Kopfschmerzen in der Schule : Nicht nur dicke Luft macht Kopfzerbrechen

Es gibt Initiativen, den möchte man eine virale Verbreitung in den Medien wünschen. Die Aktion Mütze gegen Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter vom Kieler Kopfschmerzexperten Prof. Göbel und seinen Mitarbeitern gehört definitiv dazu. Sie richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse und soll Präventions- und Aufklärungsarbeit in den Schulunterricht bringen. Sehr gut und ich ziehe meine Mütze vor dieser Idee.

 

Hier sind die Arbeitsmaterialien sogar auch für uns Eltern nachlesbar. Sehr vorbildlich von der Schmerzklinik in Kiel.

Für 2, 56 Euro pro Schüler würden damit an 16000 Schulen in Deutschland über 2,4 Millionen Jugendliche erreicht. Wenn denn sich genug Sponsoren finden, die diese Idee auch materiell unterstützen. Sollte also noch zu viel Geld auf dem Firmenkonto liegen, das wäre eine von möglichen guten Verwendungsmöglichkeiten…

Wir werden dann lernen, dass zuviel Stress, zu wenig Schlaf oder fehlende Bewegung und zu viel Handy- oder Computernutzung zu Spannungskopfschmerzen führt.
Belastungen durch Überforderung mit dem Lernstoff bzw. Angst und psychische Faktoren sind weitere häufige Ursachen, die auf der Hand liegen. Darüber hatte ich mir auf meinem Portal Web4health mal vor langer Zeit den Kopf zerbrochen. Siehe hier

Und dann gibt es Faktoren, über die wir vielleicht nicht so viel Hören und Lesen werden. Weil sie nämlich Geld kosten würden, die die Städte und Kommunen angeblich nicht ausgeben können.

Letztlich würde ich mir wünschen, dass die Verwaltungen jeweils in den Schulferien in Klassenräume ausquartiert würden. Damit sie einmal für 2 oder maximal 6 Wochen erleben, unter welchen Einflüssen unsere Kinder und Jugendlichen ihren „Arbeitstag“ verbringen. Ich vermute, dass die Krankenstände dann entsprechend hoch ausfallen würden.

 

Dicke Luft und Kohlendioxidbelastungen in der Schule

Wenn man als Eltern durch die Schule seiner Zöglinge zum Elternsprechtag oder zur Theateraufführung geht, so fühlt man sich meist in prähistorische Zeiten versetzt und ist froh, dort raus zu sein. Unterhaltungsarbeiten bzw. gar eine Berücksichtung baumedizinischer Erkenntnisse setzt man da lieber nicht voraus. Unsere Kinder verbringen dort einen sehr grossen Zeit ihrer Jugend.
Man muss jetzt gar nicht an Schadstoffbelastungen  oder Feinstoff denken, wenn man sich Gedanken um einen Zusammenhang von Kopfschmerzen und Schulräumen macht. Viel simpler ist der Zusammenhang mit verbrauchter Luft bzw. Anstieg der CO2-Konzentration im Klassenzimmer. Das kann durch falsche Sanierungen verschlimmbessert werden.

Eine Studie aus Portugal zeigte in Coimbra, dass gerade in der Heizperiode die Kohlendioxidbelastung weit über das gesundheitlich tolerable Maß stieg. Und eben mit ständigen Kopfschmerzen der Schüler und Atemwegserkrankungen verknüpft war.

Lüften würde helfen, müsste aber richtig gemacht werden.

Entsprechende Untersuchungen gibt es auch für Deutschland

Lärm macht Kopfzerbrechen

Natürlich sollen Kinder bzw. Jugendliche toben. Aber bitte schön nicht während der Mathestunde. Immer wieder berichten mir Jugendliche bzw. ihre Eltern, dass im Klassenraum ein Geräuschinferno herrscht. Damit ist nicht die Einflugschneise des Flughafens oder die Lage an einer befahrenen Hauptstrasse gemeint, gegen die dann hunderte auf die Strasse gehen. Sondern der Lärm durch zu grosse Klassen, ungelöste Probleme der Inklusion bzw. überforderte Lehrerinnen und Lehrer.

Kinder bzw. Jugendliche haben aber eine niedrigere Lärm- und Stresstoleranz als wir Erwachsenen. Kopfschmerzen können ein Indikator für ein Lärmverseuchung sein.

Reagiert Schule darauf ? Nach meiner Erfahrung eher nicht.

Lichtmangel und Auswirkungen des Tag-Nacht-Rhythmus

Sie ahnen es schon, auch Lichtmangel kann zu Kopfschmerzen führen. Hier haben wir einerseits das Phänomen, dass viele Fachklassenräume überhaupt kein Tageslicht mehr haben. Und es werden Kellerräume genutzt, die letztlich dann mit insuffizienten Tageslichtlampen ausgestattet sind.  Mehr Sport an der frischen Luft wäre auch eine Option.

Schulzeiten und Pendeln von Schülern

Aber letztlich spielen auch die Schulzeiten an sich eine Rolle. So muss unser Sohn als Buskind morgens um 6: 35 von der Bushaltestelle in ein 15 Kilometer entfernten Ort fahren. Mit ihm warten weitere 40 Schülerinnen und Schüler auf den Bus. Die Schule beginnt um 7:50 Dementsprechend muss er ungefähr eine Stunde früher geweckt werden.

Das hat nun im nach Studien eine Verschlechterung der Schulnoten um eine Stunde zur Folge. Und ein erhöhtes Risiko für Kopfschmerzen.

Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus bzw. überhaupt Schlafmangel spielen eine grosse Rolle. Natürlich wäre es auch anders denkbar. Dann müsste aber das Busunternehmen einen Bus mehr einsetzen für 2 erwachsene Berufspendler.

Richtige Anfangszeiten für Unterricht wären leicht umsetzbar. Aber vor uns sind schon Generationen von Eltern daran verzweifelt. Zum Kopfzerbrechen.

Kaugummi 

Gut, diese Empfehlung betrifft die Schüler selbst und würde kein Geld kosten. Eine Studie in Tel Aviv zeigte (bei allerdings nur 30 Schülern), dass Kopfschmerzen und zu starkes Kaugummikauen zusammenhängen. Einige Schüler kauten bis zu 6 h am Tag.  Kaugummi-Abstinenz führte dazu, dass 19 von 30 Kindern bzw. Jugendlichen schmerzfrei wurden. Bei weiteren 7 wurde es deutlich weniger.

Sie hielten sich nur nicht dauerhaft dran.

Ungerechtigkeit und Kopfschmerzen

Gerade hochsensible Kinder bzw. ADHS-Kinder und Jugendliche sind Indikatoren für Spannungen, Konflikte bzw. besonders Ungerechtigkeiten in der Schule.

Hier ist es wirklich zum Kopfzerbrechen. Es geht dabei ja nicht allein um die zeitliche Belastung für Schule bzw. Hausaufgaben und das Verschwinden bzw. Klauen von Frei-Zeit. Es geht darum, dass die Kinder und Jugendlichen in einem hohen Maß Willkür bzw. Ungerechtigkeit erleben Wenn sie es aber ansprechen würden, würden sie die Folgen auf den Zeugnissen sehen. Sicher nicht positiv.

Zustände wie im „Club der toten Dichter“ sind in unseren Schulen ja durchaus auch denkbar. Nur eben keine Vorbilder, die einem Captain ähneln und gegen die Zustände auf den Tisch steigen.

Was tun Jugendliche gegen Kopfschmerzen ?

Ein Drittel der Mädchen und ein Viertel der Jungen versuchen sich auszuruhen. Nur die Wenigsten gehen zum Arzt. Elf Prozent der Mädchen und sieben Prozent der Jungen greifen häufig oder immer zu Medikamenten. Fast zehn Prozent der Jugendlichen haben schon länger als einen Monat täglich Schmerzmittel eingenommen, die meisten ohne ärztliche Verordnung.

Beste Bedingungen also dafür, dass die Kopfschmerzen zu einem chronischen Problem werden.

Mehr Infos zum Thema Spannungskopfschmerzen von mir

 

 

Welche weiteren Ursachen von Kopfzerbrechen gibt es denn noch ? Auf Antworten und Erfahrungen bin ich gespannt.

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4 Gedanken zu „Kopfschmerzen in der Schule : Nicht nur dicke Luft macht Kopfzerbrechen

  1. Selina

    Bei so vielen Kontraindikatoren wundert es mich nicht, dass so viele Kinder und Jugendliche unter Kopfschmerzen leiden. Einer der wichtigsten Gründe ist sicher der Stressfaktor, der die Schüler meist durch ihre ganze Laufbahn begleitet. Die Anforderungen werden immer höher, nur wer Leistung in den typischen Lernfächern erbringt, kann auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen. Fächer wie Sport; Musik und Kunst, die für etwas Ausgleich sorgen würden, treten immer mehr in den Hintergrund. Ich sehe auch im Speziellen die Lärmbelastung an den Schulen als großes Manko. Laute Musik in den Pausen, ein hoher Geräuschpegel aufgrund von überfüllten Klassenräume und unangenehm laute elektronische Geräte können Kopfschmerzen auslösen oder verschlimmern.

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