash sind meine Gedanken sehr unstrukturiert!

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  4. anna

    und ihr vergesst dass einige einen solchen Antrag stellen um HartzIV zu entkommen und! Arbeitsverträgen die auch nicht über diesen Löhnen liegen + Frust + Verbitterung +++++++ ich persönlich kann nicht mehr, will meine Ruhe und hoffe dass ich sie kriege trotz Depressionen????ADS?????weiss keiner genau und will keiner (ausser mir) genau wissen

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  5. Vesna

    Vielen Dank für den umfangreichen Beitrag. Er beleuchtet Dinge, die ich selber noch gar nicht wusste. Es ist natürlich klar und verständlich, dass es bei diesem Thema durchaus verschiedene Sichtweisen und Meinungen gibt. Ich bin schon gespannt auf Ihren zweiten Bericht zu diesem Thema.

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  6. Tobias

    Zunächst vielen Dank für den interessanten Artikel. Bei Depression ist es mit der EU und EM Rente immer etwas kompliziert. Denn man kann bei so etwas nie richtig feststellen ob und inwiefern der Betroffene noch arbeiten kann.

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    1. roland

      Jeder sollte gefragt werden ob er überhaupt noch Arbeiten will unter diesen bedingungen von denen der Papst Franziskus in seinem Evangelii Gaudium schrieb: zit: ,,Diese Wirtschaft Tötet.“

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  7. H-B Weibchen

    Hallo zusammen,

    habe mit großem Interesse die Kommentare und Antworten gelesen.

    Ich (39,w) hab in meinem Leben schon so viel Mist erlebt :
    2 schwere Autounfälle, ein paar leichte – war damals als Aussendienstlerin viel mit dem Auto unterwegs,
    Mobbing am Arbeitsplatz, der übelsten Sorte (bis zur Abmahnung durch den Chef, weil Kollegen mir wichtige Daten nicht weitergeleitet haben – Eifersucht auf meine Arbeitszeiten, kein WoEnde, kene Spätschicht),
    Bandscheibenschaden,
    etliche Unterleibs O.P.`s (EIleiter und Gebärmutter musste mit und mit entfernt werden – habe bis heute zeitweise mittlere bis starke Schmerzen in den O.P. Bereichen und an den Narben), Ein Eileiter war mal geplatzt, wäre beinahe verblutet, wenn die Not-O.P. nicht gewesen wäre. Riesenzyste im Unterleib (Über 12cm D.) auch Not-O.P. die auch noch schief ging – Folge: zweite Not-O.P. innerhalb von 2 Tagen mit Blasenverlegung und Neueinpflanzung des Harnleiters in die Blase. Seitdem massive psych. Probleme, befinde mich in Psychotherapie, die allerdings bis jetzt kaum Wirkung in meinen Gefühlen/Einschränkungen zeigt. Viele Dinge, die ich von früher immer gut verdrängen konnte, sind plötzlich wieder präsent und machen es mir schwer meinen Alltag zu meistern (Gefühlsausbrüche -egal wo und wann, Gedanken wie: warum mach ich nicht Schluss? Einmal das Lenkrad rum … – erschrecke mich dann selber drüber.)
    Aktuell habe ich neue zusätzliche Probleme: V.a. pseudotumor cerebri (stark verdickte Optikusscheiben / scheiden? – keine Ahnung wie das heisst) und diagnostizierte empty sella (Beides per MRT und Liquordruckmessung diagnostiziert) mit den Symptomen von Augenrauschen, Doppelbildern (auch mit EINEM Auge!), 1-2 mal die Woche Migräne, z.T. Wortfindungsstörungen, Tremor (Zittern) in re. Arm, Hand und Bein, Orientierungsschwierigkeiten, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten.
    Tremor in allen re. Gliedmassen. Arthrose in beiden Schultern (re. Arm ist nur eingeschränkt nutzbar)
    Habe jetzt eine geschlagene Stunde gebraucht, um diesen Text zu schreiben, musste immer wieder Pausen machen. Sch……!

    Ich will hier jetzt kein Mitleid – bitte. Aber ich möchte eigentlich versuchen zumindest eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen, weiss aber nicht, ob ich da eine Chance habe, bin jetzt seit 1,5 Jahren krankgeschrieben (wundere mich, dass mein Arbeitgeber DAS mitmacht. Und dann die Gedanken: Super… noch nicht mal 40 und kriechst rum wie eine 70-jährige, was kommt denn da noch?

    Habe derzeit kaum Motivation irgendwas zu machen – muss mich schon immer dazu aufraffen, zur Therapie und zu den Ärzten zu gehen – hab es einfach leid. Vor allem, weil mich viele (vor allem „Fachärzte“) mich als Simulanten abstempeln, noch nicht mal richtig untersuchen. Ich erzähle, was ich für Probleme hab, dann nicken die, sagen, da ist nichts dran zu machen (war bei den Rückenschmerzen und der Schulter so) und schicken dich wieder Heim…..

    Ach Gott, jetzt bin ich hier dabei, euch zuzutexten, sorry.
    Aber, hab ich wirklich eine Chance auf Erwersmind.rente? Möchte den Marathon ungern auf mich nehmen, wenn ich eh keine Chance habe.

    Gruß

    HB

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  8. IL

    Hallo, es gibt viel Ausnahmen bezüglich Depression, die enorme Schwierigkeiten haben eine EM-Rente zu erhalten.Mit 37 Jahren Asperger Autismus diagnostiziert, als Komorbidität rezidivierende Depression. Die Arbeitsunfähigkeit beruht aber nicht nur auf Depressionen sondern auf eine spezielle Einschränkung des Autismus , Störungen in der sozialen Kommunikation u. Interaktion. Alle psych. Gutachter berurteilen nur was sie sehen u. hören.Keiner ist in der Lage zu verstehen, dass der Patient andere Dinge sagt, als die die er wirklich sagen möchte. Genau das ist seine Einschränkung. Nur wenn er in aller Stille seine Gedanken ordnen kann, ist es ihm möglich aufzuschreiben, was er denkt u. fühlt .
    Das alles paßt aber nicht zu unserer Arbeitswelt. Auch Autismus-Center sind nicht auf diese spezielle Einschränkungen eingestellt. Die EM-Rente wäre hier eine Erlösung von allen Einschränkungen u. der Beginn einer neuen Lebensweise, wo wieder Kreativität und menschliche Wärme entstehen können.
    Nun steht eine Reha vor Rente an, auf Grund der Einschränkungen bedeutet das enormen Streß.
    Niemanden interessiert , das gerade Einrichtungen mit vielen Menschen. die Erkrankungen
    verstärkt, es steht so im Gesetz und wird automatisch für alle Patienten durchgezogen.
    Wer kennt eineTages-Reha in Berlin mit Autismus Erfahrung, davor stehen wir jetzt und würden uns über einen Rat / Tipp freuen.
    Herzliche Grüße I.L.

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  9. Katharina

    Ich bin diplomierte Designerin. Diesen Abschluss habe ich trotz meiner Erkrankung und meiner autistischen Züge gemacht.
    Im „normalen“ Arbeitsleben stoße ich immer wieder gegen unsichtbare Mauern. Das fing schon damit an, als ich nach einem längeren krankheitsbedingten Ausfall meinen Abschluss machen wollte. Durch das unterbrochene Studium war ich bei der ARGE gelandet. Dort bot man mir eine Umschulung zur Bürikauffrau an (deren Standardlösung), obwohl mir zum Abschluss nur noch ein halbes Jahr und ein Praktikum fehlten. Nach einem Jahr zäher Verhandlung bekam ich die Erlaubnis, meinen Abschluss an einer von der ARGE anerkannten, privaten Akademie zu machen.
    Danach habe ich eine Reha beantragt, die erstmal abgeleht wurde. Ich habe wiedersprochen und schließlich doch noch die Zusage bekommen. Die Reha an sich war … naja, recht erholsam … Sport mache ich eh schon viel (weil die Medikamente zu Übergewicht führen).

    Danach dauerte es noch eine Weile, bis ich einen Arbeitsplatz fand. Und von da an hing das „Weiterreichen“ los. Ein Arbeitgeber, ein notorischer Choleriker, verwechselte meinen Autismus mit Begriffsstutzigkeit und tobte sich regelmäßig zu meinem Nachteil aus. Dort warf ich nach einem halben Jahr das Handtuch. Beim zweiten Arbeitgeber das selbe Spiel. Nur ohne die Wutanfälle. Als ich dort ehrlich war, von meinen Erkrankungen sprach, liess man mich noch die Arbeitsspitzen abarbeiten und am letzten Tag meiner Probezeit kam die Kündigung. Per Einschreiben.
    Beim dritten Arbeitgeber programmierte ich eine neue Webpräsenz und prachte die Werbemittel ins 21. Jahrhundert. Nach einer Gehaltserhöhung kam, während ich im Urlaub war, die Kündigung. Der AG hatte irgendwie von meiner Erkrankung erfahren. Diesen AG verklagte ich wegen Benachteiligung von Schwerbehinderten.
    All‘ das zieht mich jedes Mal wieder runter, bringt eine Welle von Ängsten und Selbstzweifeln. Beim Arbeitsamt versteht man ob meiner durchwegs guten Beurteilungen und Zeugnissen die Welt nicht.

    Es ist zum Mäusemelken: Verschweige ich meine Einschränkung. werde ich gekündigt, weil ich „irgendwie seltsam“ bin. Gebe ich meine Einschränkungen an, werde ich gar nicht erst eingestellt. Das Schwerbehindertenrecht ist dabei eher ein Hindernis, als das es hilft. Der AG denkt sofort: „Die ist doch bestimmt immer krank und dann werde ich sie nie wieder los!“

    Und nun sagt jemand, es läge an lustlosen, konfliktscheuen oder unmotivierenden Arbeitnehmern? Entschuldigen Sie bitte, aber Sie haben den Schuß nicht gehört.
    Ich bin hoch motiviert ins Berufsleben gestarten. Davon ist mittlerweile nichts als Frust geblieben.
    Trotzdem will ich weder Rente noch Hartz4. Dafür habe ich mich nicht so angestrengt, meinen Traumberuf zu erlernen.

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