Archiv für den Monat August 2014

Selbstwirksamkeit über innere Bilder stärken

Positive Gefühle sind positive Nachrichten

Durch meine Aktion „Poste Positive Postings“ habe ich eine Erfahrung gemacht, die man sonst eigentlich nur in so mehr oder weniger sinnfreien „Sinnsprüchen“ macht :

Das beste Gefühl in der Welt ist mehr oder weniger zu wissen, dass man einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ein Schritt vorwärts in eine Zukunft, in der auch positive Entwicklungen möglich sind, die Du vorher nicht für möglich gehalten hast.

Egal, ob sich die Idee von #ppp Poste Positive Postings um 18 Uhr nun durchsetzt oder nicht. Es hat mir persönlich dann sehr viel gegeben, die ersten positiven Reaktionen darauf zu lesen.

Positive Nachrichten bzw. gute Erfahrungen sich in sein Bewusstsein zu rufen, ist eine sehr wirksame Methode der Positiven Psychologie.

Und dadurch wusste ich, dass es eine richtige Richtung, ein richtiger Schritt war bzw. ist.

Dieses Gefühl ist traumhaft. Es ist bei mir ein fast federleichtes, goldenes Gefühl. Ein rundes Gefühl, dass sich vielleicht mit einem schönen Spaziergang am Meer, mit einem freien Blick über eine offene Wasserfläche bzw. ein Hauch von Bergluft am Morgen vergleichen liesse.

Zumindest bei mir.

Genauso schön ist es, Kinder oder eben auch einmal Klienten bei der Entwicklung von neuen Erfahrungen zu begleiten. Selbst wenn man junge Tiere bei den ersten Schritten im Leben anschaut, kann es ein ähnliches Gefühl auslösen. Wir schauen uns quasi ein positives Gefühl von mehr Selbstwirksamkeit ab, wenn bei Anderen zum ersten Mal etwas gelingt. Wenn eine neue Erfahrung gemacht wird.

Das sind auch Glücksmomente

Häufig geht uns innerlich das Herz auf. Es kann sogar sein, dass es quasi „überfliesst“ und die Tränen kommen. Weil es so schön ist.

Es ist ein Schritt hin zu mehr Selbstwirksamkeit

Also der Erfahrung, dass man mit eigenem Handeln eine sinnbedeutende und nachhaltige Entwicklung in eine richtige Richtung machen kann.

Aber es ist häufig so flüchtig wie eine Seifenblase, die schnell zerplatzt, oder ?

Ich selber habe gewisse Probleme mit diesen ganzen Internetseiten bzw. Ratgebern, die nun über Zen-Methoden bzw. mehr oder weniger ähnliche Dinge den „richtigen Weg“ weisen wollen.

Ich bin eher ein zu rational denkender Naturwissenschaftler. Der aber eben bei seinen Klienten in der Klinik gerne mal ungewöhnliche Erfahrungen vermittelt. Der bewusst irritierend sein möchte. Positiv irritierend.

Das ist mein Job : Ich will und kann nicht den guten Rat für das ganze Leben verkaufen. Ich kann aber helfen, in eine Richtung von mehr Selbstwirksamkeit zu schauen bzw. dazu wirksame Werkzeuge für die Orientierung in die richtigen Richtungen zu geben. Damit man auf den richtigen Weg kommt bzw. nicht so schnell die Orientierung verliert.

Arbeiten mit inneren Bildern

Die Arbeit mit inneren Bildern = Imaginationsverfahren wie z.B. Traumreisen gehört wohl in den Handwerkskoffer von fast allen Psychotherapeuten. Egal, welche methodissche Ausrichtung sie haben. Wir Psychotherapeuten lieben es, wenn unsere Patienten neue positive innrere Bilder entwickeln. Oder sie in der Kunst- oder Kreativtherapie zu Papiier oder in eine Form bringen.

Ich selber kann nun aber eigentlich überhaupt nicht gut in inneren Bildern fühlen oder denken. Ich bin sogar häufig neidisch auf Klienten, die schon sehr spontan mit solchen Metaphern bzw. Form-Übersetzungen in ein Bild bzw. eine mehrdimensionale Form kommen.

Ich möchte Euch daher zeigen, wie man selber solche Beschreibungen für sich selber entwickeln kann bzw. wie man diese emotionalen Erlebnisse für sich haltbarer und letztlich auch therapeutisch nutzbar machen kann.

Solche Erlebnisse bzw. Dinge, die man also positive Gefühle oder Aktivitäten, eigene Stärken und dem Gefühl von innerer Stimmigkeit und Wertschätzung erlebt hat, muss (und kann) man stärken. Es sind Momente der Selbstwirksamkeit.

Wir stärkt man nun die eigene Selbstwirksamkeit über innere Bilder ?

Hier habe ich mal eine unvollständige Liste von positiven Nachrichten bzw. Glücksmomenten zusammengestellt,

  • Ein Moment oder eine Leistung von Ihnen, der „besser als erwartet“ war :
    Ein Gefühl, das „besser als erwartet“ ist : Z.B. einen hohen Berg mit dem Fahrrad schaffen, ein Puzzle zu Ende legen, eine spontane Umarmung etc..
  • Ein Gefühl, dass sie mit Sicherheit und Geborgenheit angenehm verbinden
  • Das Gefühl bei einer positiven Aktivität, die sie neu (oder wieder) in den Tag aufgenommen haben
    (z.B. wieder einmal Sport machen, ins Schwimmbad gehen, einen alten Freund / Freundin anrufen)
  • Eine Gefühl, das mit einer persönlichen Stärke verbunden ist (z.B. Musik spielen, Malen, Sport )
  • Das Gefühl für einen Moment, der ihnen eine neue Erkenntnis oder eine Lernerfahrung gebracht hat
  • Eine Situation, die sie besonders gut gemeistert haben
  • Ein Gefühl für Eigenschaften, die sie oder andere Personen an ihnen schätzen
  • Ein Körpergefühl (z.B. Entspannung), das für sie angenehm ist (z.B. Geborgenheit, Nähe)
  • Ein Nahrungsmittel, das sie mit Genuss verbinden. Z.b. das Backen einer Torte
  • Eine Lösung oder positive Wendung, die sie als entscheidenden Schritt nach vorne in ihrem Leben erlebt haben. Das kann auch der Glaube sein, ein netter Mensch oder eine andere Erfahrung
  •  Eine neue Lernerfahrung bei sich, seinem Kind oder einer anderen Person begleiten.

Positive Gefühle in Formbegriffe übersetzen

In meinem Blog habe ich ja schon häufiger auf innere Bilder hingewiesen.

Hier geht man ganz genauso vor, d.h. übersetzt das positive Gefühl oder Erlebnis in eine Bild-Form. Häufig ist es so, dass sich das Bild nicht gross verändert. Es wird aber „geschützt“ (wie ein Foto, das man laminiert) und leichter erinnerbar.

Was meine ich damit ?

1. Wie nehmen ein besonders schönes, besonders einprägsames Erlebnis.

2. Wenn dieses Gefühl nun eine bildhafte Form annehmen könnte, kommt ihnen ein inneres Bild in den Sinn ?

Welche Farbe könnte am besten zu dem Gefühl passen ?
Wäre das Gefühl eher rund oder vielleicht eckig ? Es darf auch gerne formlos wie eine Wolke sein…
Wäre das Gefühl eher warm oder vielleicht erfrischend kühl ?
schwer oder federleicht ?
hohl oder massiv ?
klingt es bzw. gehören Geräusche dazu ?
Hat es vielleicht einen Geruch ?
Bewegt es sich ?

Ein Patient von mir hat diese Woche auch schon von sich aus eine Art „Energiekugel“ sich vorgestellt. Diese imaginäre „Kugel“ hat er quasi zwischen seinen Händen gehalten. Auch sehr schön.

3. Versuchen Sie jetzt einmal ungefähr 10 Augenbewegungen von rechts nach links, wenn Sie sich das innere Bild bzw. die innere Form vorstellen.

Nehmen wir an, Sie haben für sich eine entsprechende Übersetzung gefunden, so kann man diese „Ressource“ bzw. das positive Gefühl jederzeit mit wenigen Augenbewegungen oder rechts-links-Aktivierungen hervorholen.

Häufig wirkt aber diese Bildform wie eine Art Drehzahlmesser bzw. Anzeige für emotionale Belastung und Stress.

Beispiel von Selbstwirksamkeit bei Kindern über innere Bilder und Metaphern

Das möchte ich am Beispiel eines 12 jährigen Mädchens verdeutlichen, die über eine hohe Stressempfindlichkeit mit entsprechend starken körperlichen Symptomen klagte. Kinder können in der Regel toll in Bildern fühlen, so dass das Vorgehen sehr leicht und innerhalb weniger Minuten wie ein Spiel funktionierte.

Zunächst ging es darum, ein Gefühl oder Tätigkeit zu finden, bei der Sie ganz und gar bei der Sache und in einem guten Gefühl war. Nach längerem Suchen beschrieb sie Schlagzeug als eine solche Aktivität

Das Gefühl Schlagzeug zu spielen übersetzte sie spontan als einen grünen Flummi aus Gummi, der wild vor ihrem geistigen Auge hin und her sprang.

Sie sollte sich den Flummi mal in der Mitte ihres Kopfes vorstellen und dann ein paar Augenbewegungen machen.

Nach wenigen Augenbewegungen wurde der Flummi ruhiger bzw. auch durchsichtiger bzw. klarer.

Das Mädchen, nennen wir sie mal Julia, hatte dann selber sofort eine (synästhetische) Verküpfungen erkannt. Der Flummi zeigte sehr deutlich Stress und emotionale Belastungen an.

Innere Bilder verändern sich wie die Gefühle bei synästhetischen Menschen&

Ich habe Julia dazu aufgefordert an eine Person oder ein Schulfach zu denken, dass ihr Sorgen bereite. Wo sie vielleicht eine Note besser wäre oder nicht blockiert wäre, wenn diese Person nicht so ein negatives Gefühl auslösen würde. Oder an Liebeskummer, der weh tut.

Julia hatte sofort eine passende Situation :
Sie ist ein sehr sprachbegabtes Mädchen. Daher hatte sie als Wahlfach Spanisch gewählt. Aber ihre Spanisch-Lehrerin ist so ganz und gar nicht „spanisch“. Sie vermittelt weder Lebendigkeit, noch die Freude an Sprache. Vermutlich war sie selber noch nie in diesem schönen Land.. Und die eigenen Sprachkenntnisse sind auch eher auf dem Niveau einer schlechten Maschinenübersetzung. Fürchterlich.

Bei Gedanken an Probleme wurde der Flummi dunkler, so als ob eine schwarze Tusche mit in das klare Grün gemischt würde. Zudem veränderte sich die Rotatation bzw. Bewegung des Flummis.
Beim Gedanken an die Lehrerin wurde aus dem Flummi ein Kaugummi

Einige Augenbewegungen über diesen Flummi und er wurde wieder klarer (wobei sie dann sehr genau sagen konnte, was sie im realen Leben tun müsste, um dies auch tatsächlich dauerhaft umzusetzen).

Wie viele hochsensible Menschen gab Julia dann an, dass der Flummi besonders durch die Gefühle von anderen Menschen (ihre Eltern und bestimmte Lehrer) beeindruckt würde. Beeindruckt deshalb, weil er so Dellen zeige.

Julia kann jetzt die (synästhetische) Übersetzung in einen Flummi quasi wie eine Gefühlsanzeige nutzen ! Sie erkennt, wenn sich ihr emotionaler Zustand bzw. die Aussenbelastungen verändern anhand des inneren Bildes ! Das ist ungleich besser, als körperliche Frühwarnsignale von Stress und Belastungen.

Hier haben wir bei einem Kind ein tolles Beispiel dafür, dass die Übersetzung in die Bild-Form einfach viel bessere Informationen und Handlungsmöglichkeiten als die Fehlübersetzung in psychosomatische Beschwerden liefert. Aber auch Erwachsene (und sogar Therapeuten, die an der Methode zweifeln und nicht daran glauben, dass so eine einfache Methode funktionieren kann) können dies mit ein wenig Kreativität (und Ausschalten der Logikkontrolle und Besserwisserei des Frontalhirns) ganz einfach hinbekommen.

Negative Erfahrungen über innere Bilder verarbeiten

Julia beschrieb dann die Veränderung wie ein Kaugummi. Es stellt sich also die Frage, wie man denn nun Kaugummis dauerhaft entfernen kann.

Ich erklärte Jullia, dass Psychologen und ärztliche Psychotherapeuten halt Fleck für Fleck in Angriff nehmen und Kratzen, um den Fleck zu entfernen.

Na ja., das war jetzt sehr übertrieben negativ.

Ich fragte Julia, wie ihre Mutter denn Kaugummis entfernen würde.

Na, dafür gibt es doch Trockeneis. Einfach drauf sprühen und dann lässt sich der Kaugummi rückstandlos entfernen.

Genau.

Und genauso machen wir es mit der Übersetzung in innere Formbegriffe auch.

Ich habe dafür Julia aufgefordert sich mal in meinem Zimmer ganz viele Kaugummiflecken vorzustellen, die für frühere ähnliche negative Erfahrungen stehen.

Mein Zimmer wäre demnach mit klebenden, stinkenden, grauen Kaugummiflecken übersäht.

„Mein Problem ist halt auch, dass ich da so leicht in einen der alten Kaugummis reintrete wie ein Fettnäpfchen“, so Julia.

Das aktiviert dann aber eben das klebrige, negative Gefühl von allen früheren Situationen. Mein Gehirn unterscheidet offenbar nicht, ob es eine aktuelle oder eine uralte Situation ist.

Vielmehr werden eben alle ähnlichen Situationen mit aufgerufen. Und das ist dann ein fürcherliches, zähes Gefühl.

Julia war damit selber auf eine ganz wichtige Erfahrung gestossen.

Ich bat sie also, sich die Kaugummiflecken ihres Lebens jetzt als Zeitleiste vorzustellen.

Und dann haben wir halt auf die gesammte Zeitleiste Augenbewegungen gemacht.

Die Flecken wurden weniger. Einige wenige Flecken bliieben. Sie klebten aber nicht mehr. Und sie zeigten sich als „alte Flecken“, die man eben vielleicht noch nicht entfernen kann. Weil sie so eingetreten sind.

Aber es war ein guter Anfang.

Weil Julia eine Methode für sich entdeckte, die sie nun in ähnlichen emotionalen Be-Lastungen anwenden kann.

Sie selber übersetzte dann noch gerade aktuellen Liebeskummer in eine Bildform…. Aber das ist eine neue Geschichte…

Mehr dazu auch auf www.emoflex.com

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Wie beginne ich ein Gespräch und überstehe Gruppensituationen ?

Wer kennt es nicht : Smalltalk bzw in einer neuen Gruppe „Fremde“ ansprechen bzw. ein Gespräch führen. Ein Gespräch mit einer wildfremden Person beginnen. Für viele Menschen eine fürchterliche Vorstellung. Wie beginne ich also ein Gespräch ? Wie „überlebe“ ich gesellschaftliche Pflichtveranstaltungen ?

Das ist eine Problematik, die ein Grossteil meiner Patientinnen und Patienten betrifft. Und mich letztlich auch. Es mag dabei graduelle Unterschiede geben. Und man muss ja auch nicht immer und mit allen Menschen sich ein Gespräch aufdrängen lassen.

Ich selber bin eher ein introvertierter Mensch bzw. habe einfach in meiner Kindheit und Jugend weniger soziale Kompentenz in diesem Bereich aufgebaut. Im 1:1 Kontakt mit Patienten oder auf einer grösseren Bühne in einem Vortrag ist das kein Problem. Es ist ja auch ein grosser Unterschied in den Umgebungsfaktoren. Ich „rocke“ durchaus mal einen Vortrag oder Workshop und kann da durchaus unterhaltsam sein. Aber Smalltalk ist für mich ….

Besonders ab 10 Leuten bis zu grösseren Veranstaltungen wie das Sommerfest einer Firma, der 75. Geburtstag der Schwiegereltern, einem Gesellschaftsabend oder einer sonstigen Einladung bei „Fremden“ macht sich dann ein ungutes Gefühl breit. Ich möchte da lieber „weg“. Aber ich weiss halt auch, dass dies nicht immer geht. Und vor allem : Vermeiden gilt nicht und macht die Sache nur noch schlimmer. Sagt mir der Verstand. Mein Gefühl sagt das nicht.

Was sagt man denn nun aus Sicht der Psychotherapie zu Sozialer Unsicherheit

In einer Psychotherapie erfragt man daher erstmal genauer, wo bzw. wie sich die Problematik zeigt. Und entscheidet dann gemeinsam mit seiner Klientin oder dem Klienten, ob es sich nun um Schüchternheit, um eine Soziale Angst oder eben um eine übergreifendere Problematik wie eine selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstrukturierung / Störung handelt. Wie man das Kind nun nennt, ist an dieser Stelle erstmal zweitrangig.

Bei mir liegt es beispielsweise auch daran, dass meine Reizfilter so gebaut sind, dass es ab einer bestimmten Reizsumme von Lärm, sozialer Anspannung bzw. Durcheinander ungemütlich wird. Anders ausgedrückt : Ich will dann da raus oder noch lieber : Gar nicht erst hin…

Dann gibt es schlicht und ergreifend ein Mangel an Übung. Weil man durch seine soziale Abgeschiedenheit einfach weniger Situationen hatte, wo man soziale Kompetenz abschauen, einüben bzw. verändern konnte.

Aber meinen Patienten sage ich immer : Belastungssituationen sind Übungssituationen….

Sozialer Spam findern den Beginn eines Gesprächs

Soziale Unsicherheit bzw. Vermeidung kann aber auch daran liegen, dass in unserem Gehirn im Arbeitsspeicher derartige Situationen sehr negativ besetzt sind. Und jede neue Situation eben auch wieder so als „negativ“ bzw. gefährlich markiert wird. Ich habe in anderen Beiträgen in der Seelenklempnerei ja schon den Vergleich zu „Cookies“ eines Internetbrowsers gebracht :

Derartige unbehagliche Gruppen – Situationen merkt sich unser Gehirn wie Cookies bzw. Sozialer Spam. Sie werden als „Alarm“ bzw. Gefahr abgespeichert. Und diese Cookies senden uns dann in neuen ähnlichen Situationen eben wieder die alten Bilder, die alten Bewertungen und Gedanken wie unerwünschte Werbung oder Pop-Up-Fenster. Wer will schon mit allen möglichen negativen (Werbe) Botschaften bzw. inneren negativen Bildern und Katastrophisierungsgedanken zugespamt werden ?

Diese Cookies sind aber hoch individuell. Für die übrigen Menschheit sind die Situationen bzw. die Bewertungen der Situationen eben anders. Es muss ja nicht „richtiger“ sein. Anders.

Kein Wunder, dass wir da lieber unsere soziale Ruhe haben wollen und uns vor der Situation drücken.

Sich den Situationen stellen = Das Vermeiden vermeiden

Üblicherweise macht man das in einer Psychotherapie dadurch, dass man die Patienten halt mit ihren Ängsten im realen Leben konfrontiert Das nennt man dann Expositionstherapie (oder Flooding).

Ich selber glaube aber, dass man damit längst nicht alle Kanalratten aus der Vergangenheit = Cookies erwischt.

Schliesslich werden wir uns dann noch mit der Systempflege unserer Spiegelneurone beschäftigen, die für die Wahrnehmung unserer sozialen (einige würden sagen „unsozialen“) Welt zuständig sind.

Last but not least : Sehr viele meiner Patientinnen und Patienten haben das Problem, dass sie „frühe Störungen“ haben. Ihr Grundvertrauen in sowas wie soziale Sicherheit, Halt, Bindung und Beziehungen ist früh zerstört oder gar nicht erst entwickelt worden. Man kann sich das vielleicht wie ein Betriebssystem vorstellen, dass auf sehr basaler Ebene Macken hat bzw. nicht richtig weiterentwickelt werden konnte. Und in dem sich vielleicht Viren und Trojaner befinden, die es zu beseitigen gilt, weil sie uns immer wieder behindern.

In diesen Fällen ist unser inneres soziales Orientierungssystem ganz nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Oder eben gar nicht vorhanden.

Die 3 Sekunden Regel ein Gespräch zu beginnen

Aber soziale Unsicherheit kann eben dann auch zur Sozialen Angst bzw. Sozialen Phobie führen, so dass dann aus Angst vor Blamage in solchen Situationen die Öffentlichkeit gemieden wird.

Wie machen das nur die Anderen ?

Bei Scott Dinsmore habe ich den englischsprachigen Beitrag zu 32 Tipps zur Teilnahme an Gesellschaften gefunden. Viele der Ratschläge sind wirklich gut anwendbar. Andere vielleicht nicht.

Dabei war die 3 – Sekunden – Regel :

Sinngemäss übersetzt :

Wenn Du Jemanden siehst, mit dem Du eigentlich ein Gespräch führen würdest, hast Du 3 Sekunden Zeit „Hallo“ zu sagen.

Wartest Du länger, wirst Du vom Überdenken bzw. Grübeln davon abgehalten und wirst damit die Gelegenheit verpassen bzw. vermasseln. In aller Regel wird man es dann nicht nochmal versuchen.

Du weisst nicht, was Du sagen sollst ? Ganz egal. Irgendwas ist besser als NICHTS, da es Dich aus dem Zustand der No-Names (Namenslosen) in einem Meer der Gesichter zu einem Individuum mit einer Geschichte macht, die eben Courage zum Hallo-Sagen haben.

Das Problem an einfachen Ratschlägen ist, dass sie so schwer in der Praxis umzusetzen sind. Gerade wenn sich durch das Vermeidungsverhalten bzw. schlechte Erfahrungen (in Form von Mobbing / Stalking) bzw. einer schon entwickelten Sozialen Phobie sich da negative Trampelfade in der Psyche entwickelt haben, sie neue (eigentlich ja alte) Wege schwer einzuschlagen.

Hier werden wir uns also mit der Kognitiven Umstrukturierung bzw. Neubewertung der Sozialen Unsicherheit beschäftigen müssen.

Aber irgendwann muss man sie beginnen. Also dann, warum nicht JETZT ?

Schauen wir uns also mal die Situation aus der Perspektive eines Ausserirdischen an, der unsere „Mutter Erde“ besucht. Vermutlich wird es ihm / ihr / es dann eher so gehen wir Asperger-Autisten, die sich über zahlreiche soziale Gepflogenheiten der Spezies Mensch wundern. Wenn man versucht, diese nun „nachzumachen“, kann dies ganz schön in die Hose gehen.

Über 75 Prozent der „Kommunikation“ läuft also ohne Worte (= Nonverbal). Und längst nicht alle diese Kommunikationsmuster von neurotypischen (angeblich normalen) Menschen, sind als „normal“ zu bezeichnen. Man sollte sich also darüber klar werden, dass es den anderen Menschen auf dieser Gesellschaft in keiner Weise besser geht. Sowas wie „Normalität“ ist also nicht ein „Entweder-Oder“, sondern soziale Unsicherheit, Schüchternheit bzw. Kommunikationsprobleme sind eher graduell verteilt. Und praktisch alle Menschen kennen diese Situationen. Sie bewerten sie halt nur manchmal anders

Welche Tipps zur Kontaktaufnahme mit der Spezies Mensch lassen sich jetzt aus den Ratschlägen von Scott Dinsmore so ableiten ?

Siehe Fremde als Freunde an, die Du bisher noch nicht getroffen hast

Würden uns Ausserirdische als Fremde im Sinne von Feindem ansehen, hätten wir wohl so oder so verloren. Diese (Fehl-)Bewertung hält unser Gehirn aber eben häufig genug davon ab, überhaupt in diese Situationen zu gehen.

Die Hauptsache ist also eine Neubewertung der Situation. Das nenen wir Psychotherapeuten Kognitive Umstrukturierung. Man könnte aber auch mal sagen bzw. schreiben : Nimm mal einen anderen Blickwinkel ein. Und vor allem : Trete mal ein paar Schritte von deinem Problem zurück. Schaue es aus einer anderen Richtung an. Verbeisse dich nicht in die Angst. Dann wird sie nur wie ein Knoten immer fester.

Daher der Vorschlag, die Situation mal aus der Perspektive der Ausserirdischen zu sehen. Also auf die Metaebene zu gehen.

Egal, wie negativ auch die Vorerfahrungen sein mögen. Gehen Sie bitte von einem positiven Neustart aus. Mir ist schon klar : Das ist leichter gesagt als getan. Aber wenn sie alle Anwesenden als Gegner ansehen, die sie nur ausnutzen wollen, werden sie auch nonverbal in der Gestik, Mimik und im Tonfall entsprechende Botschaften aussehen oder aber eben nur auf entsprechende Signale achten, die ihre vorgefasste Meinung zu bestätigen scheinen.

Sie es also alles Fremde (oder gar Feinde), die sich auf dem Event befinden ?

In aller Regel nicht. Es wird schon den ein oder anderen „Bekannten“ geben. Zumindest wird es einen gemeinsamen Anlass (eben die Firmenfeier) oder ein Thema geben, zu dem eingeladen wurde (Der 75. Geburtstag der Schwiegermutter).

Ich weiss : Einige werden jetzt denken, dass dies die Sache ja nur noch schlimmer macht. Immerhin hat man dann einen Ruf zu verlieren bzw. die anderen könnnten merken….

Stop !

Siehe jede Situation als Chance bzw. Übungssituation

Wir Verhaltenstherapeuten lieben es Hausaufgaben zu stellen. Daher jagen wir unsere Patienten halt immer wieder in Situationen, in denen man gegen seine Unsicherheit bzw. Angst angehen soll. Dazu helfen ein paar Grundweisheiten, die man sich nochmal vor Augen führen sollte

Die anderen Teilnehmer der Veranstaltung sind mindestens genauso unsicher wie DU

Eben.

Lächele und sei froh.

…. es könnte schlimmer kommen. Definitv wird es aber besser, wenn man ein Lächeln im Gesicht hat. Es soll sogar helfen, das Lächeln zu üben.

Verstecke Dich nicht hinter Deinem Smartphone oder in der hintersten Ecke

Wer mich kennt, weiss warum ich das schreibe.

Bereite Dich auf die Situationen vor

Vorbereitung ist wichtig. Das bedeutet, dass man sich auf mögliche Gesprächspartner bzw. Themen schon einmal gedanklich und inhaltlich vorbereiten sollte.

Tja, aber worüber sollte ich denn reden, wenn schon Jemand mit mir reden würde ?

Ganz einfach : Suche Dir vertraute Allerweltsthemen. Worüber reden die Leute so ?
•Das Wetter
•Das Fernsehprogramm
•Fußball (o.K., die WM ist vorbei, dafür ist Bundesliga)
•Schauspieler bzw. Kino
•Backen (schau mal in Romys-Kuchenkruemel.blogspot.de)
•Hobbys

Lege dir einen Elevator-Pitch für den Beginn eines Gesprächs zurecht

Als Elevator-Pitch bezeichnet man eine Art Werbung in eigener Sache, die in den Zeitrahmen einer Fahrstuhl-Fahrt passt. Also eine Art Kurzbeschreibung bzw. einige wenige Sätze, die man sich für sich selber über sich selber bereit legt.
Sowas kann man auch ganz gut üben bzw. vorbereiten.

ABC der Kontaktaufnahme

Jeweils 2-3 wahre Sätze / Geschichten jeweils mit dem Anfangsbuchstaben des ABC

Also : A Arbeit = Ich arbeite derzeit als Oberarzt in einer Psychosomatischen Fachklinik. Schwerpunkte sind für mich ….
B = Beziehungen. Wichtiger als die Arbeit ist aber die Ehe und mein Familienleben.
C = Computer. Ich verbringe viel Zeit am Computer. Privat bin ich Mac-Anhänger, aber im Beruf….
D = Delphine. Das sind mit meine Lieblingstiere.
E = Essen Meine Liebslingsspeisen sind…
F = Freizeit In meiner Freizeit verbringe ich Zeit mit den Kids. Gestern waren wir Steinpilze-Finden
G = Geniessen. Richtig Geniessen kann ich die einen Tag an der Nordsee…
H = Humor. Lachen kann ich über Calvin und Hobbes

I = Imagination ist für mich ein ganz wichtiges Thema

J = Jubeln über Fussball kann ich nun nicht so

K = Kösen. Genauer Bad Kösen. Ein Ort, der Entschleunigung.

L = Lüneburg. Meine eigentliche Heimatstadt. Fand ich früher aber langweiliger als es ist.

M = Mittagessen. Zum Mittagessen gab es heute bei uns gefüllte Paprikaschoten mit Kartoffeln

N = Nichtstun finde ich wichtig. Ist aber ganz schön schwer

….

Setze Dir ein Zeitlimit und halte den Mund

Manchmal muss man aber respektieren, dass die Gesprächspartner nicht vollgelabert werden wollen. Dann sollte man auch mal den Mund halten können bzw. ein Nein als ein Nein respektieren.

Hilfreich finde ich persönlich, sich immer wieder klar zu machen, dass man ganz viele neue Chancen bekommt.

Je positiver man dabei denkt und handelt, desto besser.

Daher finde ich es ja auch so wichtig, POSITVE Nachrichten zu sammeln und zu teilen.
Machen Sie also mit bei der Aktion #PPP = Poste Positive Postings

Ich versuche es jetzt einfach mal.

Aktion zum Teilen von Positiven Nachrichten = Poste Positive Postings #PPP

Heute um 18 Uhr gebe ich den Startschuss zu einer Idee, die ich für mich persönlich seit einigen Wochen umsetze :

#ppp18Uhr

Jeden Abend um 18 Uhr erhalte ich eine Email mit der simplen Betreffzeile : „Was hast Du heute POSITIV erlebt ?“

Hintergrund ist, dass ich mir vorgenommen habe, ab 18 Uhr möglichst weniger auf schlechte Nachrichten zu achten und mehr / ausschliesslich positive Postings bzw. positive Nachrichten zu versenden.

Das gilt natürlich eigentlich im realen Leben noch viel stärker als im Internet bei Facebook oder Twitter und Co.

Den Hintergrund der Aktion zu

Positive Nachrichten versenden

erkläre ich heute im ersten Newsletter-Beitrag ein wenig.

Wichtig an der Aktion ist :
1. Mache Dir Gedanken, was Du heute POSITIVES erlebt hast.

2. Schreibe es auf, Poste es in Deinem Blog oder bei Facebook, Teile es.
Noch besser : Erzähle es einer Person, die Dir geholfen hat.

Für Blogger natürlich : Mache mit und verbreite die Idee an Deine Leserinnen und Leser

Gerne auch auf der Facebook-Seite der Seelenklempnerei http://www.facebook.com/seelenklempnerei.com oder unter diesem Blog-Posting. Damit man den Verlauf vielleicht nachvollziehen kann, wäre ein Verweis auf #ppp hilfreich (ich hoffe dieser Hashtag ist nicht irgendwie von früher verseucht).

3. Versuche drei oder mehr weitere Personen davon zu überzeugen, dass die #PPP-Challenge mindestens so sinnvoll ist, wie sich ein Kübel Eiswasser über den Schädel zu kippen. Das kann per Mail oder eben über die Sozialen Medien geschehen. Dort gerne auch durch Teilen in Deinen Lieblingsgruppen.

Wir freuen uns natürlich auch über Beiträge, Videos oder aktive Mitmach-Aktionen 🙂
Nominiert Freunde oder Promis und animiert sie dazu ein Vorreiter im Bereich positiver Psychologie zu werden.

Wer mag, kann sich dann jeweils täglich von mir erinnern lassen und dabei (vielleicht nicht täglich, aber regelmässig) positive Nachrichten bzw. Postings zum Thema erhalten. Dann hier in die Email-Liste des Blogs oder auf der Facebook-Seite anmelden.

Wichtig ist : Gute Nachrichten sollten sich verbreiten. Ich glaube daran, dass man dadurch die Internet-Welt für einen kurzen Moment positiver machen kann. Und das dies einen überraschend positiven Effekt auch auf die eigene Stimmung bzw. die Familien hat. Darum wird es dann u.a in den nächsten Newsletter-Beiträgen gehen.

Danke für das Mitmachen und Teilen.

Ärger ist ärgerlich oder Mensch ärgere dich nicht

Ärger und Stress ohne Ende

Derzeit kommt es bei uns ziemlich hart. Morgens früh sah ich eine eingeschlagene Autoscheibe meines Wagens. Der Wagen war von meiner Mutter geliehen, die vor 8 Wochen überfallen wurde und daher noch im Krankenhaus lag.

Geklaut wurden bei mir 6 Flaschen Cola. Schon die Tage zuvor war mein Ärgerkonto sehr hoch belastet. Unsere Familienkutsche will nicht anspringen und weder der ADAC noch die Werkstatt kann das Problem finden. Und zu allem Überfluss wurde dann unser Ältester notfallmässig ins Krankenhaus gebracht. Ganz grosser Zirkus mit 2 RTWs, Hubschrauber und Massenalarm im Dorf. Irgendwie konnte es also kaum noch schlimmer kommen.

Zusätzlich noch eine Email-Anfrage einer Frau, die nun unbedingt eine Diagnose speziell von mir erpressen wollte. Weil ich ihr ja schliesslich nicht einen Gefallen versagen könne.
Dabei kenne ich sie noch nicht einmal. Und habe keinerlei private oder sonstige vertragliche Beziehung zu ihr. Beim besten Willen könnte ich ihr nicht helfen, da sie an einem ganz anderen Ende der Republik lebt.
Sie ist verärgert und verbittert, vermutlich wird sie viele negative Vorerfahrungen haben.

Aber ihr Verhalten verursacht wiederum Ärger bei mir bzw. anderen Menschen.

Toxische Mitmenschen verursachen Ärger, weil sie selber ärgerlich und verbittert sind

Solche Menschen erlebe ich als toxisch. Sie machen es nicht absichtlich. Aber sie sind wie Gift. Und man hat instinktiv den Wunsch, sich vor ihnen zu schützen.
Das wiederum verstärkt den Ärger bzw. sie treten eher noch nach.
Für Psychotherapeuten ist dies nun nicht so ganz selten. Und es ist kein Problem, wenn man gerade emotional super ausgeglichen wäre. Ist man aber eben nicht immer. Und ich war es gestern definitiv nicht.

Das Ärgerlichste ist aber, dass ich mich darüber ärgern muss, dass ich mich weiterhin ärgerte. Als Psychotherapeut sollte ich es ja besser wissen.

Ärger führt zu einem inneren Tilt-Zustand

Sehr sehr ärgerlich. Ich merkte aber auch, wie ich innerlich immer aggressiver wurde. Fassungslos, unruhig und ich konnte mich nicht wirklich beruhigen.
Bewegung half nur bedingt. Entspannungsverfahren gar nicht. Drüber reden bzw. das Mitgefühl der Kollegen schon mehr. Meine eigenen Gedanken positiver zu gestalten bzw. auf einen Gedankenstop zu setzen, wie ich es sonst meinen Patienten rate ? Kam gar nicht in Frage. Meine Frau konnte mich dann beruhigen, aber dafür war sie nun besorgt und ärgerlich. Alles nicht so ganz günstig. Und wiederum ärgerlich. Ich kam da so nicht raus. Es war wie ein Tilt-Zustand eines Flippergerätes. Ich war quasi handlungsunfähig.

„Mensch ärgere Dich nicht“, sagte ich mir. Klappte aber nicht. Es ist wie beim Einschnappen bei Konflikten. Man müsste also auch wieder „Ausschnappen“. Sich Ent-Ärgern können.

Mensch entärgere mich

Später am Nachmittag habe ich dann erneut einen Bereitschaftsdienst in unserer Kinder-Klinik gemacht und habe versucht, über Fernsehen mich abzulenken. Dort habe ich eine der unzähligen Zoo-Sendungen gesehen.
Dort war ein Giraffenpfleger zu sehen, dessen Herz vor Glück überfloss. So der Reporter. Und man konnte es in seinen Augen bzw. seinem Tonfall sehen und sogar durch das Fernsehen spüren. Anlass war die Geburt bzw. das erste Aufstehen eines Giraffenjungen . Dieser Glücksmoment war ansteckend. Nicht die Geburt oder das süsse Baby. Der Gesichtsausdruck und die Stimme des Pflegers war einfach umwerfend positiv. Und der Ärger war erstmal weg.

Ich empfehle meinen Patienten, solche Glücksmomente zu sammeln. Sich innerliche Polaroidbilder zu machen bzw. das Glück in ein inneres Bild zu übersetzen. Habe ich selber leider nicht dran gedacht. Aber schön und wirksam war es auch so.

Von der Giraffe kam ich dann auf den Wolf.

Auf der Webseite Zeit zu leben sprach mich ein Beitrag von Nadja Petranovskaja mit einer sehr schöne Metapher zum guten und bösen Wolf nach einer Indianerweisheit an.

Es geht um die Frage, welchen „Wolf“ wir denn so täglich füttern. So hätten wir in unserem Herzen einen guten und einen bösen Wolf.

Die Waffen des bösen Wolfs sind Missgunst, Ärger, Selbstmitleid und so alle möglichen anderen schlechten Dinge

Der gute Wolf schenkt Vertrauen und alle möglichen grossherzigen positiven Eigenschaften und Gefühle.

Im Kern geht es jetzt in der Metapher erstmal darum, dass wir häufig auf Alltagssituationen eine falsche, weil negative Bewertung des bösen Wolfes übernehmen. Aber die andere Seite nicht sehen.

Positives Verhalten und freundliches Auftreten führt zu positiven Erfahrungen und Rückmeldungen

Je mehr wir den bösen Wolf füttern, desto stärker wird er. Und er prägt dann auch unsere Aussenerscheinung gegenüber anderen Menschen. Wir wirken eben verbittert, ärgerlich bzw. springen auf entsprechende andere Menschen schon ärgerlich und wütend bzw. aggressiv an. Natürlich werden wir dann immer häufiger und häufiger entsprechende negative Erfahrungen mit unseren Mitmenschen machen. So dass sich dies als Schemata bzw. Persönlichkeitsstörungen verfestigen kann.
Schön und gut. Ich war auch begeistert von der Metapher bzw. vom Rat, jetzt doch bitte den guten Wolf zu füttern. Und ich finde den Ratschlag auch richtig, sich JEDEN Tag mindestens ein Puzzleteil zu holen, wo wir und grossartig bzw. gut gefühlt haben.

Hört auf den bösen Wolf böse zu nennen

Alles richtig.
Irgendwie kam dann aber wieder Zweifel hoch. Vielleicht der böse Wolf in mir. Der Kritiker, der Besserwisser, der Querulant

Ich habe mir die Frage gestellt, aus welchem Wurf wohl der gute und der böse Wolf so stammen. Und ob im Wurf vielleicht noch weitere Wolf-Welpen dabei gewesen sind. Und warum sich der böse Wolf wohl immer so gereizt oder aggressiv fühlt.

Ich habe ein wenig weiter gesponnen und mich an Wölfe in Deutschland erinnert (z.B. jetzt in meiner relativen Nachbarschaft in der Göhrde). Sie haben schon grundsätzlich ein schlechtes Image. Und sie haben meistens einen Migrationshintergrund, bzw. wir wissen vielleicht zu wenig über die Vergangenheit der Wölfe. Sie werden es nicht leicht gehabt haben. Gerade dann ist auch ein aggressiver Vertreter in der Gruppe vielleicht gar nicht so verkehrt.

Das innere Team als Wolfs-Wurf

Warum denke ich jetzt an den Wurf ? Nun, es hat auch etwas mit dem Inneren Team bzw. Persönlichkeitsanteilen zu tun.

Glauben wir der Weisheit der Indianer sind also mindestens 2 Anteile in uns. Vielleicht sind es mehr, die wir noch gar nicht zu Gesicht bekommen haben. Aber sie gehören zusammen. Sie entstammen aus dem gleichen Ursprung.

Häufiger werden in der frühen Kindheit bzw. Jugend einzelne Anteile ausgegrenzt. Sie bekommen die Rolle des bösen Wolfs, damit es dem Rest besser geht. Sie geschützt sind vor allzu negativen Gefühlen bzw. Erfahren.

Gerade die aggressiven Anteile in uns sind wichtig, zum Abgrenzen. Zum Schutz vor Aggressoren von aussen. Aber auch, um Durchsetzungsvermögen zu zeigen.

Der böse Wolf ist deshalb so böse, weil eben genau diese Aufgaben von der Gesamtpersönlichkeit nicht mehr geleistet werden konnten. Er übernimmt für das „Rudel“ also eine Aufgabe, die die anderen Welpen (innere Kinder) im Wurf nicht ausüben können. Oder dürfen.

Der böse Wolf schützt seine Geschwister, die dann nach aussen so nett, so kompetent oder erwachsen wirken. In der Sprache der dissoziativen Störungen spricht man auch von einer anscheinend normalen Persönlichkeit. Er schützt die emotionale Persönlichkeit(en). Leider häufig um einen hohen Preis.

Der böse Wolf selber ist kalt und emotionslos. Er funktioniert. Er überlebt.

Kein schöner Zustand.

Ist es also fair, wenn wir den bösen Wolf weiter verprellen und ausgrenzen ? Ich finde nicht.

Wer kann sollte sich also mal die Wölfe als inneres Team vorstellen

Ich stellte mir also das gesammte Rudel der Wölfe bzw. den ganzen Wurf vor. Und wandte damit eine Emoflex(R)-Strategie zur Integration der verschiedenen Persönlichkeitsanteile an.

Damit fühlte ich mich versöhnlicher. Mit mir und den Wölfen.

Kopfschmerzen in der Schule : Nicht nur dicke Luft macht Kopfzerbrechen

Es gibt Initiativen, den möchte man eine virale Verbreitung in den Medien wünschen. Die Aktion Mütze gegen Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter vom Kieler Kopfschmerzexperten Prof. Göbel und seinen Mitarbeitern gehört definitiv dazu. Sie richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse und soll Präventions- und Aufklärungsarbeit in den Schulunterricht bringen. Sehr gut und ich ziehe meine Mütze vor dieser Idee.

 

Hier sind die Arbeitsmaterialien sogar auch für uns Eltern nachlesbar. Sehr vorbildlich von der Schmerzklinik in Kiel.

Für 2, 56 Euro pro Schüler würden damit an 16000 Schulen in Deutschland über 2,4 Millionen Jugendliche erreicht. Wenn denn sich genug Sponsoren finden, die diese Idee auch materiell unterstützen. Sollte also noch zu viel Geld auf dem Firmenkonto liegen, das wäre eine von möglichen guten Verwendungsmöglichkeiten…

Wir werden dann lernen, dass zuviel Stress, zu wenig Schlaf oder fehlende Bewegung und zu viel Handy- oder Computernutzung zu Spannungskopfschmerzen führt.
Belastungen durch Überforderung mit dem Lernstoff bzw. Angst und psychische Faktoren sind weitere häufige Ursachen, die auf der Hand liegen. Darüber hatte ich mir auf meinem Portal Web4health mal vor langer Zeit den Kopf zerbrochen. Siehe hier

Und dann gibt es Faktoren, über die wir vielleicht nicht so viel Hören und Lesen werden. Weil sie nämlich Geld kosten würden, die die Städte und Kommunen angeblich nicht ausgeben können.

Letztlich würde ich mir wünschen, dass die Verwaltungen jeweils in den Schulferien in Klassenräume ausquartiert würden. Damit sie einmal für 2 oder maximal 6 Wochen erleben, unter welchen Einflüssen unsere Kinder und Jugendlichen ihren „Arbeitstag“ verbringen. Ich vermute, dass die Krankenstände dann entsprechend hoch ausfallen würden.

 

Dicke Luft und Kohlendioxidbelastungen in der Schule

Wenn man als Eltern durch die Schule seiner Zöglinge zum Elternsprechtag oder zur Theateraufführung geht, so fühlt man sich meist in prähistorische Zeiten versetzt und ist froh, dort raus zu sein. Unterhaltungsarbeiten bzw. gar eine Berücksichtung baumedizinischer Erkenntnisse setzt man da lieber nicht voraus. Unsere Kinder verbringen dort einen sehr grossen Zeit ihrer Jugend.
Man muss jetzt gar nicht an Schadstoffbelastungen  oder Feinstoff denken, wenn man sich Gedanken um einen Zusammenhang von Kopfschmerzen und Schulräumen macht. Viel simpler ist der Zusammenhang mit verbrauchter Luft bzw. Anstieg der CO2-Konzentration im Klassenzimmer. Das kann durch falsche Sanierungen verschlimmbessert werden.

Eine Studie aus Portugal zeigte in Coimbra, dass gerade in der Heizperiode die Kohlendioxidbelastung weit über das gesundheitlich tolerable Maß stieg. Und eben mit ständigen Kopfschmerzen der Schüler und Atemwegserkrankungen verknüpft war.

Lüften würde helfen, müsste aber richtig gemacht werden.

Entsprechende Untersuchungen gibt es auch für Deutschland

Lärm macht Kopfzerbrechen

Natürlich sollen Kinder bzw. Jugendliche toben. Aber bitte schön nicht während der Mathestunde. Immer wieder berichten mir Jugendliche bzw. ihre Eltern, dass im Klassenraum ein Geräuschinferno herrscht. Damit ist nicht die Einflugschneise des Flughafens oder die Lage an einer befahrenen Hauptstrasse gemeint, gegen die dann hunderte auf die Strasse gehen. Sondern der Lärm durch zu grosse Klassen, ungelöste Probleme der Inklusion bzw. überforderte Lehrerinnen und Lehrer.

Kinder bzw. Jugendliche haben aber eine niedrigere Lärm- und Stresstoleranz als wir Erwachsenen. Kopfschmerzen können ein Indikator für ein Lärmverseuchung sein.

Reagiert Schule darauf ? Nach meiner Erfahrung eher nicht.

Lichtmangel und Auswirkungen des Tag-Nacht-Rhythmus

Sie ahnen es schon, auch Lichtmangel kann zu Kopfschmerzen führen. Hier haben wir einerseits das Phänomen, dass viele Fachklassenräume überhaupt kein Tageslicht mehr haben. Und es werden Kellerräume genutzt, die letztlich dann mit insuffizienten Tageslichtlampen ausgestattet sind.  Mehr Sport an der frischen Luft wäre auch eine Option.

Schulzeiten und Pendeln von Schülern

Aber letztlich spielen auch die Schulzeiten an sich eine Rolle. So muss unser Sohn als Buskind morgens um 6: 35 von der Bushaltestelle in ein 15 Kilometer entfernten Ort fahren. Mit ihm warten weitere 40 Schülerinnen und Schüler auf den Bus. Die Schule beginnt um 7:50 Dementsprechend muss er ungefähr eine Stunde früher geweckt werden.

Das hat nun im nach Studien eine Verschlechterung der Schulnoten um eine Stunde zur Folge. Und ein erhöhtes Risiko für Kopfschmerzen.

Verschiebungen des Tag-Nacht-Rhythmus bzw. überhaupt Schlafmangel spielen eine grosse Rolle. Natürlich wäre es auch anders denkbar. Dann müsste aber das Busunternehmen einen Bus mehr einsetzen für 2 erwachsene Berufspendler.

Richtige Anfangszeiten für Unterricht wären leicht umsetzbar. Aber vor uns sind schon Generationen von Eltern daran verzweifelt. Zum Kopfzerbrechen.

Kaugummi 

Gut, diese Empfehlung betrifft die Schüler selbst und würde kein Geld kosten. Eine Studie in Tel Aviv zeigte (bei allerdings nur 30 Schülern), dass Kopfschmerzen und zu starkes Kaugummikauen zusammenhängen. Einige Schüler kauten bis zu 6 h am Tag.  Kaugummi-Abstinenz führte dazu, dass 19 von 30 Kindern bzw. Jugendlichen schmerzfrei wurden. Bei weiteren 7 wurde es deutlich weniger.

Sie hielten sich nur nicht dauerhaft dran.

Ungerechtigkeit und Kopfschmerzen

Gerade hochsensible Kinder bzw. ADHS-Kinder und Jugendliche sind Indikatoren für Spannungen, Konflikte bzw. besonders Ungerechtigkeiten in der Schule.

Hier ist es wirklich zum Kopfzerbrechen. Es geht dabei ja nicht allein um die zeitliche Belastung für Schule bzw. Hausaufgaben und das Verschwinden bzw. Klauen von Frei-Zeit. Es geht darum, dass die Kinder und Jugendlichen in einem hohen Maß Willkür bzw. Ungerechtigkeit erleben Wenn sie es aber ansprechen würden, würden sie die Folgen auf den Zeugnissen sehen. Sicher nicht positiv.

Zustände wie im „Club der toten Dichter“ sind in unseren Schulen ja durchaus auch denkbar. Nur eben keine Vorbilder, die einem Captain ähneln und gegen die Zustände auf den Tisch steigen.

Was tun Jugendliche gegen Kopfschmerzen ?

Ein Drittel der Mädchen und ein Viertel der Jungen versuchen sich auszuruhen. Nur die Wenigsten gehen zum Arzt. Elf Prozent der Mädchen und sieben Prozent der Jungen greifen häufig oder immer zu Medikamenten. Fast zehn Prozent der Jugendlichen haben schon länger als einen Monat täglich Schmerzmittel eingenommen, die meisten ohne ärztliche Verordnung.

Beste Bedingungen also dafür, dass die Kopfschmerzen zu einem chronischen Problem werden.

Mehr Infos zum Thema Spannungskopfschmerzen von mir

 

 

Welche weiteren Ursachen von Kopfzerbrechen gibt es denn noch ? Auf Antworten und Erfahrungen bin ich gespannt.

Nichtstun ist anstrengend : Wie finde ich den Ausschalter für mein Gehirn

 

Angeregt durch den Aufruf zu einer Blogparade bzw. Sammlung von Blogbeiträgen zum Thema „Nichtstun“ auf Nichtstun- Fluch oder Segen konnte ich nicht anders als aktiv zu werden. Das demonstriert schon das erste Paradoxon des Nichtstun : Man kann eigentlich auf Aufforderung schlecht inaktiv werden. Nichtstun ist auch kein inaktiver Zustand, eher im Gegenteil. Nichtstun hat auch viel mit dem von mir zuvor diskutiertem Thema der Zeitschuld bzw. Zeitarmut zu tun. Auf den Punkt gebracht :  Burnout und Erschöpfungsdepressionen sind ein ungedeckter Kredit auf unser eigenes Zeitschuldkonto. Genauer dargestellt : Freie Zeit, Leerlauf, Erholung bzw. Entspannung. Zeit zum Träumen, Zeit zum Spielen.

Die Hauptthese in meinem Blogbeitrag zum Nichtstun lautet  also :

Nichtstun kostet mehr Energie als Tun

Daraus abgeleitet werde ich versuchen zu erklären, warum Nichtstun so häufig nicht gelingt bzw. darstellen wie man seinen inneren Ausschalter für das Gehirn findet. Damit man mal wirklich ins Nichtstun kommt.

Nichtstun ist ein Geschäft mit ausbaufähigem Buisiness-Modell

Eine ganze Wellness- und Gesundheitsindustrie samt Therapeuten, Coaches oder sonstigen Heilsversprechern lebt von dem Wunsch einen Ausschalter im Kopf zu finden.  Oder noch besser : Ihn nicht zu verraten, aber Versprechungen zum Erreichen von Achtsamkeit, Entspannung, Schlaf und anderen Erfahrungen in dieser Richtung zu verkaufen. Sollte auch das nicht gelingen oder zu anstregend sein,  versuchen wir es halt mit Selbstmedikation (von Alkohol, Naschen bzw. Essen im Übermass, Kaufen bzw. Ablenkungen der unsinnigen Art bis zum Fernsehen oder dem Fittnessdrang der übertriebenen Art).

 

Nichtstun? Geht das überhaupt, darf man das?

Wir können nicht Nichtstun. Zumindest ist unser Gehirn im sogenannten „Leerlauf“ = Default Mode Network eher aktiver als wenn wir Denken oder Handeln. Dieser Nichtstun-Modus mit Tagträumerei bzw. „Nichts“  ist also möglicherweise der wichtigste Abschnitt im Tag, da dadurch Lernen aus Erfahrungen erfolgt. Gleichzeitig ist es der Abschnitt, wo wir Löschen bzw. Ausmisten im Gehirn machen müssten. Träumende Menschen, sind die besseren Problemlöser. Im Traum entwickeln wir Lösungen bzw. lösen uns von Problemen. Das hat man u.a. bei sog. luciden Träumern untersucht. Also Menschen, die sich im Traum bewusst sind, dass sie Träumen.

Das Problem am Nichtstun ist eher, dass genau dieses Leerlaufproblem gestört ist. Speziell das Löschprogramm läuft häufig nicht so rund , wie wir es für ein sorgenfreies Nichtstun bräuchten. Entweder müsste unsere Festplatte im Gehirn mal ordentlich defragmentiert werden oder aber das Aufräumprogramm bräuchte mal ein Update….

Nichtstun ist also anstrengend bzw. kostet sogar 80 Prozent mehr Energie als Denken bzw. das Ausleben der sog. höheren Handlungsfunktionen = Exekutivfunktionen des Gehirns im Wach- oder Aktivzustand. Höhere Handlungsfunktionen wären das Planen von Aktivitäten, Entscheidungen treffen, Zeitmanagement bzw. Zugriff auf das Arbeitsgedächtnis  und was uns halt den lieben langen Arbeitstag so an „Kulturaufgaben“ des Gehirns so aufgeladen wird.

Nichtstun ist schmerzhafter als Elektroschocks

Und es geht ja noch drastischer  : In psychologischen Experimenten wählen Leute, die zum Nichtstun verdammt sind, lieber Elektroschocks  bzw. Schmerz als das Nichts. Nichtstun ist also eine Qual. Jedenfalls wenn man wirklich ohne Ablenkungsquellen wie Bücher, Musik, Smartphone oder Internet einfach sitzen gelassen wird. Bevor sie nun das stupide Nichtstun aushalten mussten, „quälten“ bzw. aktivierten sie sich dann doch lieber selber mit Elektroschockreizen. Schon krass. Ob nun übliche Kurse zu Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung bzw. Autogenes Training durch aktive Entspannung den Weg zum Nichtstun zeigen ? Schon möglich, aber auch dort findet man häufig das Phänomen, dass gerade beim Versuch des einsetzenden Nichtstuns die innere Unruhe steigt.

Der Mensch versucht dann auf dem Weg zum Nichtstun bzw. Entspannung die verschiedensten Methoden, die ihnen die gute Bekannte, der Arbeitskollege oder auch mal der Arzt oder Psychologe empfiehlt. Mit mässigem Erfolg.

Oder ist es die reine Zeitverschwendung?

Nichtstun ist also  gesund bzw. sinnig, da dort eine Art Aufräum- und Sortierprogramm für die Tageserlebnisse passiert bzw. wir in einer Art imaginierter Testlaufphase für Aktivitäten und Entscheidungen laufen. Das ist ganz schön anstrengend. Besonders, wenn da noch ziemliche Unordnung bzw. Altlasten aus der Vergangenheit mit rumschwirren. Wie ich mir das so vorstelle, kann man in diesem Beitrag von mir hier sehen.

Wo fängt das Nichtstun also an, wo hört es auf und welche Arten gibt es?

Diese Frage ist verdammt schwierig zu beantworten, bzw. wohl noch nicht endgültig geklärt. Relativ klar ist aber, dass bei vielen Menschen mit dem Umschalten von Aktivität auf „Nichtstun wollen“ sich ein inneres Kopfkino oder Sorgenrad meldet.

Durch den Alltag oder Aufgaben sind wir von diesem Kopfkino erstmal abgelenkt bzw. es wird gebremst. Dieses innere Bremsen wird auch als Inhibition bezeichnet.
Den lieben langen Tag sind wir also überwiegend mit Bremsen, Filtern bzw. Aussortieren von inneren und äußeren Reizen beschäftigt. Irgendwann ist diese Bremse aber wie ein Muskel auch erschöpft.

Diese Form von Erschöpfung der Selbstbeherrschung kann man ganz gut bei übermüdeten Kindern mit ADHS oder eben leider auch bei Streits unter Ehepartnern am Abend erkennen. Die Selbststeuerung bzw. Selbstbeherrschung versagt wie ein Deo.

Wäre ja schön, wenn dann NICHTS da wäre. Ist aber nicht. Sollten wir wirklich dann mal auf der Couch oder dem Bett ruhig liegen, so drehen sich nicht selten die Gedanken bzw. Bilder im Kreis, oder es ist ein ziemliches Durcheinander im Kopf. Zumindest häufig.

 

Emotionale Erlebnisse werden wie Cookies eines Browser behandelt

Blöd ist halt auch, wenn die abgespeicherten Erlebnisse quasi die Markierung (in der Computersprache „Tag“)  ALARM haben. Also wenn es Erlebnisse sind, die wir subjektiv als irritierend, bedrohlich oder als sonstwie traumatisierend erlebt haben. Derartiger Sondermüll ist nicht so einfach zu löschen. Zumindest nicht, wenn man nicht weiss, wie es geht. Und das aus gutem Grund, da es ja für das Gehirn und dem Rest des Körpers überlebenswichtig sein könnte, dass man nicht erneut in Gefahr gerät.

Unser Gehirn speichert aber emotionale Erlebnisse wie Cookies eines Browsers. Man sieht bzw. merkt diese Cookies nicht unbedingt. Und doch werden sie aufgerufen bzw. haben wichtige Informationen.

Je mehr Datenmüll bzw. emotionale Altlastinformationen so mit in unserem Betriebssystem bzw. Browser mitschleppen, desto anfälliger ist das System aber. Oder je leichter wird man erschöpft.

Also schwirrt der Inhalt dieses Speichers quasi im Kopf umher. Mal als Sorgenrad, mal als ein Wirrwarr von Bildern, als Blitze oder vielleicht auch als scheinbar körperliche Symptome wie ein Kloss im Hals oder Spannungskopfschmerzen. Unser Körper ist da rechts einfallsreich, was halt uns Psychosomatiker dann auch gut beschäftigt.

Wenn also Nichtstun misslingt, haben Ärzte und Therapeuten die Auftragsbücher voll und es verkaufen sich halt alle möglichen Nahrungsergänzungsmittelchen oder sonstige Quacksalberei umso besser.

 

Eine sogenannte Untätigkeit ist…

… schwer zu erlernen.
Buddhistische Mönche verbringen ihr ganzes Leben (und wer weiß wie  viele Wiedergeburten) mit Übungen zur Achtsamkeit bzw. Kontemplation. Sie üben das Nichts. Sie erreichen es aber selten.

Das nennt man dann Achtsamkeit oder „mindfulness“ und man kann ganz schön viel Zeit damit verbringen, diesen Zustand des aktiven Nichtstuns zu erlernen. Kindergartenkinder können das noch so. Spätestens in der Schule treiben wir es ihnen aber schon aus.

Wenn wir produktives Nichtstun lernen wollten, müssten wir es also von Kindergartenkindern abschauen. Und würden erkennen, dass Nichtstun häufig auch mit Spiel bzw. eben Träumen zu tun hat.

Wie kommen wir also zu einem erholsamen  Nichtstun ?

Fassen wir nochmal kurz zusammen : In unserem Default Mode sind quasi die unerledigten Dinge des Tages bzw. des Lebens als emotionale Fingerabdrücke oder aber als Sondermüll wie Computer-Cookies gespeichert. Unser Gehirn versucht sie in der gewohnten Art und Weise zu verarbeiten :  Der dafür verwendete Ablauf wäre in etwa

  • Nehme ein Erlebnis oder ein Gefühl
  • Übersetze es in eine möglichst sinnfreies Bild oder aber Video
  • mache Augenbewegungen wie im REM-Schlaf  (= rapid eye movements)
  • Schmeisse den emotionalen Anteil weg, wenn er unwichtig ist bzw. speichere den wichtigen Inhalt in einem Archiv des Wissens

Ganz einfach, wenn es einfach ist. Und wenn man halt Zeit dafür hat.

Wenn es nicht so einfach ist, braucht man schon eine Seelenklempnerei. Dann muss man handwerklich systematisch auf mögliche Fehlersuche der körpereigene Regulationssysteme gehen.

Manchmal ist es aber trivial schlicht Schlafmangel.

Wir haben aber meist zu wenig Zeit für Tagträumerei bzw. auch zu wenig Schlafzeit. Wenn Du (oder Sie) diesen Blogpost nach 22 Uhr lesen, wäre es schon kritisch. Unser Gehirn braucht schlicht und ergreifend eine Aus-Zeit von Bildschirmmedien / Glotze oder zuviel künstlichem Licht.

Der richtige Augenblick?

Ist JETZT. Wann denn sonst ?

Er ist nur schwer einzufangen und noch schwerer zu halten. Wie eine Seifenblase, die zerplatzt.

Interessant ist, dass es bei einigen Krankheiten wie beispielsweise der Epilepsie, der Migräne oder aber auch der Essbrechsucht (Bulimie) jeweils eine Art „Reset-Zustand“ gibt. Das Gehirn wird quasi durch die „Störung“ in einen Zustand des Nichtstuns bzw. des Neustarts gebracht.

Dieser Zustand hält nicht lange an. Und die Symptomatik davor bzw. danach ist auch alles andere als gesund. Es geht mir nur darum, dass es einen ganz kurzen Moment gibt, in dem NICHTS sozusagen als Idealzustand abgespeichert ist. Das Gehirn hat also sowas wie einen inneren Ausschalter einmal gedrückt und das System muss wieder neu starten. Andere Versuchen dies vielleicht über Selbstverletzungen wie Schnippeln, was ich aber überhaupt nicht empfehlen würde…

Aber kennt das Gehirn nicht selber den inneren Ausschalter ?

Vermutlich spielt übrigens auch Gähnen eine Rolle beim Versuch ein Reset unseres Gehirns bzw. eine Aktivierung des Leerlaufmodus zu bekommen.  Es scheint aber manchmal eher wie Schluckauf des Gehirns zu sein, den wir unterdrücken.

Gähnen Sie also mal wieder bzw. übersetzen sie das Gefühl des Gähnens in ein inneres Bild.

Welche Farbe hätte Gähnen ?
Wenn Gähnen eine Form hätte, wäre sie rund oder eckig ?
Eher leicht oder schwer ?
Warm oder erfrischend kühl ?
Bewegt sich Gähnen ?

Betroffene könnten das in vergleichsweise kurzer Zeit (wieder) erlernen. Also sich wieder die natürlichen emotionalen Problemlösemechanismen aneignen, die wir als Kinder noch hatten. Für Profi-Seelenklempner ist das zunächst ein total unbekanntes Terrain, das misstrauisch beäugt wird. Ganz sicher. Aber warum kompliziert, wenn es auch ganz einfach ginge ?

 

Erfahrungen sammeln

Ich finde es spannend, sich an diejenigen Menschen auf der Erfahrungssuche zu wenden, die eben Erfahrungen mit diesem Reset-Modus des Gehirns haben.

Ich habe beispielsweise bei einer Bulimikerin mir genau diesen Zustand als inneres Bild beschreiben lassen. Es war eine Art Seifenblase, die semipermeabel ist. Das bedeutet, dass sie sich in ihrer „Blase“ der Bulimie für einen ganz kurzen Moment wohlig geschützt fühlt. Innen in ihrer Innenwelt ist sie geschützt gegen den emotionalen Lärm der Aussenwelt. Sie kann aber Fühlen und Leben. Zumindest für einen kurzen Moment.

Das Gefühl in der Seifenblase bzw. der Schutz der Seifenblasenmembran versuche ich dann in ein Bild zu übersetzen. Eben die Seifenblase. Und damit arbeiten wir dann über Imagination bzw. Rechts-Links-Stimulation weiter. Wir sammeln weitere innere Bilder von Schutz bzw. Selbstwirksamkeit. Von Reset bzw. Reinigung, von Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit.

Das ist jetzt in einem Blogpost vielleicht nicht so darstellbar, wie es dann als individuelle Lösung von der Patientin bzw. für die Patientin und vor allem mit dem Patienten entwickelt wird.

Manualisierte Psychotherapie ist das sicher nicht.

 

Nichtstun ist eine Herausforderung, aber durchaus machbar.

Übliche Empfehlungen zum Nichtstun wäre, Achtsamkeit zu üben und mal 1 oder 5 Minuten aus dem Fenster zu schauen und den Wolken zu folgen.  Oder 10 Minuten auf einer Rosine zu kauen.  Ohne Bewertung, ohne Handlungsimpuls.

Dann müsste man sich Freiräume im Alltag dafür schaffen, dass man 5 oder 10 Minuten Achtsamkeit für sich und seine Handlungen entwickelt.

Alles richtig.
In dem Blogbeitrag habe ich aber versucht darzustellen, dass unser Gehirn bzw. unser Gehirn eben selber Mechanismen hat, die zur Erholung und Entspannung führen. Die wir aber systematisch ausschalten bzw. übergehen.

Wir müssten also erst einmal genauer Abschauen, was unser Gehirn so macht, wenn es am Nichtstun ist.

Wie stehe ich also zum Thema Nichtstun ?

Ich würde gerne Nichtstun als Schulfach haben. Lehrer wären die angeblichen Tagträumer. Wir müssen von Denjenigen lernen, die schon aus eigener Erfahrung Experten in Tagträumerei bzw. Kontemplation sind.

Und ich träume von einer anderen Art der Psychiatrie und Psychotherapie, die eben Störungen wie Bulimie, Borderline, Migräne oder Epilepsie als das versteht, was es eigentlich auch ist : Der Versuch wieder einen Zustand der inneren Ruhe bzw. Nichtstun erreichen zu können.

Jetzt aber genug mit dem Nichtstun. Wenn es schon spät sein sollte, denke an die Kindersendung Löwenzahn : Öfter mal Abschalten. Das gilt auch für den Rechner.

Erklärvideo zu Depressionen

Auf dem Psychiatrie-Blog „Schräglage“ von Dr. Teuschel bin ich auf ein englischsprachiges Erklärvideo zum Thema Depressionen gestossen. „Treating the black dog“ ist auch mit geringen Sprachkenntnissen verständlich. Und der Blog selber ist auf jeden Fall einen Besuch wert.