Therapie im Schlaf Raucherentwöhnung durch Mief

In meinen früheren Zeiten war ich in der Unipsychiatrie in Mainz u.a. im Bereich Suchtbehandlung aktiv (oder weniger aktiv) involviert. Wir haben damals sowas wie Cue-Exposure gemacht. Das bedeutete, dass Alkoholiker ihren Suchtstoffen am Tag in Form von Geruch oder ähnlichen Hinweisreizen exponiert wurden und sie lernen sollten, diesem Reiz zu widerstehen.  Das geht heute soweit, dass man über Computersimulationen ganze Kneipen simuliert, um sie auf die Realität vorzubereiten. Mit begrenztem bzw überschaubarem Erfolg.

Interessant finde ich da dann Studien, die Rauchern  in der Nacht miefige bzw. stinkende Luftim Zusammenhang mit dem Rauch präsentieren und ihnen damit ganz offensichtlich ein wenig die Lust am Qualm verleiden. Mit Erfolg also.

Anat Arzi, Doktorand (in) am Weizmann Institute in Rehovot in Israel hat sich dafür offenbar einige Nächte um die Ohren schlagen müssen. Die Grundüberlegung der Studie war nun, dass unser Belohnungs- bzw. Suchtzentrum im Gehirn sehr stark mit dem olfaktorischem System (Geruchsempfinden) verbunden ist.

Sie untersuchten nun 76 Raucher, die sich für eine Raucherentwöhnung entschieden haben. In einem Schlaflabor wurden sie nun für eine Nacht abgestandenem Zigarettenmief und dem Gestank von zu altem vergammeltem Fisch ausgesetzt. Das allein ist ja schon mal für Wissenschaftler ein mutiger Ansatz…. Nennt man dann aversives Konditionieren.

Die Studie differenzierte jetzt aber genauer, in welcher Schlafphase diese Therapie bzw. Extinktion des Suchtverlangens am besten wirkte. Es zeigte sich, dass besonders in der Schlafphase 2 (leichter Schlaf) eine und weniger in der späteren Traumschlafphase (REM-Schlaf) dieses Vorgehen zu einem Erfolg führte.

Natürlich versuchten die Therapeuten das Vorgehen auch am Tag im Wachzustand (so wie wir früher in ähnlicher Form). Aber weitgehend ergebnislos.

‚Die Prozedure des aversiven Konditionieren in der Schlafstrasse 2 konnte eine Abnahme des Rauchens um 34 Prozent in der folgenden Wochen erreichen. Im REM-Schlaf war der Erfolg nur bei 12 Prozent.

Insgesamt zeigte sich auch, dass dann der Effekt nicht dauerhaft anhält.

Verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze bei Sucht sind halt von begrenzter Effektivität. Ich musste beim Lesen etwas schmunzeln, weil jetzt möglicherweise die Suchttherapeuten mehr Nachtschichten machen müssten…

Vielleicht wäre es aber eben sinniger, sich die Ergebnisse einmal auch vor dem Hintergrund von Emoflex(R) anzuschauen und zu überlegen, ob man dieses Suchtgedächtnis nicht auch am Tag über innere Bilder bzw. entsprechende Aktivierungen und Extinktion erwischen kann. Hat Johannes Drischel jedenfalls (früher und wohl auch jetzt) schon zig Mal demonstriert.

Mir ging es bei dem Artikel vor allem darum, dass es möglicherweise weit relevanter ist, was in unserem Kopf in der Nacht passiert als am Tag. Oder mindestens genauso wichtig…

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2 Gedanken zu „Therapie im Schlaf Raucherentwöhnung durch Mief

  1. Unsinnstifter

    Ich war Raucher. Etwas speziell, habe erst spät angefangen. Jetzt 12 Jahre herum wieder Rauchfrei.

    Ich weiß eines, das ich aufhören konnte, war dem Verstand gedankt. Ehrlich gesagt weiß ich nicht welcher Trottel auf die Idee kommen kann, eine so dermaßen sich einfleischende persönlichkeitsbeeinflussende Suchterkrankung wie den Tabakdrogenkonsum, was ja selbst über viele Ecken eine reine ultratiefe Konditionierung ist, mit einer Einzelkonditionierung zu bekämpfen.

    Vom Saugreflex und sinnlichen Kuss, vom vermeintlichen Anti-Streß-Mittel, von dauerhaft verstellter Hirnchemie über entspannende Tiefenatmung und verhaltensbezogene Gewohnheiten (nach dem Essen, Sex!, Kaffee etc) bis hin zu den alltäglichen im MIttel wohl 10-30 (zwanghaften) Auszeiten als Raucher, die man als Nichtraucher nicht unbedingt in diesem Ausmaß im Berufsalltag erhält. Über das „Fingern“ an der Fluppe und und und. All diese Konditionierungen …
    Hinzu kommen noch Identitätsaneignungen durch die Zuordnung zur Gruppe „Raucher“ und die damit verbundene Projektion von Reklameträchtigen Idolisierungen des Tabakdrogenkonsums (Mensch der Freiheit, Individualität, Genießer etc.) was natürlich eine Lüge ist. Ausserdem Rauchen als soziales Erlebniss, Gruppenzugehörigkeit durch Drogenkonsum erlangt.

    Da wird man mit ein bischen StinkStink im Schlaf nicht auf Dauer ankommen.

    Was man kann, ist das Rauchen hassen lernen. Dafür ist allerdings nötig, das man ehrlich mit sich selbst ist, die Tabakdroge wirklich als ein Gift sieht und begreift, das der durschnittliche Tabakdrogenkonsument ein statistisches! Gesundheitsrisiko wie das eines BMI 50 Menschen hat.
    * Schädlich für die Bauern, die Tabakdroge anbauen
    *Schädlich für die Volkswirtschaften
    *Schädlich für die Umwelt, massive Probleme durch Monokultur und massiven Gifteinsatz auf den Tabakdrogenplantagen
    *Schädlich für die Menschen, die dieser Sucht verfallen sind
    *Tabakjunkies sind Sklaven der Tabakkonzerne, nicht besser wie die Indios der neuen Welt werden sie Abhängig und gefügig gemacht und überweisen den Gegenwert eines Einfamilienhauses im Laufe ihres Lebens an die Ultrareichen –
    *Raucher beschleunigen die Umverteilung der Güter von Arm nach Reich.
    *Tabakkonzernen ist es egal ob deine Kinder am Tabakdrogendreck und Krebs krepieren und jahrelang dahinsiechen. Wer will wirklich diesen gewissenlosen Drogenkonzernen das Geld in den Rachen werfen?
    *Tabakdrogenkonsum ist ist das reine Gift. Wenn Sie Raucher sind, brauchen Sie sich über Ernährung, Bewegung und die Vorteile davon in aller Regel kaum mehr Gedanken machen. Das einzig wirklich gute das ein Raucher als erstes für seine Gesundheit tun kann und wofür er seine Energie einsetzen sollte: Schluss mit dem Tabakdrogenkonsum.
    *Tabakdrogenkonsum ist Hauptquelle für viele Krankheiten, Krebs, ADHS, COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen …. lieber gleich hier schauen http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakrauchen#Auswirkungen_auf_die_Gesundheit

    Man könnte diese Liste vergrößern.

    Der wichtigste Grund wieso man den Tabakdrogenkonsum meiden sollte, das ist die Tatsache, das man von gewissenlosen Dealern krank gemacht und elendig umgebracht wird und dafür noch bezahlt.

    Tabakdrogenkonsum hat nichts positives, es ist ein Verbrechen gegen sich selbst und Andere.
    Nur die Tabakdrogendealerei ist hingegen noch schäbiger und asozialer.

    Aufklären die TabakJunkies, ihnen helfen die richtigen Einsichten zu erlangen, dann ihre Selbsterhaltungskräfte nutzen und ihnen klar machen, was für Verbrechen mit dem Tabakdrogenkonsum verbunden sind. Dann kann am Ende jeder selbst entscheiden ob er sich als Sklave mißbrauchen lassen will, oder seine wirkliche Handlungsfreiheit zurückerklangen möchte.

    Beste Grüße und Viel Erfolg allen die aufhören möchten!
    PS: Ich hab nicht so lange gebraucht, aber ein Bekannter brauchte weit über 10 Jahre bis er aufhören konnte, Unzählige Versuche! Er wollte unbedingt aufhören und ist doch immer rückfällig geworden, bis ers geschafft hatte! Heute ist der Mann schon über 25 Jahre Rauchfrei!

    Bleiben Sie am Ball, irgendwann ist es geschafft, man muss nur weiter das Ziel festhalten dann gehts – Egal wie oft man doch wieder Rückfällig wird, die Tabakdrogenkonzerne zählen darauf, das sie GLAUBEN es nicht schaffen zu können, das ist aber eine Lüge! Das kann jeder schaffen, wenn ich das geschafft habe und der Kollege … zwei Luschen vor dem Herrn, dann schaffen Sie das erst Recht!
    Ganz sicher!

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  2. Unsinnstifter

    Ich hoffe Sie gestatten noch einen kurzen Nachtrag hier Dr. Winkler.

    Was ich noch ergänzend unterstreichen möchte, ist die Tatsache das das Aufhören so sehr mit Angst konnotiert ist. Angst vor Entzug, der kommenden Nervosität, die Angst dem nicht gewachsen zu sein und dabei ist wichtig zu verstehen, das der Tabakdrogenkonsum wie ein Anker der Ruhe bzw. Beruhigung wirkte. Den aufzugeben, ist natürlich dann anstrengender, aber so schlimm auch nicht.
    Wichtig ist auch, die Angst vor der Gewichtszunahme zu verlieren. Ja, die meisten werden etwas zulegen, einige weniger gar nichts. Die Allermeisten aber nur moderat ein bischen was. Wenn Sie die Aussage sehen, das das Gesundheitsrisiko bei jedem Raucher nur und alleine durch den Tabakkonsum statistisch demselben Risiko bei BMI 50 entspricht, dann brauchen Sie sich zumindest vor Gesundheitlichen Nachteilen nicht zu fürchten.
    Mit dem Rauchen aufhören, egal wie lange schon gequalmt wurde, ist immer gut und richtig. Die paar Kilo mehr, machen nicht unbedingt etwas am Gesundheitsrisiko aus, aber wer mit dem Rauchen aufgehört hat, verliert nach und nach das gesamte Risiko das mit dem Tabakdrogenkonsum verbunden ist! BMI 50 ist doppeltes Normalgewicht – Richtig, Richtig elend Fett und die damit einhergehenden Risikogruppe wird in der Regel durch weitere Risiken überschritten.
    10, 20 oder 30 Prozent mehr Körpergewicht machen echt nichts aus. Es ist vielmehr eine Narbe im Kampf gegen den Tabakdrogenkonsum, die man mit Stolz tragen kann!
    Verhindern kann man das nicht immer. Das ist auch weniger auf Essen gewachsen, sondern hängt afaik mit diversen hormonellen Veränderungen zusammen.

    Noch mal Viel Erfolg allen, die aufhören!

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